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Der Norden Diese 8,5 Millionen Euro teure Straße ist illegal
Nachrichten Der Norden Diese 8,5 Millionen Euro teure Straße ist illegal
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00:15 01.07.2017
Die Umgehungsstraße in Bensersiel ist bis auf Weiteres gesperrt. Quelle: Ingo Wagner
Bensersiel

„Demnächst“, sagt die Dame mit dem Hündchen, „kommen die Touristen nicht mehr zu uns, weil es hier so schön ist. Sondern weil es so lustig ist.“ Sie lacht. Es klingt ein bisschen bitter.

Die Dame wohnt quasi um die Ecke von einem Bauwerk, über das schon halb Deutschland lacht. In Bensersiel an der Nordseeküste, Teil der Samtgemeinde Esens und Hafen für die Fähre nach Langeoog, steht der längste Schwarzbau der Republik. Vor sechs Jahren wurde eine Umgehungsstraße um den Ortskern herum fertiggestellt, die gebaut worden ist, obwohl sie in einem Vogelschutzgebiet liegt. Der Großteil des Grund und Bodens, auf dem die Straße angelegt wurde, gehörte einem pensionierten Richter aus Dortmund. Der ist enteignet worden, hat dagegen geklagt und gewonnen. Die Straße wurde trotzdem weiter genutzt, jahrelang. Ein einziger Witz. Eine Provinzposse. Haha.

Missgunst und Starrsinn

Aber die Geschichte ist alles andere als spaßig. Es ist eine Geschichte von Macht und Geld und Missgunst und Starrsinn.

Ein Onkel des pensionierten Dortmunder Richters hat vor vielen Jahren in Bensersiel einen Hof besessen und dann seinem Neffen vererbt. Der Richter, der anonym bleiben will, verpachtete den Hof, 70 Hektar, Milchwirtschaft. Dann plante die Gemeinde die Umgehungsstraße - die Trasse führte auf 5,2 Hektar mitten durch die Flächen des Richters.

Entlang der ostfriesischen Küste zieht sich ein großes EU-Vogelschutzgebiet. Als das Land Niedersachsen diese Areale für die EU ausgewiesen hat, wurde - Insider sagen: auf dringenden Wunsch der Gemeinde - rund um Bensersiel ein Bogen ausgenommen, und die Umgehungsstraße sollte genau auf der Grenze verlaufen.

Mit Sendungsbewusstsein

Das war nicht rechtskonform und obendrein unnütz: Denn laut EU-Bestimmungen darf in einem möglicherweise schutzwürdigen Gebiet, einem „faktischen“ Schutzgebiet, schon nicht mehr gebaut werden. Doch die Stadt Esens kümmerte sich nicht darum. Und seit der Dortmunder Richter seine Prozesse gewonnen hat, brennt in Bensersiel die Luft. Schuldzuweisungen, Vorwürfe und Halbwahrheiten bestimmen die Debatten.

Aber warum können sich eine Gemeinde und ein Grundstückseigentümer nicht über eine strittige Fläche einigen? „Weil es vielleicht nicht nur um Straße und Schutzgebiet geht“, sagt Manfred Knake. Knake, ein pensionierter Lehrer, wohnt im Esenser Ortsteil Holtgast und betreibt mit ein paar anderen „Öko-Opas“ (Knake) den Wattenmeerrat, eine kleine Naturschutzinstitution, die den Behörden auf die Finger schaut. Mit Sendungsbewusstsein: Knake ist ein leidenschaftlicher Aufdecker von „Staatsversagen“, aber Kompetenz hat ihm noch nie jemand absprechen können. Er hat früh auf das Vogelschutzgebiet hingewiesen, niemand wollte es hören.

Denn die Gemeinde hätte gern ein Baugebiet zwischen Bensersiel und der Umgehungsstraße ausgewiesen. Das hat Knake schon immer vermutet, und Esens Samtgemeindebürgermeister Harald Hinrichs bestätigt es schließlich, auf wiederholte Nachfrage.

Ein Riesengeschäft. Wenn es geklappt hätte. Wenn der Richter aus Dortmund nicht gewesen wäre. Hinrichs redet über so was nicht gern. Er spricht lieber über Übernachtungszahlen. Er spricht auch leutselig über Entschädigungssummen, die man dem Richter angeboten habe, lässt halblaut eine Zahl fallen: „4 Millionen.“ Für 5,2 Hektar. Holla, denkt man, großzügig.

Leider sagt Hinrichs nicht die ganze Wahrheit. Zum einen hat es nie einen Ratsbeschluss über die 4 Millionen Euro gegeben (wie er später einräumt). Zum zweiten hat der Rat zu dem Zeitpunkt, als Hinrichs von den Millionen spricht, bereits festgelegt, die Straße nachträglich legalisieren zu wollen, aber für den Richter allenfalls 500 000 Euro rauszurücken (plus rund 300 000 Euro für bislang entstandenen wirtschaftlichen Schaden). Das hat eine gewisse Logik: Mit den Klagen ist das Vogelschutzgebiet sozusagen zementiert worden. Und ein Baugebiet ist jetzt ausgeschlossen.

Kommt der Abriss?

Hinrichs sagt, er hoffe noch auf eine Lösung. Leute, die den Rat und die SPD-Mehrheit in Esens von innen kennen, sind skeptisch - aber nicht wegen des Richters. Auch heute noch, heißt es, herrsche an der Küste ein tiefes Misstrauen gegen Leute, die nicht aus der Gegend kämen, und wenn jemand Fremdes größere Flächen erbe, dann würden die Alteingesessenen neidisch, und wenn er dann auch noch Schwierigkeiten mache, würden sie zornig. Dem starken Mann in der örtlichen SPD, Heiko Willms, wird der Satz nachgesagt, solange er im Rat sei, bekomme der Richter keinen Cent. Dafür gibt es aber keine Bestätigung. Willms selbst ist nicht zu sprechen. Bensersieler berichten, dem Richter werde im Ort allenthalben Habgier unterstellt. „Schmutzkampagne“, sagt einer.

Die Umgehungsstraße ist seit Kurzem gesperrt. Es fahren trotzdem viele drüber. Der Dortmunder Richter erwägt jetzt, den Abriss der Straße in Auftrag zu geben.

Doch, es ist alles ein Witz. Ein trauriger.

Von Bert Strebe

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