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Der Norden Rechte Eltern als Problem an Waldorfschulen
Nachrichten Der Norden Rechte Eltern als Problem an Waldorfschulen
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06:00 05.05.2017
Hitzacker

Das Gebäude für die Grundschüler hat rosa Balken, aus dem Nachbarhaus mit dem geschwungenen Dach klingt leise Gesang. Ganz hinten auf dem Gelände mit den vielen Bäumen sitzen Schülerinnen hinter hellen Fenstern und spielen Cello. Friedlich liegt die Freie Schule Hitzacker zwischen Wald und Elbe, Fachwerk und Kopfsteinpflaster. Doch die heile Welt ist brüchig. Kürzlich musste die Waldorfschule den Vertrag mit einer Familie kündigen. Der Vater hatte sich als Vorsitzender des NPD-Jugendverbands „Junge Nationaldemokraten“ entpuppt. Die Kündigung folgte schnell
Der Mann gab einen falschen Vornamen an, als er seinen Sohn für dieses Schuljahr anmeldete. Als die Schulleitung Hinweise auf die Identität des Vaters bekam, dauerte es nur wenige Tage bis zur Kündigung, denn aus Gerüchten wurden schnell Beweise.

„Das Bullerbü 2.0, das die Waldorfschulen einmal waren, das gibt es nicht mehr.“ Der Mann, der das sagt, muss es wissen. Er ist es schließlich, der den Vertrag mit den Eltern gekündigt hat. Frank Steinwachs, Lehrer und ehemaliges Mitglied der Schulleitung, sitzt an einem Montagabend in der Küche der Lehrer, draußen ist es dunkel, spät, und er wirkt ein wenig müde. Doch müde ist nur sein Gesicht. Der Kopf des 46-Jährigen ist hellwach. „Auch wir sind ein Spiegel der Gesellschaft. Und was sich vor zwei Jahren noch wie Bullerbü 2.0 anfühlte, kommt heute in der Wirklichkeit an.“
Seit etwa zwei Jahren schlägt sich die Schule mit einem Problem herum, das den inneren Frieden durchaus stört: Die Waldorfschule im Wendland, die für ein Kind 207 Euro und für zwei Kinder 330 Euro Schulgeld im Monat kostet, scheint auch Mitglieder der sogenannten Neuen Rechten anzuziehen. Weil sie in der Lehre Rudolf Steiners Anknüpfungspunkte zu ihrer eigenen Ideologie sehen.

Die Zuwendung zur Natur, zu Märchen und (germanischen) Mythen, das Erlernen traditioneller Handwerke, die pro-genossenschaftliche Organisation, biologische Landwirtschaft und alternative Medizinformen: All das sind Punkte, die für Waldorfschulen grundlegend in ihrer Pädagogik sind – und die von Rechten ideologisiert werden.

Und dann gibt es da noch die verbalen Entgleisungen Rudolf Steiners über Juden: Verbalinjurien, von denen sich der Bund der Waldorfschulen heute strikt abgrenzt, zum Beispiel indem der Verband vor zehn Jahren die sogenannte Stuttgarter Erklärung abgegeben hat, in der er sich gegen jede Form von Nationalismus, Rassismus und Diskriminierung ausspricht und sich von bestimmten Passagen in Steiners Werk abgrenzt.

Doch diese öffentliche Verlautbarung reicht offenbar nicht, um die unerwünschte Klientel davon abzuhalten, Fans der Freien Schulen zu werden, und das nicht nur in Hitzacker. 2004 hatte der Fall um einen Braunschweiger Waldorf-Lehrer Schlagzeilen gemacht, der von der Schule zur NPD gewechselt war.

In Hitzacker ist das Thema seit gut zwei Jahren virulent – seit die Amadeu-Antonio-Stiftung eine Informationsveranstaltung zu der Bewegung der sogenannten Völkischen Siedler im Wendland abgehalten hatte. Sie schockte Eltern damit, dass sie etwa 30 Familien in der Region diesem neurechten Spektrum zuordnet.

Zu Beginn für Arbeiterkinder

Rudolf Steiner, geboren am 27. Februar 1861, war Begründer der Anthroposophie. Er verfasste rund 6000 Vorträge, mehrere Bücher und etliche Aufsätze unter anderem zu Pädagogik, Kunst, Religion und Landwirtschaft.
In Wien hatte Steiner Mathematik und Naturwissenschaften studiert, beschäftigte sich aber auch mit Philosophie, Literatur und Geschichte. In seinen Werken reflektierte er unter anderem die Tradition deutscher Philosophen, naturwissenschaftliche Erkenntnisse und christliche Mystik, die den Menschen und seinen Erkenntnisprozess in den Mittelpunkt stellte.

Die erste Waldorfschule gründete Steiner 1919 für die Kinder der Arbeiter der Stuttgarter Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria. Diese leitete er bis zu seinem Tod am 25. März 1925.

Keine Gesinnungsschnüffelei

Der Ärger mit dem NPD-Vater war durch die Kündigung des Vertrages zwar relativ schnell überstanden. Doch das Thema an sich ist es noch lange nicht. Eltern der rund 300 Schüler haben einen Arbeitskreis gegründet, und eine Gruppe Lehrer rund um Frank Steinwachs arbeitet an einem Konzept, wie mit Familien umgegangen wird, über die es Gerüchte gibt, sie seien „irgendwie rechts“. „Wir betreiben keine Gesinnungsschnüffelei“, sagt Steinwachs. „Und wir diskriminieren niemanden. Aber auch und gerade als Waldorfschule müssen wir uns klar positionieren.“
Auch der Bund der Freien Waldorfschulen setzt sich mit dem Thema auseinander. Er hat eine Broschüre zu den sogenannten „Reichsbürgern“ veröffentlicht und arbeitet derzeit an Publikationen über Rassismus und die eigene Geschichte während des Nationalsozialismus. „Wenn Menschen, die sich der rechten Szene zuordnen, Steiner für sich vereinnahmen wollen, liegen sie nicht nur komplett daneben. Wir wehren uns auch dagegen“, sagt Henning Kullak-Ublick, Kommunikationsvorstand der Bundesvereinigung. Das sei allerdings kein spezifisch anthroposophisches Problem. Viele alternative Szenen, zum Beispiel auch die biologische Landwirtschaft, hätten mit Vereinnahmungsversuchen durch die Neue Rechte zu tun. „Waldorfschulen sind nicht besonders gefährdet. Sie haben aber ein besonderes Problembewusstsein. Und das Einzige, was hier hilft, ist aufzuklären“, sagt Kullak-Ublick.

Das ungewollte Interesse von rechts sei leider nichts Neues, meint Detlev Schiewe, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Niedersachsen im Bund Freier Waldorfschulen. „Es gibt immer wieder rechtsradikale Bewegungen, meistens sogenannte ,Reichsbürger’, die sich mit den Waldorfschulen beschäftigen.“

Die Lage sei in Niedersachsen derzeit vergleichsweise ruhig. Von stärkeren Problemen habe man aber in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gehört. Grundsätzlich seien die Waldorfschulen bei diesem Thema sehr wachsam. Außerdem seien alle Schulen aufgerufen, sich an ihre Landesverbände zu richten, wenn es zu so einer Situation komme, damit sie die Auseinandersetzung nicht alleine führen müssten.

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