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Der Norden Naturschützer locken Touristen mit Wolfsbeobachtung
Nachrichten Der Norden Naturschützer locken Touristen mit Wolfsbeobachtung
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00:16 19.06.2017
Ein Wolf (Canis Lupus Lupus), aufgenommen am 18.01.2017 in einem Gehege des Biotopwildpark Anholter Schweiz in Isselburg (Nordrhein-Westfalen). Das Rudel in dem Wildpark nahe der niederländischen Grenze besteht aus neun Tieren.  Quelle: Bernd Thissen
Hannover

Es gebe ein großes Interesse aus aller Welt, freut sich die Organisation. In Niedersachsen teilt aber nicht jeder die Begeisterung: Die Landesjägerschaft sieht das Verhältnis zum Land wegen der Abenteuerurlauber als „sehr belastet“ an.

Am heutigen Sonnabend startet die erste „Bürgerwissenschaftler-Expedition“, wie Biosphere das Projekt nennt. Zwei Tage lang bekommen die Teilnehmer einen intensiven Theorieunterricht zur Rückkehr des Wolfes nach Niedersachsen. Danach geht es in kleinen Grüppchen von drei oder vier Personen in den Wald, um Wolfsspuren zu finden und zu dokumentieren, Exkremente für Laboranalysen einzusammeln oder Fotofallen aufzustellen. Die so gesammelten Daten werden dem Wolfsbüro Niedersachsen für das Wolfsmonitoring, also die Dokumentation der Verbreitung und des Verhaltens von Wölfen, zur Verfügung gestellt. Biosphere stellt den Teilnehmern Unterkunft und Verpflegung in einem Seminarheim im Kreis Celle sowie das begleitende Personal. Die Gäste werden auf Wunsch vom Flughafen Bremen abgeholt, den Flug dahin müssen sie selbst zahlen.

In Deutschland ist es das erste Projekt dieser Art für Biosphere Expeditions. Weltweit hat die Organisation aber bereits viel Erfahrung gesammelt. Im Jahr 1999 gegründet, bietet Biosphere Expeditions Touristen unter anderem die Möglichkeit, Wale vor den Azoren zu beobachten, Leoparden und Papageien im Amazonas-Urwald zu hegen und Meeresschildkröten am Strand von Costa Rica zu schützen.

Das Wolfsmonitoring

Die Ausbreitung des Wolfes wird in Niedersachsen wissenschaftlich dokumentiert. Den vertraglich festgelegten Auftrag für dieses sogenannte Wolfsmonitoring hat die Landesjägerschaft übernommen.

Sie sammelt in Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Wolfsberatern Spuren wie Fährten, Exkremente (Losungen) oder auch Risse und meldet diese an das Wolfsbüro des Landesnaturschutzbetriebs NLWKN.

Das Monitoring erfolgt nach bundeseinheitlichen Regeln. Als eindeutiger Hinweis (C1) auf einen Wolf gilt ein überprüftes Foto oder eine DNA-Spur. Losungen, Fährten und Risse sind ein bestätigter Hinweis (C2). Als unbestätigter Hinweis (C3) gelten nicht überprüfbare Sichtungen oder unklare Spuren.     

Dass nun Touristen einen Teil des Wolfsmonitorings in Niedersachsen übernehmen sollen, stößt bei denen sauer auf, die laut Vertrag eigentlich für das Monitoring verantwortlich sind: den Jägern. „Wir haben von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, dass wir das ablehnen“, sagt Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft. Er sehe es kritisch, dass die Touristen während der Brut- und Setzzeit in den Wald geführt werden sollen. Und nicht zuletzt störe ihn, dass mit dem Wolfsmonitoring Geld verdient werden soll. „Ein Großteil unserer ehrenamtlichen Wolfsberater dürfte sich herabgesetzt fühlen. Sie bekommen für das Monitoring nicht mal Benzingeld“, sagt Dammann-Tamke. Dass das Wolfsbüro des Landes trotz Protesten der Jäger in die Zusammenarbeit mit Biosphere Expeditions eingewilligt habe, erschwere das Miteinander von Land und Jägern: „Die Kooperation ist derzeit sehr belastet.“

Interesse aus aller Welt

Peter Schütte, Wolfsberater in Niedersachsen und Expeditionsleiter bei Biosphere Expeditions, weist die Kritik zurück: Die Seminarwoche, die in diesem Sommer viermal stattfinden soll, sei in Absprache mit dem Wolfsbüro vorbereitet worden. Außerdem würden die Teilnehmer auf den Waldwegen bleiben. Weil auch Wölfe gerne die Wege nutzen und dort Spuren hinterließen, sei das kein Problem. Es gebe eigentlich auch keinen Anlass für einen Konflikt, meint Schütte: Die Expeditionen würden genauso wenig stören, als wenn man mit einer Schulklasse in den Wald ginge. Und dass es ein Interesse an dem Angebot gebe, sei offenkundig: „Mit Teilnehmern aus Deutschland und Europa hatte ich gerechnet, aber nicht mit Interesse aus Kanada, Singapur, Indien und sogar Australien.“ Daran könne man sehen, welche Faszination der Wolf ausübe.

Biosphere-Gründer Matthias Hammer weist zudem den Vorwurf der Geschäftemacherei zurück: „Hier verdient sich keiner eine goldene Nase.“ Biosphere Expeditions sei eine Non-Profit-Organisation, also nicht auf Gewinn ausgerichtet. Den Preis von 1770 Euro rechtfertigt Hammer mit Personalkosten: „Anständige Wissenschaft ist nicht billig.“ Er freue sich, dass die Wolfsexpedition so gut angenommen werde. Aufgrund des bereits stattgefundenen Ärgers behalte er sich aber vor, ob es nach diesem Sommer eine weitere Saison geben werde, so Hammer. „Wir würden gerne weitermachen. Aber wenn unser Wissenschaftler so angegangen wird, dass er gesundheitliche Probleme bekommt, dann ist eine Grenze erreicht.“

Das ist Biosphere

Biosphere Expeditions ist nach eigenen Angaben ein gemeinnütziger Verein, der Interessierten die Teilnahme an Tier- oder Naturschutzprojekten ermöglicht. Die Organisation verspricht, dass sie nicht nur Touren und Kontakt zu Wildtieren anbietet, sondern dass die Expeditionen in tatsächliche wissenschaftliche Projekte eingebunden sind.

Dadurch dürften die Teilnemer das gute Gefühl haben, dass ihre Arbeit einen Zweck habe, schreibt Biosphere Expeditions auf seiner Homepage.

Zwei Drittel des Beitrags, den Teilnehmer für eine Seminarwoche zahlen, geht nach Angaben von Biosphere Expeditions in Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des Projekts. Das letzte Drittel sei für Verwaltungskosten.     

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