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Der Norden Löst gelagerter Bohrschlamm Krebs aus?
Nachrichten Der Norden Löst gelagerter Bohrschlamm Krebs aus?
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00:16 10.05.2017
Von Gabriele Schulte
Quelle: dpa/Symbolbild
Hannover

Das giftige Erbe der niedersächsischen Erdöl- und Erdgasförderung hat womöglich zu Krebserkrankungen im Umfeld der Bohrstellen geführt. Das ist das Ergebnis einer Befragung in der Samtgemeinde Bothel (Kreis Rotenburg). „Die räumliche Nähe des Wohnortes zu Bohrschlammgruben gibt einen Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang“, teilte kürzlich der Landkreis mit. Der Verdacht hat Bedeutung über die Region hinaus. Hunderte solcher lange in Vergessenheit geratener Gruben im Land sollen untersucht und bei Bedarf saniert werden.

Von 1850 bis in die Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts war es üblich, dass der bei der Ölförderung anfallende Bohrschlamm in einer angrenzenden Grube verbuddelt oder als Deckschicht auf Hausmülldeponien gekippt wurde. Erst vor wenigen Jahren gerieten die ölhaltigen Rückstände als Gefahr für die Umwelt in den Blick. Es hatte sich gezeigt, dass sie unter anderem landwirtschaftlich genutzte Flächen verunreinigten und auch das Grundwasser gefährden könnten.

Ende 2015 vereinbarten das niedersächsische Umweltministerium und der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung, die Stellen landesweit zu untersuchen. Die Energieindustrie übernimmt mit bis zu 5 Millionen Euro den Großteil der Kosten, einen Teil müssen die Kommunen tragen. „In Niedersachsen wurden 551 Standorte erfasst, bei denen der Verdacht auf eine Bohrschlammgrube besteht“, sagt eine Sprecherin von Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Für 105 Standorte liegen demnach bisher Anträge vor, einige Untersuchungen laufen. Gefunden wurden unter anderem Benzol und Chloride.

Exxon: "In keiner Weise nachvollziehbar"

Ob die Altlasten die Gesundheit der Anwohner tatsächlich gefährden, ist bisher unklar. Rotenburgs Landrat Hermann Luttmann (CDU) regt an, dies nun über die Samtgemeinde Bothel hinaus genauer zu prüfen. Dort waren mit Unterstützung des Sozialministeriums Tausende Bürger befragt worden, nachdem bei Männern überdurchschnittlich oft Krebs aufgetreten war. „Eine deutliche Ausweitung des Untersuchungsgebiets auf im Idealfall alle Regionen mit Bohrschlammgruben ist zu diskutieren, um eine möglichst große Datenbasis für vertiefende epidemiologische Auswertungen zu erhalten“, meint Luttmann.

Das Sozialministerium, das mit dem Umwelt- und dem Wirtschaftsministerium in einer Arbeitsgruppe zusammenarbeitet, kündigte an, möglichst bald eine Folgestudie zu vergeben. „Hierbei muss überprüft werden, ob das, was bislang nur an einem ganz speziellen Ort festgestellt wurde, sich in größerem Zusammenhang wiederfindet“, sagt ein Sprecher von Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD). Es sei sinnvoll, die Zusammenhänge auch im Umfeld anderer Bohrschlammgruben zu untersuchen.

Ein Sprecher des Energieunternehmens Exxon Mobil bezeichnete die Mutmaßung des Kreises Rotenburg als „in keiner Weise nachvollziehbar“. Der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie dagegen zeigt sich erfreut, dass der Verdacht auf die Altlasten fällt und nicht auf aktuelle Bohrungen: „Das ist ein wichtiges Signal für die Branche und ihre Mitarbeiter, die immer wieder dem Verdacht ausgesetzt waren, die Erdgasförderung sei für erhöhte Krebsraten verantwortlich“, sagt Hauptgeschäftsführer Christoph Löwer.

Auch andere Ursachen möglich

Die Schlussfolgerung wird in der Region in Zweifel gezogen. „Die Unternehmen stehlen sich aus der Verantwortung“, meint Elke Twesten, Grünen-Landtagsabgeordnete aus Scheeßel (Kreis Rotenburg). Der alte „Umweltfrevel“ beim Bohrschlamm dürfe nicht davon ablenken, die Risiken der aktuellen Gasförderung in den Fokus zu nehmen.

Rolf Lüdemann, Bürgermeister in Brockel in der Samtgemeinde Bothel, weist darauf hin, dass auch andere Faktoren als Krebsverursacher infrage kommen. Unter anderem sei bei der Befragung eine Verbindung mancher Erkrankter zu Holz verarbeitenden Betrieben zutage getreten: „Es gibt viele Fragezeichen“, stellt er fest.

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