Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Der Norden Baustellen auf A7 sorgen für Ärger und Unfälle
Nachrichten Der Norden Baustellen auf A7 sorgen für Ärger und Unfälle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:06 09.05.2018
Noch bis November Baustelle – und Staus: Die A7 in der Wedemark. Quelle: dpa
Hannover

 „Eine Katastrophe.“ Das fällt Georg Menell als erstes ein, wenn er an die Baustelle auf der Autobahn 7 denkt. Zwölf Kilometer lang, gefühlt unendlich, ziehen sich zwischen Mellendorf und Schwarmstedt entlang gelber Linien und markiert von leuchtenden Knöpfen die schmalen Behelfsfahrspuren – drei führen Richtung Hamburg, nur zwei Richtung Hannover. Jeden Tag schickt der Spediteur aus Empelde Lastwagen mit Gefahrgut auf die Strecke nach Hamburg, oft sitzt er selbst am Steuer.

Seit die 30 Jahre alte Fahrbahn Richtung Hamburg komplett erneuert wird, stehen seine Transporter mit Schwefelsäure für Batterien immer wieder im Stau, die Fahrer können Termine nicht einhalten und nicht rechtzeitig zum Schichtwechsel zurückkehren. Menell graust es, wenn er an Feiertagswochenenden und Ferien denkt. „Sobald auch noch die Wohnwagen unterwegs sind, werden wir jeden Tag unser Waterloo erleben.“

Frühestens im November soll die Baustelle abgeschlossen sein – doch ein Ende ist nicht in Sicht. Ein Stück weiter, bei Walsrode, wartet längst der nächste Engpass. Dort wird die Autobahn noch über Jahre erst bis Bad Fallingbostel und dann bis Soltau auf sechs Spuren erweitert. Und auch im Süden von Hannover bis zur Landesgrenze nach Hessen reihen sich seit Jahren die Baustellen aneinander. Manchmal müssen die Bauarbeiter sogar zweimal anrücken wie zwischen Bockenem (Kreis Hildesheim) und dem Dreieck Salzgitter. Weil beim Ausbau auf sechs Streifen giftige Altlasten verwendet wurden, muss die nagelneue Strecke aufwändig saniert werden. Wer das zahlt, entscheiden wohl die Gerichte.

Was ist eigentlich ein Stau?

Ausweichen? Schwierig. In der Wedemark und dem südlichen Heidekreis zieht sich die Landesstraße 190 durch die Dörfer und ist schnell überlastet. Vor allem rund um Kreuzungen und Ampeln kommt der Verkehr oft komplett zum Erliegen. „Von der Autobahn abzufahren, lohnt sich erst ab einer Staulänge von zehn Kilometern“, sagt Thomas Seidel von der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen (VMZ). Dort können sich Autofahrer über die Staus informieren. Doch oft ist es dann schon zu spät. „Einem Anrufer habe ich neulich geraten, lieber den Zug nach Hamburg zu nehmen“, berichtet der Verkehrsmanager. Für Fahrten von Hannover Richtung Bremen könne er die Bundesstraße 6 empfehlen: „Die ist gut ausgebaut und hat zwischen Berenbostel und Syke keine einzige Ampel.“

Was ein Stau ist, ist im Übrigen Ansichtssache. Die VMZ spreche erst davon, wenn Autos zum Stehen kommen, sagt Seidel. Der ADAC zähle als Stau schon ein „Fahrradtempo“ von 30 Stundenkilometern: „So kommen viel mehr Staukilometer zusammen.“ Sonst herrscht Einigkeit. „Bei einem Stau bis zu zehn Kilometern auf der Autobahn bleiben“, rät auch der ADAC.

Drei Tote seit März

Leidtragende von Ausweichmanövern sind vor allem die Anlieger. Nicht nur rumpeln Tag wie Nacht Lastwagenkolonnen, oft mit Schiffscontainern auf dem Buckel, über die Dorfhauptstraßen. Auch die gewohnten Wege zur Schule, zur Arbeit, zum Einkaufen dauern länger. Kommt es zu einem Unfall auf der Autobahn, werden wiederum ehrenamtliche örtliche Rettungskräfte zuhilfe gerufen. Dreimal seit Anfang März gab es an der Baustelle bei Schwarmstedt schon Tote.

„Das ist unserer Feuerwehr so nicht mehr zuzumuten“, meint Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs. Zusammen mit dem Heidekreis und der Gemeinde Essel hat er sich dafür eingesetzt, die fünf engen Spuren durch vier breitere, zwei in jede Richtung, abzulösen. Bisher ohne Erfolg. Ein Sprecher von Verkehrsminister Bernd Althusmann begründet das so: „Weniger Spuren würden den Verkehrsfluss behindern und das Unfallrisiko durch Rückstaus erhöhen.“ Nach Protesten und einem weiteren Treffen am Montag im Heidekreis will das Ministerium prüfen, ob man den zwei Spuren Richtung Hannover etwas mehr Platz einräumt, den man bei den drei Spuren Richtung Hamburg spart. Bis zum 15. Mai soll das laut Ministerium entschieden werden.

