Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Der Norden Die Chromjuwelen von Einbeck
Nachrichten Der Norden Die Chromjuwelen von Einbeck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:33 15.05.2017
Das Innenleben der Prinzessin: Der PS-Speicher in Einbeck zeigt, wie die Dauphine von Renault Mitte der Fünfzigerjahre konstruiert worden ist. Quelle: Villegas
Einbeck

„Ich hatte eine unglückliche Kindheit und Jugend“, sagt Karl-Heinz Rehkopf. Kunstpause. „Mein Vater konnte mir kein Auto kaufen. Nicht mal ein Motorrad.“ Der Schalk blitzt in seinen Augen, sogar durch die getönten Brillengläser hindurch. „Aber ich wollte ja Mädchen beeindrucken. Also musste ich arbeiten, um mir selbst ein Motorrad zu kaufen.“

Er kaufte eine gebrauchte Victoria V 99, Baujahr 1938, aus Nürnberg, 99 Kubik, 100 Mark. Mit dieser Maschine begann eine Geschichte, die über die Jahrzehnte zu einer der beeindruckendsten Oldtimersammlungen überhaupt geführt hat. Und zu einem Publikumsmagneten in dem mit solchen Vorzügen nicht eben reichlich bedachten Städtchen Einbeck: dem PS-Speicher. Heute zeigt der Speicher rund 400 Schätze aus Rehkopfs Sammlung. Und nach und nach werden jetzt auch die Depots mit weiteren Kostbarkeiten geöffnet.

Der bescheidene Stifter

Karl-Heinz Rehkopf ist 80 Jahre alt. Sein Vater leitete eine kleine Molkerei, die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen. Rehkopf musste immer arbeiten, fürs Motorrad, fürs Studium. Später dann, in den Siebzigern, begann er, die „Teppich-Domäne Harste“ aufzubauen. Ein Unternehmen, das heute Tedox heißt und 450 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht.

Nein, er habe keine Teppiche verkauft, sagt Rehkopf. Denn Teppiche, das klingt nach Perser und handgeknüpft. Er habe Auslegeware verkauft. Rehkopf ist bescheiden. Man weiß nicht genau, wie viele Millionen er hat, aber viele sind es. Allein für den PS-Speicher hat er 30 Millionen Euro ausgegeben. Trotzdem fährt Rehkopf Golf. Vor wenigen Jahren noch hat ihn niemand gekannt, wenn er durch Einbeck lief, und das war ihm sehr recht. Wenn jemand etwas Anerkennendes über den PS-Speicher sagt, reicht Rehkopf das Lob sofort an sein Team weiter.

Die Sammlung entstand, weil Karl-Heinz Rehkopf Dinge, vor allem technische Dinge, im Sinne des Wortes wertschätzt. Also behielt er die Motorräder, die er gefahren hatte. Hielt sie in Schuss. Kaufte dann hier noch ein altes dazu, da ein noch älteres, dann auch Autos. „Ich kaufe Gebrauchtwagen“, hat er mal gesagt. Der Schalk.

Heute gehören 2600 Fahrzeuge zu Rehkopfs Sammlung, mit der größten Kollektion deutscher Motorräder, die es gibt. Den Wert kann man nicht mal richtig schätzen. Eine Benz-Motorkutsche von 1894 gehört dazu, sie heißt „Victoria“, wie das Motorrad damals, und stammt aus dem Besitz des Nähgarnfabrikanten Alexander Gütermann. Fahrtüchtig - und nicht zu ersetzen. Gütermann bekam 1895 den ersten Strafzettel, weil er so schnell an einer Wirtschaft vorbeigefahren war, dass die Vorhänge flatterten. 26 Kilometer pro Stunde.

Außerdem in Rehkopfs Sammlung: diverse Lanz-Bulldog-Traktoren, das erste in Serie gebaute Motorrad der Welt von Hildebrand & Wolfmüller, ein „Megola“-Motorrad von 1920 mit dem Motor im Vorderrad, ein 15-PS-Cabrio von Autobauer Paul Kleinschnittger, 1954 hergestellt, Seriengröße: eins. Und, und, und. „Chromjuwelen“ hat Marketingchef Alexander Kloss die Sammlung mal genannt.

Feuerwerk an Ideen

Rehkopf wollte seine Schätze eigentlich erst nach seinem Tod zeigen lassen. Seine Kinder haben ihn überzeugt, dass es anders besser wäre. Er hat die Sammlung in eine Stiftung überführt und das Museum dann seiner Heimatstadt geschenkt.

