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Der Norden Vergewaltigung von Therapeutin: Wurden Fehler gemacht?
Nachrichten Der Norden Vergewaltigung von Therapeutin: Wurden Fehler gemacht?
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19:29 18.10.2017
Der Mann hatte vorgegeben, seine Familie in der Nähe von Bremen besuchen zu wollen, jedoch stand das Haus in Delmenhorst am Montag leer und wurde zum Tatort. Quelle: dpa
Delmenhorst

Der Mann hatte vorgegeben, seine Familie in der Nähe von Bremen besuchen zu wollen, jedoch stand das Haus in Delmenhorst am Montag leer und wurde zum Tatort. 50 Mal war dem 27-Jährigen zuvor bereits begleiteter Ausgang gewährt worden, ohne dass irgendetwas Beanstandungswürdiges passiert war.

„Wir sind alle tief erschüttert“, sagt die Sprecherin des Justizministeriums in Hannover, Marika Tödt. Die vergewaltigte Frau erhält psychologische und medizinische Betreuung. Sie ist eine erfahrene, qualifizierte Kraft. Zudem wurde ein Kriseninterventionsteam in das Gefängnis im Emsland geschickt, das die landesweit größte Sozialtherapie-Abteilung hat. Hier werden vor allem Sexualstraftäter behandelt.

Therapeutin trugt keine Waffe

Der 27-jährige Deutsche war 2012 in Spanien festgenommen und dort 2013 wegen sexueller Nötigung zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Seit 2014 nahm er an dem Behandlungsprogramm in der JVA Lingen teil, im Sommer 2018 sollte er entlassen werden. Mit seiner Therapeutin war er zuvor schon mehrfach allein außerhalb der Gefängnismauern unterwegs. Eine Waffe oder andere Vorkehrungen zum Selbstschutz hatte die Frau nicht.

„Bisher gibt es keinen Hinweis auf ein Fehlverhalten“, betont die Ministeriumssprecherin. Ausgangspunkt für die Lockerungen der Haft war ein Gutachten des Prognosezentrums des Niedersächsischen Justizvollzugs. Diese Prognosen seien in der Regel sehr treffsicher, sagt Bernd Wischka, Leiter des Instituts zur Förderung von Tätertherapie und Rückfallprävention. Der Psychotherapeut hat früher die Sozialtherapie der JVA Lingen geleitet, heute hält er Vorträge. „Man tut der Gesellschaft keinen Gefallen, wenn man zu restriktiv ist, und sie ohne Vorbereitung raus kommen“, sagt er über die Gefangenen.

Gefährliche Straftäter in der sogenannten Sicherungsverwahrung dürfen dagegen seit 2015 generell nur in Begleitung von mindestens zwei Justizleuten nach draußen. Hintergrund war die Flucht zweier Sicherungsverwahrter bei Freigängen ein Jahr zuvor. In einem Fall hatte der Freigänger nach seiner Flucht eine 13-Jährige vergewaltigt.

Übergriffe auf weibliche Justizbedienstete gab es in der Vergangenheit vereinzelt innerhalb von Gefängnismauern. 1996 nahm ein Schwerverbrecher in der JVA Salinenmoor in Celle eine Sozialarbeiterin als Geisel und vergewaltigte sie. Die Anstaltsleiterin ließ sich gegen das Opfer austauschen und wurde auch vergewaltigt. Der Täter sitzt heute noch in Sicherungsverwahrung.

In den Gefängnissen sind die Psychologen laut dem Vorsitzenden des Verbandes Niedersächsischer Strafvollzugsbediensteter, Uwe Oelkers, überwiegend weiblich. Besonders gefährlich eingestuften Sexualtätern werde kein Zugang zu Frauen gewährt. „Insgesamt ist Niedersachsen eins der sichersten Bundesländer, wo die wenigsten Gefangenen weglaufen“, betont Oelkers. Nach Ministeriumsangaben gab es im vergangenen Jahr landesweit 13.061 Ausgänge aus dem geschlossenen Vollzug. In nur 43 Fällen wurde wegen des Verdachts auf eine Straftat während dieser Lockerung ermittelt, lediglich in sechs kam es zu einer Verurteilung.  

dpa

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