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Der Norden Naturschützer beklagen „Rückschritt“ beim Waldschutz
Nachrichten Der Norden Naturschützer beklagen „Rückschritt“ beim Waldschutz
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17:07 11.03.2018
Bei der Holzernte zerstören breite Rückewege den Waldboden- wie hier im Deister. Quelle: Wilhelm
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Hannover

Die Rückemaschinen haben Schneisen der Verwüstung hinterlassen. Bei der Holzernte im Deister haben sie den Boden quer durch den Wald auf breiter Front tief zerfurcht. Was Spaziergänger und Radfahrer ärgert, sieht Georg Wilhelm mit den Augen des Artenschutzfachmanns. Er ist Sprecher für Waldschutz beim BUND Niedersachsen. „Wo die Riesenmaschinen rumgefahren sind, ist der Waldboden kaputt, einschließlich der Baumwurzeln und Pilze“, sagt Wilhelm und fügt hinzu: Solche Zerstörung werde durch die Landesregierung sogar unterstützt. Denn mit neuen Vorgaben an die Landkreise ruderten Umwelt- und  Agrarministererium beim Waldumbauprogramm  „Natura 2000 in niedersächsischen Wäldern“ auf empörende Weise zurück. Das Land orientiere sich dabei am „Wunschzettel“ der Forstwirtschaft.

„Vor einigen Jahren sind 40 bis 60 Meter Abstand zwischen den Rückegassen üblich gewesen“, sagt Wilhelm. Inzwischen seien es oft nur noch 20 Meter. Im Rahmen von „Natura 2000“ hätten viele Landkreise den 40-Meter-Mindestabstand zumindet für Schutzzonen festschreiben wollen.  Nun mache die Landesregierung diese und andere Bemühungen um die biologische Vielfalt zunichte. 

Bisher orientierten sich die unteren Naturschutzbehörden am „Natura-2000“-Erlass, den die beiden grünen Minister Stefan Wenzel (Umwelt) und Christian Meyer (Landwirtschaft) 2015 vorstellten. Eine „Öffnungsklausel“ gab ihnen darüber hinaus weiter reichenden Spielraum. So konnten sie zum Beispiel anordnen, dass in naturnahen Buchenwäldern keine Nadelbäume mehr gepflanzt werden durften. Angesichts von Protesten der Waldbesitzer kündigte dann die neue Landesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung eine Überprüfung des sogenannten Walderlasses an. Jetzt haben die Ministerien der Nachfolgeminister Olaf Lies (SPD) und Barbara Otte-Kienast (CDU) den Kommunen einen Leitfaden geschickt, der im Privatwald weniger strenge Vorgaben vorsieht. 

„Natura 2000“ sichert Lebensräume

Der Erlass „Natura 2000 in niedersächsischen Wäldern“ ist Teil des europäischen Programms „Flora-Fauna-Habitat (FFH)“. Die EU-Mitglieder haben sich 1992 mit dieser Richtlinie darauf geeinigt, besonders schützenswerte Naturräume dauerhaft zu sichern. Das kann in Form von Naturschutzgebieten oder Landschaftsschutzgebieten geschehen. Ziel ist, Lebensräume seltener oder bedrohter Pflanzen- und Tierarten dauerhaft zu erhalten.

 

Wälder haben eine große Bedeutung im niedersächsischen Schutzgebietsnetz. Knapp 40 Prozent der Landfläche in den von Niedersachsen bei der EU angemeldeten FFH-Gebieten ist Wald und rund zwei Drittel der 385 FFH-Gebiete enthalten Wälder, die besonders geschützt werden sollen.

 

Niedersachsen ist bei der Sicherung seiner FFH-Gebiete im Verzug. Ende 2018 läuft die von der EU verlängerte Frist zur Umsetzung aus. Danach droht ein Vertragsverletzungsverfahren. Von 385 Naturräumen sind aber erst 153 Gebiete komplett mit Schutzverordnungen der Landkreise verbindlich gesichert.

Der Leitfaden gehe der bisherigen Musterschutzgebietsverordnung vor, erläutern sie einführend. Musste bisher auf ökologisch besonders wertvollen Flächen der ältere Baumbestand auf mindestens 35 Prozent der Fläche erhalten bleiben, liegt der Anteil nun nur noch bei 20 Prozent. Auch solle dort nicht mehr jegliches Totholz liegen bleiben, wie von manchen Landkreisen bisher gefordert. 

„Die wertvollen Wälder in den Kernzonen der Schutzgebiete dürfen so weit ausgeplündert werden, dass der Wald seinen Naturschutzwert fast vollständig verliert“, befürchtet Georg Wilhelm vom BUND.  Wenn etwa Höhlenbäume abgesägt würden, werde Spechten und anderen Bewohnern ihr Lebensraum genommen. „Es handelt sich um einen Leitfaden zur Waldzerstörung und zum Rechtsbruch“, meint auch Axel Ebeler, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND. 

Auch andere Naturschutzverbände wie der Nabu sowie der frühere Agarminister Meyer kritisieren die Vorgaben der Landesregierung als Verschlechterung und als teilweise rechtswidrig. „Das Land vernachlässigt den überfälligen Naturschutz“, sagt der Grünen-Abgeordnete. Auch die rot-grüne Landesregierung hatte sich im Übrigen schwer damit getan, angesichts der widerstreitenden Interessen das „Natura-2000“-Waldprogramm auf den Weg zu bringen.

Die Umweltbehörden sehen sich überall dem Protest von Waldbesitzern ausgesetzt, die von „Enteignung“ sprechen. Mit mehr als 50 Prozent ist in Niedersachsen ein besonders großer Teil der Waldfläche in Privatbesitz, rund 65000 Hektar davon liegen in den Schutzgebieten.  „Betroffen sind Hunderte, wenn nicht Tausende Waldbesitzer“, sagt Norbert Leben, Präsident des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen. Wenn sie umgefallene Bäume nicht verkaufen dürften, entgehe ihnen Geld, das durch staatliche  Erschwerniszahlungen bei weitem nicht ausgeglichen werde. 

„Der Wald ist auch Wirtschaftsgut“, meint der Forstwirt aus der Nordheide. Aus Sicht der Waldbauern ist der neue „Leitfaden“ des Landes viel zu unverbindlich. Er setze zudem weiter auf staatliche Vorgaben, statt auf freiwillige Vereinbarungen, wie  Bayernsie  beispielhaft vormache. „Es wird wahrscheinlich auf eine rechtliche Konfrontation hinauslaufen“, kündigt Leben an. 

Der niedersächsische Landkreistag dagegen zeigt sich erfreut, dass der „Walderlass“ von 2015 nicht auf der Zielgeraden noch komplett zurückgezogen wurde. „Es muss jetzt schnell gehen“, meint Hauptgeschäftsführer Hubert Meyer. Die Koalitionsvereinbarung habe die Kommunen fürchten lassen, dass laufende Verfahren nochmal neu aufgerollt werden müssen. Die Landesregierung habe aber ein Einsehen gehabt und sich auf den „Leitfaden“ beschränkt. 

Auch so verzögert sich die Einrichtung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten weiter. Im Landkreis Helmstedt etwa hat der Kreistag in dieser Woche die fast fertige Schutzverordnung für die wieder vernässten Auwälder im Drömling kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Erst soll geprüft werden, ob sie den Vorgaben des Landes noch standhält. Zwischen Eichen, Erlen, Eschen und Weiden sind dort unter anderem der Baumfalke und der Waldwasserläufer zuhause.

Von Gabriele Schulte

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