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Der Norden Hier können Raketen fast wie am Fließband entstehen
Nachrichten Der Norden Hier können Raketen fast wie am Fließband entstehen
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00:30 10.11.2017
Noch ist nicht viel zu sehen in der Halle, in der demnächst die Raketenoberstufe gebaut wird. Mit der Ariane 6 (das große Bild zeigt die Computersimulation eines Starts) wollen die Europäer wieder wettbewerbsfähiger im Raketengeschäft werden. Fotos: dpa Quelle: David Ducros
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Bremen

Meterhohe Baugerüste stehen an den Wänden, auf dem Boden liegen Metallteile und Rohre. Ein Roboterarm steht verlassen an der Seite. Einige wenige Ingenieure basteln an der künftigen Tankreinigungsanlage oder verschwinden in einem provisorischen Zelt, aus dem dicke Schläuche nach draußen führen. Noch ist die Halle in der Nähe des Bremer Flughafens eine einzige große Baustelle. Doch ab kommendem Frühjahr soll hier der obere Teil, die sogenannte Oberstufe, der neuen Ariane 6-Rakete entstehen - und zwar fast wie am Fließband. Für den europäischen Raketenbau eine völlig neue Herangehensweise.

„Wir entwickeln die Rakete und die Produktion zusammen. Das haben wir bisher nicht gemacht“, sagt Jens Lassmann, der den Bremer Standort des Raketenherstellers Ariane Group leitet. Das Joint Venture des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus und des französischen Triebwerkherstellers Safran entwickelt die Ariane 6 im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation Esa. Diese investiert dafür 2,4 Milliarden Euro, die Industrie 600 Millionen Euro. Im Juli 2020 soll die erste Rakete dieses Typs ins All starten.

Von Produktionsstand zu Produktionsstand

Wie schon beim Vorgänger Ariane 5 entsteht die Oberstufe in Bremen, die Hauptstufe in Frankreich. Eine Computeranimation zeigt, wie es künftig in der Bremer Produktionshalle zugehen wird. Auf rollbaren Untersätzen gleiten die massigen Bauteile von Produktionsstand zu Produktionsstand, wo Roboter und Monteure diese nach und nach zusammenbauen. Ist ein Arbeitsschritt erledigt, fährt das Bauteil weiter zur nächsten Station. Dadurch sollen die Maschinen immer ausgelastet sein und mehrere Raketen gleichzeitig produziert werden können. Elf Stück sollen es jedes Jahr sein.

Die Taktfertigung ist im Automobil- und Flugzeugbau Standard. Für den Raketenbau in Europa sei es ein Novum, sagt Lassmann. Die Montage der Ariane 6 soll im Vergleich zum Vorgängermodell doppelt so schnell gehen, die Kosten bei etwa der Hälfte liegen. Das soll die europäische Trägerrakete wieder wettbewerbsfähig machen - und das ist nötig. Mit dem Einstieg von privaten Unternehmen wie SpaceX ist sie stark unter Druck geraten, da andere ihre Raketen deutlich günstiger anbieten.

Knallharte Konkurrenz

„Die Konkurrenz ist knallhart und verzerrt“, sagt Ariane Group-Geschäftsführer Pierre Godart. Während die USA und Russland bei Raumfahrtprojekten ihre eigenen Unternehmen bevorzugten, schreibe Europa diese öffentlich aus. Godart warnt davor, dass Europa auf diese Weise langfristig aus dem Raketenmarkt gedrängt werden könnte. Er fordert deshalb, dass sich die europäischen Institutionen verpflichten sollten, jährlich fünf Ariane-Raketen abzunehmen.

Der größte potenzielle Kunde in Europa ist die Europäische Kommission. Diese will in den nächsten zehn bis 15 Jahren nach eigenen Angaben 30 Satelliten für das Navigationssystem Galileo und das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus ins All schießen.

Von Irena Güttel

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