Lkw-Anteil wächst

Immerhin hat die Landesstraßenbehörde in Verden inzwischen mehrere Nächte lang nachgerüstet. Reflektierende Markierungsknöpfe und befestigte Seitenstreifen sollen helfen, vor allem Lastwagen in der nur 3,20 Meter breiten rechten Spur zu halten. „Die Breite entspricht den geltenden Richtlinien“, sagt Behördenleiterin Gisela Schütt. Bilder von Transportern, die mehr als eine Spurbreite in Anspruch nehmen, sprechen allerdings eine andere Sprache. Auch Lastwagenfahrer Menell hält dagegen: „In Kurven lässt sich diese Spur nicht halten.“

Der Anteil der Lkw am Güterverkehr ist laut Statistischem Bundesamt auf rund 75 Prozent gestiegen. Angesichts hoher staatlicher Subventionen und oft niedriger Fahrerlöhne könne die Schiene kaum mithalten, kritisiert Hans-Christian Friedrichs, Landesvorsitzender des Verkehrsclub Deutschland. Er fordert mehr Unterstützung für die Bahn, aber auch einen grundsätzlichen Kurswechsel in der Verkehrspolitik: „An erster Stelle muss das Ziel stehen, unsinnige Transporte zu vermeiden und Transportwege zu verkürzen.“

Spediteur Menell sagt, der Lkw-Verkehr habe mit der globalisierten, boomenden Wirtschaft zu tun, aber auch mit den vielen Online-Bestellungen: „Wir fahren ja nicht aus Jux und Dollerei.“ Irgendwann wird dann wieder repariert. Auf der Autobahn 7 ab Herbst ein Stück weiter südlich, bei Großburgwedel.

Die Baustellen an den Autobahnen im Norden dürften nach Einschätzung des ADAC in den kommenden Tagen zu langen Staus führen. Vor allem Autofahrer auf der A7 in Richtung Küste müssten zu Himmelfahrt mit viel Stillstand rechnen, sagte eine Sprecherin. Schon am Mittwochnachmittag dürfte es voll werden. Der Mittwoch vor Himmelfahrt sei 2017 der staureichste Tag des Jahres gewesen. Auch auf der A1 im Großraum Osnabrück und vor einer Baustelle auf der A2 bei Braunschweig könne es voll werden. Engpässe gebe es zudem im Großraum Hamburg – dort wird der Hafengeburtstag gefeiert.

A 7 ist die längste und älteste Autobahn

Die A7 von der dänischen Grenze bis Füssen im Allgäu ist mit 962 Kilometern Deutschlands längste Autobahn. Sie ist auch das älteste Autobahnprojekt, entwickelt aus Plänen des von Straßenbauern 1926 gegründeten Vereins für den Kraftwagen-Schnellverkehr von Hamburg über Frankfurt a.M. nach Basel. Der erste Abschnitt wurde 1937 von den Nationalsozialisten zwischen Göttingen und Bad Hersfeld eröffnet, im Vorjahr waren auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsen bereits Abschnitte der A1 und der A2 fertig geworden.

Ab den 1950er-Jahren wurde die Autobahn 7 zwischen der A1 südlich von Hamburg und Göttingen gebaut. Von 1956 an wurden die sieben Teilabschnitte zwischen Hamburg und Hannover dem Straßenverkehr übergeben, zuletzt 1960 der Abschnitt zwischen Berkhof und dem Kreuz Hannover/Kirchhorst. 1962 folgte die Fortsetzung bis Hildesheim und damit der Lückenschluss an die schon fertigen Abschnitte weiter im Süden.

In Niedersachsen löste die Autobahn in ihrer Funktion die Fernstraße 3 ab, die ihrerseits auf mittelalterliche Handelsrouten zurückgeht.

Von Gabriele Schulte

Nach einem Würgeangriff auf seine Lebensgefährtin in Uelzen ist ein 41-Jähriger vom Landgericht Lüneburg wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

08.05.2018

Mit einer groß angelegten Razzia ist die Bundespolizei gegen einen mutmaßlichen Schleuserring vorgegangen. Rund 800 Beamte durchsuchten 21 Wohnungen und Büros in Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

08.05.2018

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Waldbränden in Niedersachsen. Vor allem im östlichen Teil herrscht akute Brandgefahr.

08.05.2018