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Der Norden Haben die Ausbilder Soldaten schikaniert? 
Nachrichten Der Norden Haben die Ausbilder Soldaten schikaniert? 
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00:15 07.01.2018
„Das erinnert an Schikane“: Rekruten in Munster haben sich über ihre Ausbilder beim Wehrbeauftragten beschwert.   Quelle: Fotos: dpa, photothek
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Munster

Die Ausbilder haben offenbar Druck gemacht. Bei dem Bundeswehr-Übungsmarsch am 19. Juli in Munster im Heidekreis, in dessen Folge ein Offiziersanwärter zu Tode gekommen ist und drei weitere ins Krankenhaus mussten, sollen die Vorgesetzten die jungen Soldaten massiv angetrieben haben. Entsprechende Berichte und Beschwerden liegen dem Wehrbeauftragten des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), vor. Bartels sagte der HAZ, was ihm da zu Ohren gekommen sei, erinnere ihn an Schikane.

Den Druck sollen die Ausbilder „verbal“ und durch verschärfte Übungen aufgebaut haben. Der Wehrbeauftragte nannte als Beispiel die Praxis, dass vorweglaufende Soldaten bei den Märschen zurücklaufen und die Langsameren und die Zurückgebliebenen hätten einsammeln, also einen weiteren Weg zurücklegen müssen. Auch seien Liegestütz während der Ruhepausen angeordnet worden, sagte Bartels: „Das ist doch nicht der Zweck eines Eingewöhnungsmarsches.“ 

Liegestütz statt Ruhepausen

Der Wehrbeauftragte wies aber darauf hin, dass es sich um Berichte aus der Soldatenschaft handele, die noch nicht verifiziert seien. Das Verteidigungsministerium habe sie bislang nicht bestätigt.

An dem fraglichen Tag standen für 42 Munsteraner Offiziersanwärter Märsche außerhalb der Kaserne auf dem Programm. Das Gepäck war nach den späteren Untersuchungen der Bundeswehr nicht zu schwer, die Temperaturen waren nicht zu hoch. Dennoch zeigten mehrere junge Männer Ausfallerscheinungen. Einer kollabierte und starb zehn Tage später im Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg, ein zweiter muss bis heute medizinisch behandelt werden. Ein dritter und ein vierter Soldat kamen nach ihren Zusammenbrüchen ebenfalls in die Klinik und wurden anschließend in die Reha geschickt.

Tödlicher Hitzschlag

Die Vorfälle sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Die Rekruten hatten Hitzeschläge erlitten. Wieso das bei einem zum Tod und bei dem anderen zu einer andauernden Schädigung führte, lässt sich auch ein halbes Jahr nach dem Geschehen nicht zufriedenstellend erklären. Der verstorbene Soldat hatte sich zuvor um eine rasche Gewichtsabnahme bemüht, auf den Stuben wurden Energydrinks und handelsübliche Medikamente wie Kopfschmerztabletten und Muskelaufbaustoffe gefunden, mehr nicht. Der Verdacht, dass irgendwelche Drogen im Spiel gewesen sein könnten, hatte sich nicht bestätigt. Ein rechtsmedizinisches Gutachten für die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Lüneburg steht aber immer noch aus.

Bundeswehr und Bundesverteidigungsministerium halten sich mit Auskünften deutlich zurück und verweisen auf die laufenden Ermittlungen. Eingeräumt wurde in einem Zwischenbericht des Verteidigungsministeriums bislang nur, dass die Soldaten bei den Märschen teilweise ihren Helm tragen mussten, was im Widerspruch zu den Weisungen für die Ausbilder stand. Zu den Beschwerden, die beim Wehrbeauftragten Bartels eingetroffen sind, wollten sich am Mittwoch weder das Heer noch das Ministerium äußern. „Das Ministerium reißt sich bei der Aufklärung kein Bein aus“, sagte Wehrbeauftragter Hans-Peter Bartels.

Dienst quittiert

Nach einem Bericht des Magazins „Stern“ haben drei Offiziersanwärter wenige Tage nach den Vorfällen im Juli ihren Dienst in der Panzertruppenschule quittiert. Dazu gibt es ebenfalls keine offizielle Bestätigung, aber Bartels hat davon auch gehört. Die Zeitschrift wirft noch die Frage auf, ob irgendjemand den jungen Soldaten gesagt hat, dass sie den Anweisungen ihrer Ausbilder auch widersprechen können, wenn sie sich körperlich nicht in der Lage sehen, ihnen zu folgen. Dazu erklärte ein Sprecher der Bundeswehr, Soldaten könnten heute – unabhängig von dem aktuellen Fall – jederzeit kündigen.

Von Bert Strebe

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