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Der Norden Trotz aller Proteste: Die Pflegekammer nimmt Gestalt an
Nachrichten Der Norden Trotz aller Proteste: Die Pflegekammer nimmt Gestalt an
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00:43 04.05.2018
Nadya Klarmann, Mitglied des Vorstandes der Pflegekammer Quelle: Michael B. Berger
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Hannover

 Sie war politisch heiß umstritten, Gewerkschaften wie auch Arbeitgeber bezweifelten ihren Sinn. Doch ungeachtet früherer Proteste nimmt die Pflegekammer Niedersachsen, die mehr als 80.000 Beschäftigte in der Pflege vertreten könnte, langsam Gestalt an. Ein Errichtungsausschuss  hat mit seinem fünfköpfigen Vorstand an der hannoverschen Marienstraße Quartier bezogen und bereitet die für den Juni geplanten Wahlen der großen Mitgliedervertretung der pflegenden Berufe vor. Für die Wahl der ersten Kammerversammlung sind knapp 47.900 Mitglieder der Kammer wahlberechtigt. „Ich kann nur an alle appellieren, ihr Wahlrecht auch wahrzunehmen  – es geht um ihre eigenen Interessen“, sagt Vorstandsmitglied Nadya Klarmann, die selbst ein kleines Pflegeunternehmen hat.

FDP: „Zwangsmitgliedschaft“

Klarmann war nach eigenen Worten skeptisch, als die Frage aufkam, ob man auch in Niedersachsen eine solche Interessenvertretung der pflegenden Berufe braucht, die sich organisiert wie etwa die Ärzte- oder Handwerkskammern. Besonders umstritten ist die Pflichtmitgliedschaft in einer solchen Kammer, die in Rheinland-Pfalz bereits seit zwei Jahren existiert und sich in Schleswig-Holstein vor wenigen Tagen konstituiert hat. Insgesamt 1362 der angeschriebenen Pflegerinnen und Pfleger haben der Übermittlung ihrer Daten an die neue,  im Aufbau befindliche Kammer „widersprochen“, erklärte das Sozialministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der FDP-Sozialexpertin Sylvia Bruns. Die FDP spricht von „Zwangsmitgliedschaft“ in der Kammer, deren Gründung noch von der rot-grünen Landesregierung beschlossen worden war.

Nadya Klarmann, die aus dem Arbeitgeberlager kommt, und Sandra Mehmecke, die stark bei Verdi engagiert ist, halten den Aufbau der Interessenvertretung jedoch für zwingend notwendig. „Alle reden über die Pflege, aber keiner redet mit der Pflege“, sagt Mehmecke, die stellvertretende Vorsitzende des Errichtungsausschuss ist. „Je mehr man sich näher mit der Lage der Pflege befasst, desto dringlicher erscheint die Kammer“, sagt Klarmann. In der zu wählenden Pflegekammer werden künftig 31 Vertreter sitzen, die aus den drei Berufsgruppen Gesundheits- und Krankenpflege (20 Sitze), der Altenpflege (8 Sitze) und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege (3 Sitze) stammen.

Die Kammer soll künftig durch eine Berufsordnung die Rechte und Pflichten der Pflegefachkräfte regeln, Behörden in Fragen der Gesetzgebung beraten und den Pflegebereich auch in der Öffentlichkeit vertreten. „Es geht auch darum, dass die Fremdbestimmung der Pflegekräfte ein Ende hat“, sagen die beiden Vorstandsmitglieder.

Wichtig sei es, dass die Frage nach der Qualität der Pflege von den Fachleuten beantwortet werde. Dass es etwa noch keine Berufsordnung gebe, spreche Bände. Wie hoch die Mitgliedsbeiträge werden, ist noch nicht ausgemacht. In Rheinland-Pfalz liegen sie bei Einkommen zwischen 2500 und 4500 Euro bei 9,80 Euro pro Monat.

Nicht zuletzt soll sich die Kammer auch um das ramponierte Image des Pflegerinnen- und Pflegerberufs kümmern, aus dem viele flüchteten, weil sie Gewissensfragen quälten. „Nicht wenige ausgebildete Kollegen ziehen den Dienst an einer Supermarktkasse dem sogenannten ‚Dienst an der Front’ vor, weil sie sich dann nicht mit der Frage herumquälen müssen, um welchen Patienten sie sich in einem Nachtdienst zu erst kümmern müssten und wie viele andere sie dann vernachlässigen.“ Eine Pflegekraft stehe nachts 50 Patienten zur Verfügung. Das sei die Minimalanforderung. „Doch wenn da einer aus dem Bett fällt, haben Sie ein Problem.“

Von Michael B. Berger

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