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Der Norden So laufen die Vorbereitungen für das atomare Endlager
Nachrichten Der Norden So laufen die Vorbereitungen für das atomare Endlager
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21:45 08.08.2018
„Das ist genau der richtige Weg“: Umweltminister Olaf Lies (vorne) an einem Schacht, über den Atommüll in die Erde gebracht werden soll. Quelle: dpa/Stratenschulte
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Salzgitter

Die wohl tiefste Baustelle Niedersachsens liegt in Salzgitter: 1000 Meter unter der Erde – im Tunnelgeflecht des ehemaligen Eisenerzbergwerks Schacht Konrad – entsteht ein Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll. Fünf Minuten brauchte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Mittwoch, um im Fahrstuhl bis ganz nach unten zu kommen. Lies wollte sich vor Ort eine Bild vom Baufortschritt machen. Doch schon jetzt ist klar: Das Endlager wird wohl knapp fünf Jahre später fertig als geplant – angepeilt wird nun das Jahr 2027.

„Die Vorstellung ist ja bei vielen, dass wir es mit einem alten Bestands-Bergwerk zu tun haben“, sagte Lies. „Dabei entsteht hier in Wahrheit eine völlig neue Anlage.“

Fertigstellung: Wohl 2027

Unter Tage versprühte Thomas Lautsch, der technische Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) Optimismus. „Wir sind sehr deutlich fortgeschritten, die Baustelle läuft rund, und ein Viertel des Einlagerungsvolumens ist fertig“, sagte der Bergbau-Ingenieur. Insgesamt soll es mal 300.000 Kubikmeter betragen.

Zurzeit arbeitet die BGE als Betreiber- und Betriebsgesellschaft von Schacht Konrad an einer Umladestation sowie an der Renovierung des Schachts, über den künftig der Atommüll in die Tiefe gelangen soll. Das Problem: Anders als in Bergwerken entstehen keine Stollen, sondern bis zu 13 Meter hohe Tunnelschächte. Die Bergleute treiben dazu bis zu 18 Meter lange Eisenstangen als eine Art Dübel ins Ton-Gestein.

Ein TÜV-Gutachten hatte ergeben, dass die Lagerstätte wohl im ersten Halbjahr 2027 fertig sein wird. Lautsch setzt dennoch auf einen früheren Zeitpunkt. Bei der Einlagerung des Atommülls soll anschließend Zeit aufgeholt werden, indem nicht wie bisher geplant im Einschicht-Betrieb, sondern in zwei Schichten gearbeitet wird. Bisher waren etwa 30 Jahre für die Einlagerung vorgesehen – weitere zehn Jahre werden zum Abbau der Anlagen benötigt. Im Einschichtbetrieb sollten täglich 17 Behälter angeliefert werden.

Als große Herausforderung gilt neben der Logistik vor allem das komplexe Genehmigungsverfahren. Die BGE gibt zu, die Planungstiefe unterschätzt zu haben. „Allein für einen Gabelstapler müssen wir 70 Ordner einreichen – da gucken jetzt die Experten dieser Welt drauf“, sagte Lautsch, der den Aufwand angesichts des Umgangs mit Gefahrengut aber durchaus für berechtigt hält.

Die BGE hatte im März als einen Hauptgrund für die Verzögerung eine Reihe alter Verträge genannt, die teils noch vor 1990 abgeschlossen worden seien und mit deren Erfüllung es nun Probleme gebe. Welche Folgen die Verzögerung für die Kosten haben wird, ist noch unklar. „Wir kalkulieren im Moment mit Baukosten von insgesamt 4,2 Milliarden Euro“, sagte der BGE-Geschäftsführer.

Das Vorhaben wird seit 30 Jahren kritisch von Bürgerinitiativen begleitet, die vor der Gefährlichkeit warnen. Die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad etwa hält das alte Bergwerk für komplett ungeeignet. Lies traf sich nach seiner Besichtigung im Bergwerk mit Vertretern der Gegner. Schon vorher vertrat er aber beeindruckt von seiner Besichtigungstour die Ansicht: „Ich halte das Konzept für durchdacht; das hier ist genau der richtige Weg, der beschritten wird.“

Von Ralf E. Krüger

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