Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Der Norden Niedersachsen droht mehr Hochwasser
Nachrichten Der Norden Niedersachsen droht mehr Hochwasser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 14.01.2018
„Das Problem wird nicht verschwinden“: Im Sommer vergangenen Jahres standen Teile Niedersachsens unter Wasser – so wie auf diesem Bild der Hildesheimer Stadtteil Itzum.  Quelle: Foto: dpa (Archiv)
Hannover

238 Millimeter. In Worten: Zweihundertachtunddreißig. So viel Regen registrierte die Wetterstation auf dem Brocken an zwei Tagen im vergangenen Juli. Das ist sehr viel: In dem ganzen Monat pladderte doppelt so viel Niederschlag auf den Berg herunter wie sonst. Sonst heißt: im Schnitt der vergangenen 30 Jahre.

Und so sah das Land dann auch aus. Kleine Bäche, die sich in große Ströme verwandelt hatten. Überflutete Marktplätze im Harz. Unpassierbare Straßen in der Nähe der Flüsse von Oker bis Leine. Mit Schlamm und Wasser vollgelaufene Keller, verzweifelte Hausbesitzer neben durchweichten Möbeln, vor lauter Sandsackschleppen krumm gehende Helfer, übernächtigte Rettungskräfte. Das war der niedersächsische Hochwassersommer 2017. Es wird nicht der letzte gewesen sein. Im Gegenteil.

Die Wissenschaftler des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung haben ausgerechnet, wie es mit dem Hochwasser weltweit weitergeht, wenn wir die Erderwärmung nicht stoppen. Ergebnis: mehr Starkregen, mehr Überflutungen. Als Indikator, was passieren kann, diente den Forschern die Zahl der Menschen, die von solchen Ereignissen betroffen sind. In Deutschland haben bisher jährlich um die 100.000 Leute unter Hochwasser zu leiden. 2040 könnten es siebenmal so viele sein, sagen die Potsdamer, also 700.000 – wenn es nicht gelingt, die Erderwärmung zu stoppen. Und für Niedersachsen haben sie eine Verzwölffachung der Betroffenen errechnet.

Was tun? Bundes- und weltweit wären ein Ausstieg aus der Kohle, eine Begrenzung der Erwärmung auf weniger als zwei Grad nötig, wenn das Szenario der Klimaexperten nicht Wirklichkeit werden soll. Und in Niedersachsen? Den Hochwasserschutz erhöhen, sagt Umweltminister Olaf Lies (SPD). Mehr Geld ausgeben dafür, sagt er. Statt der bisherigen 23 Millionen sollten es 50 Millionen Euro pro Jahr sein. Das steht so auch schon im Koalitionsvertrag.

Das Geld, das Lies lockermachen will, stammt allerdings nicht nur vom Land, sondern auch von der EU und ganz wesentlich vom Bund. Der Minister hofft, den Wert von 50 Millionen in drei bis vier Jahren erreichen zu können, und zwar dauerhaft: „Das Problem wird ja nicht verschwinden.“ 

Lies will mit den Millionen Deiche erhöhen und Überflutungsflächen schaffen, Bereiche also, in denen Wasser aus den vollen Flüssen abfließen kann, ohne großen Schaden anzurichten. 

Was bedeutet, dass man dort nicht mehr bauen und nur begrenzt Felder anlegen könne, sagt der Minister. Zielkonflikte sind also vorprogrammiert. Jüngst hatten sich bereits Naturschutzverbände kritisch zu Plänen des Landes geäußert, für den Hochwasserschutz die Talsperren auszubauen: Sinniger sei es, Flüsse zu renaturieren. Das sagen auch die Grünen im Landtag. 

Appell an Kommunen

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) teilt mit, er arbeite dran: In einem Projekt mit dem Namen „KliBiW“ wird der globale Klimawandel im Hinblick auf die „wasserwirtschaftliche Folgenabschätzung für das Binnenland“ betrachtet. Auch dort ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass das Hochwasser in Zukunft an Zahl und Stärke deutlich zunehmen werde. 

Und wie begegnet man dem konkret? Es gehe nicht nur darum, mittlere und große Flüsse mit besserem Schutz auszustatten, sondern auch Gräben, Kanalisation und Hausentwässerungen, sagt das NLWKN. Und appelliert an die Kommunen und Hausbesitzer, einzelne Häuser und ganze Gemeinden besser abzusichern. 

Das ist eines der Probleme beim Hochwasserschutz: In aller Regel sind die einzelnen Kommunen zuständig, und die sind dann oft überfordert. Olaf Lies will deswegen auch die Kooperationen der Gemeinden und Landkreise untereinander verbessern helfen.     

Hannovers Umland rüstet sich gegen Überschwemmungen

Hannovers Umlandkommunen rüsten sich gegen steigende Flusspegel und Überflutungen in den kommenden Jahren. ​So plant Hemmingen den Bau eines Deichs, der sich durch die Gemeinde zieht. Die Kommune rechnet mit Kosten von mindestens 10 Millionen Euro und hofft auf Unterstützung vom Land Niedersachsen. „Überschwemmungen von Straßen, etwa der Wilkenburger Straße, wird es auch weiterhin geben“, sagt Bürgermeister Claus-Dieter Schacht-Gaida. Entscheidend sei aber, die Wohnviertel zu schützen.

Auch in Neustadt am Rübenberge ist man Überflutungen von Straßen und Wiesen gewohnt. In den vergangenen Jahren sind zwei neue Deiche entstanden, doch dabei soll es nicht bleiben. Die Kommune plant den Bau eines Walls, der das Wohngebiet Silbernkamp sichern soll. „Der Deich soll bis 2020 fertig sein und eine Höhe von 3,30 Metern haben“, sagt Stadtsprecher Benjamin Gleue. 3,5 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. 

Die Stadt Hannover sieht derzeit keine Notwendigkeit für Investitionen. Hannover habe in den vergangenen Jahren bereits viel getan, um sich gegen hohe Pegelstände zu wappnen, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Für rund 30 Millionen Euro wurde das Ihmeufer zwischen Legionsbrücke und Spinnereistraße abgegraben, um dem Fluss bei Hochwasser mehr Raum zu verschaffen. Auch die Deiche in Ricklingen wurden verlängert. An welcher Stelle möglicherweise mehr getan werden muss, sollen neue Berechnungen  des Landes für extreme Hochwasser zeigen. asl

Von Bert Strebe

Es gibt Streit, der Zeitungsbote sticht zu. Der Konflikt mit dem Kunden in Lüneburg endet tödlich, möglicherweise ging es um die Zustellung des Wochenblatts. Nun wurde der angeklagte Austräger zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

11.01.2018

Im Emsland haben Zoll und Polizei einen Drogenhändlerring auffliegen lassen. Die Gruppe um einen Geschäftsmann aus Werlte steht im Verdacht, Kokain nach Deutschland geschmuggelt und verkauft zu haben. Der Hauptbeschuldigte ist für die Ermittler ein alter Bekannter.

14.01.2018

In ihrer Liste „52 Places to Go“ empfiehlt die „New York Times“ jährlich 52 Reiseziele rund um den Globus. In diesem Jahr zählt auch Niedersachsen dazu – unter anderem wegen der schadstofffreien, mit Wasserstoff betriebenen Züge.

11.01.2018