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Der Norden Deshalb fühlen sich Schäfer in ihrer Existenz bedroht
Nachrichten Der Norden Deshalb fühlen sich Schäfer in ihrer Existenz bedroht
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20:04 28.03.2018
„Wir bekommen genauso viel wie vor 40 Jahren“: Schäfer Mathias Dreyer von der Schäferei Ulenhof funk +++ Quelle: dpa
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Rehden

Allzu kalt ist es nicht, aber der Wind pfeift ganz schön auf diesem Acker und bohrt sich durch die Jacke. Auch Schäfermeisterin Lina Offergeld fröstelt es, obwohl sie das ganze Jahr über draußen ist. Ihre Herde mit Diepholzer Moorschnucken steht auf einem eingezäunten Stück Wiese, zwei Herdenhunde geben auf sie während der Nacht Acht.

„Schafe sind tolle Tiere“, sagt die aus dem Ruhrgebiet stammende Frau. Die Arbeit ist abwechslungsreich – wenn die Tiere Junge bekommen, ist sie Hebamme, sie muss auch mal Futterraufen selber bauen, sie ist das ganze Jahr über in der Natur. „Wir sind Mädchen für alles“, beschreibt die 34-Jährige ihre Tätigkeit.

3000 Arbeitsstunden im Jahr

Nur: Trotz der Sieben-Tage-Wochen und der vielen Arbeit wird sie mit dieser Tätigkeit nie reich werden. „Für das Schaffleisch bekommen wir heute genauso viel wie vor 40 Jahren“, sagt ihr Chef Mathias Dreyer. Auch bei der Wolle zahlen die Schäfer drauf: 20 bis 30 Cent bekommt er für das Kilo, aber allein die Schur eines Tieres kostet 2,50 Euro, sagt Dreyer. Und dann kommt die Arbeitszeit: Mindestens 3000 Arbeitsstunden leistet ein Schäfer im Jahr.

Umgerechnet auf den Verdienst liege das Einkommen unterhalb des Mindestlohnes, sagt Dreyers Kollege Michael Seel, der rund zehn Kilometer weiter westlich am südlichen Dümmer-Ufer einen Schäferhof betreibt. „Wir finden keine motivierten jungen Leute mehr, die Engagement mitbringen für den Beruf“, sagt Seel. In ganz Norddeutschland gibt es derzeit nur um die zehn Auszubildenden.

Viele Kosten für Hunde

Seitdem der Wolf wieder zurück ist, ist die Situation für die Schäfer noch angespannter geworden. Denn um die Weidetiere zu schützen, müssen die Schäfer kräftig in Schutzzäune oder in Hirtenhunde investieren. Zwar erstatte das Land 80 Prozent der Erstausstattung - aber die inzwischen drei Jahre alten Zäune müssen irgendwann auch erneuert werden. Und bei den Hunden ist die Anschaffung noch der geringste Kostenfaktor, sagt Dreyer. „Ein Hund verursacht zwischen 1000 und 1400 Euro Kosten im Jahr“, rechnet er vor. Futter, Versicherung, Tierarzt - und das mal zwölf, denn seine Herden aus Bentheimer Landschaf und Diepholzer Moorschnucke schützen zwölf Hunde.

Gerade wegen des Wolfes werden wohl in den nächsten Jahres viele Schäfer in Niedersachsen aufgeben, befürchtet Joachim Rehse. Der Schäfer aus dem Kreis Uelzen ist der Vorsitzende des Landesschafzuchtverbandes Niedersachsen. Denn die Zeit, die die Schäfer in die Wolfsvorsorge stecken, fehlt bei der Betreuung der Herden - dadurch leiden die Betriebsergebnisse. „Wenn ich keine Lämmer habe, kann ich auch keine verkaufen“, sagt Rehse.

Schafe sind wichtig für Deiche

Die Zahlenkurve weist nach unten: 2006 gab es in Niedersachsen noch mehr als 255.000 Schafe und 3615 schafhaltende Betriebe, 2016 waren es nur noch rund 168.000 Schafe und rund 1000 Schafhalter.

Dabei sind Schafe wichtig für den Erhalt von Landschafts- und Naturschutzflächen, und auch der Deiche. Die Hochmoorlandschaft in der Diepholzer Moorniederung lasse sich nur mit der Beweidung der Flächen mit Schafen erhalten, sagt Dreyer. Auch die Lüneburger Heide gäbe es nicht mehr, wenn keine Schafe weiden würden. Und damit die Deiche fest stehen, ist die Beweidung mit Schafen unersetzbar, sagt Rehse.

Umgang mit Wolf prüfen

„Wir wollen die Kopfprämie“, sagt Rehse. Gemeint ist eine Prämie für die Weidetierhaltung, die sich nicht nach der Fläche berechnet, sondern nach der Zahl der Muttertiere. Den Spielraum dafür gäbe es, denn in 22 EU-Staaten werden ihm zufolge Schafe über eine Kopfprämie gefördert. Zwar müssten dann Ackerbauern ein bisschen von ihren Fördergeldern abgeben. „Für sie ist es nicht existenzbedrohend, aber uns würde das sehr helfen“, sagt Rehse.

Und die Politik? Die zunehmend schwierigere wirtschaftliche Lage der Schafhalter sei ihr bewusst, sagt Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU): „Ich erkenne die Leistungen der Schafhaltung für die Gesellschaft und die Natur an und weiß um die hohe Arbeitsbelastung der Schäferinnen und Schäfer, die Tag und Nacht, bei Wind und Wetter für ihre Tiere da sind.“ Der Umgang mit dem Wolf müsse gemeinsam mit Umweltminister Olaf Lies (SPD), dem Bund und der EU überprüft werden.

Eine Unterstützung der Schafhalter in Niedersachsen für die besonderen Leistungen und den Wolfsschutz halte sie für ebenso wichtig wie eine deutlich stärkere Nachfrage der hochqualitativen Produkte aus heimischer Schafhaltung durch den Verbraucher, sagt die Politikerin.

Von Elmar Stephan

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