Wobei: Das ist kein Museum. Das ist ein Feuerwerk an Ideen. Das Team hat die unterschiedlichen Stockwerke in dem historischen Kornspeicher, in dem die Exponate untergebracht sind, nach Jahrzehnten gegliedert. Man beginnt oben bei Pferd und Fahrrad und endet unten in der Zukunft der selbstfahrenden Autos. Es gibt interaktive Stationen und jede Menge kleine Tunnel, Buden, Aben­teuerecken für Kinder. Die Erwachsenen entdecken derweil die Kutsche mit Motor und den DKW für den Weg zum Einkauf im Fünfzigerjahre-Kaufhaus und das Amphibienfahrzeug auf dem Zeltplatz und die Milchbar mit den Vespas davor. Es gibt sogar eine Disco. Langweilig ist was anderes. 100 000 Besucher kommen jedes Jahr, 40 000 mehr als ursprünglich geplant. Karl-Heinz Rehkopf hat die Stadt verändert.

Bislang war knapp ein Sechstel seiner Sammlung zu sehen. Die übrigen Stücke sind in Depots über die Stadt verteilt. Das erste wurde 2016 geöffnet: Busse, Lkw, Baumaschinen aus 100 Jahren. Rehkopf hatte sie als komplette Sammlung gekauft und als Treck nach Einbeck überführt. Das nächste Depot, das geöffnet werden soll, nämlich 2018, ist das mit den Kleinwagen. Goggos, Lloyds, Isettas. Wieder die weltgrößte Sammlung.

Sammelt er noch? „Nur noch aus Notwehr“, sagt Karl-Heinz Rehkopf. Der Schalk blitzt. „Nur noch Fahrzeuge, die ich schon seit Jahrzehnten suche.“

Automuseen in Niedersachsen

Der PS-Speicher (Tiedexer Tor 3, 37574 Einbeck) ist jeden Tag außer Montag geöffnet. Zum Museum gehört eine Mehrzweckhalle, in der auch mal Symphoniekonzerte stattfinden. Ebenfalls dabei: Edelrestaurant und Hotel. Infos: www.ps-speicher.de.
Aber Niedersachsen verfügt über viel mehr Automuseen. Ein Überblick über regelmäßig zugängliche größere Sammlungen:

Automuseum Volkswagen: 130 Fahrzeuge vom Käfer bis zum Bulli, einschließlich Prototypen. Geöffnet von Dienstag bis Sonntag (Dieselstraße 35, 38446 Wolfsburg, www.automuseum-volkswagen.de)
Zeithaus in der Autostadt Wolfsburg: 260 Fahrzeuge von mehr als 60 unterschiedlichen Marken, viele Design-Ikonen. Die Autostadt (Stadtbrücke, 38440 Wolfsburg, www.autostadt.de) ist täglich geöffnet.
Automuseum Melle: 
Rund 300 Fahrzeuge, von ganz alten bis zu Young­timern, alle fahrbereit. Pestelstraße 38–40, 49324 Melle, www.automuseum-melle.de, geöffnet von dienstags bis sonntags.
Automobil- und Spielzeugmuseum Nordsee: 
Rund 40 Fahrzeuge, plus Spielzeugautos. In der Sommersaison täglich geöffnet (Ostermarscher Str. 29, 26506 Norden, www.automuseum-nordsee.de).
Automobil-Museum
 Asendorf: Rund 60 Fahrzeuge, vom Hochrad bis zum Acht­zigerjahre-Auto. Im Sommerhalbjahr sonnabends und sonntags geöffnet (Essener Straße 5, 27330 Asendorf, www.
 museum-asendorf.de).

Zwei Jahre nach seiner Tour zum Nordkap geht ein als "Trecker-Willi" bekannter Rentner aus Südniedersachsen wieder auf große Fahrt: Mit seinem 18 Stundenkilometer schnellen Traktor will der 81-jährige Winfried Langner aus Lauenförde diesmal nach St. Petersburg tuckern. Vier Monate will er unterwegs sein.

15.05.2017

Ein Spaziergänger hat in Oldenburg einen Betrunkenen mitten in der Nacht aus einem anderthalb Meter tiefen Wassergraben gerettet. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, sprang der 48-jährige Retter beherzt in den stark verschlickten Graben. 

14.05.2017

Die Polizei hat die Softair-Waffen von drei jungen Männern einkassiert, die damit bei Schießübungen in einem Wald in Salzgitter erwischt worden sind. Ein Spaziergänger hatte die drei im Alter zwischen 20 und 24 Jahren am Samstagabend beobachtet und es mit der Angst zu tun bekommen.

14.05.2017