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Der Norden Scott, einer der letzten seiner Art 
Nachrichten Der Norden Scott, einer der letzten seiner Art 
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19:01 19.01.2018
Er will Müller werden: Scott Hennigfeld lernt in der historischen Windmühle von Bardowick. Quelle: Carolin George
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Bardowick

„Moin, ich bin Scott, der letzte Müller.“ Der große junge Mann setzt einen Papiersack auf dem Boden ab, zieht zur Begrüßung seinen Handschuh aus, entschuldigt sich und schnappt sich Handschuhe und Sack gleich wieder: „Ich muss weitermachen, der Lkw draußen wartet auf Beladung.“ Scott Hennigfeld, 19, hat am 31. Juli 2017 in der Windmühle in Bardowick, Landkreis Lüneburg, seine Ausbildung zum Müller begonnen. Er zählt zu den Letzten seiner Zunft.

Vertrag zurückdatiert

Und würde in seinem Ausbildungsvertrag wie bei den anderen Lehrlingen seines Jahrgangs als erster Arbeitstag der 1. August 2017 stehen, dann wäre Scott Hennigfeld bereits kein Müller-Lehrling mehr. Denn der traditionelle Beruf wurde quasi abgeschafft, nach der überarbeiteten Ausbildungsverordnung heißt er jetzt „Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft“. 

Sein Meister aber hat aufgepasst und den Vertrag extra um einen Tag zurückdatiert, damit sein Lehrling noch ein echter alter Müller wird. Denn Eckhard Meyer hat es gern traditionell. Der 50-Jährige ist in sechster Generation Müllermeister, hat den Betrieb der Windmühle Bardowick 1996 übernommen. Gestartet als reines Familienunternehmen, hat Meyer heute mehr als 20 Angestellte, denn der Müller hat seine Mühle um einen Laden für regionale Produkte und ein Café erweitert. Beides brummt.

„Unser Beispiel beweist es: Der Betrieb einer historischen Windmühle kann noch heute wirtschaftlich sein“, sagt der freundliche Herr Meyer und lächelt zufrieden. „Unsere Kunden sehen sich nach so etwas: Sie kaufen bei uns nicht nur Waren, sondern auch Träume, ein Stück Romantik. Wir sind so etwas wie ein Kontrapunkt zur Globalisierung.“

Insgesamt nur noch eine Handvoll Windmühlen mahlen in Deutschland gewerblich Mehl – die übrigen werden von Vereinen und Museen betrieben. Die meisten drehen sich in Niedersachsen: Neben der Familie Meyer mit ihrer Mühle in Bardowick, kurz vor den Toren Hamburgs, betreiben die Familien Egenhoff in Ruttel sowie Steenblock in Spetzerfehn in Ostfriesland professionell Mühlen, einmal mit angeschlossenem Café, einmal mit Campingplatz. 

Lehrlinge zu finden, ist für Eckhard Meyer in Bardowick gar nicht das Problem, sagt er: „Die kommen von alleine zu mir.“

Neue Ausbildungsregeln

Doch gegen den Trend zur industriellen Produktion und den damit einhergehenden neuen Lehrinhalten im Müllerhandwerk kann Meyer nichts machen. „Ich habe mich bei der Handwerkskammer beschwert, aber die Vorgaben kommen vom Wirtschaftsministerium.“

So freut sich der Müller zwar über seinen kleinen Sieg bezüglich seines letzten echten Müller-Lehrlings, der mit Arbeitshandschuhen Säcke schleppt anstatt mit einer Hygienehaube auf dem Kopf Knöpfe von Maschinen zu drücken. Aber um die Tradition der Mühlen macht er sich trotzdem Sorgen. Gemeinsam mit seinem Gesellen Dennis Berger, 29, und dem stellvertretenden Leiter des Mühlenmuseums in Gifhorn hat Meyer im vergangenen Jahr daher die Müllergilde gegründet, einen Verein zur Erhaltung des traditionellen Müllerhandwerks.

Chance als Kulturerbe?

„Wir wollen Quereinsteiger dazu animieren, ebenfalls zu müllern“, sagt Eckhard Meyer. „Es gibt in Norddeutschland jede Menge Mühlen, die für viel Geld restauriert worden sind, aber letztlich als tote Gebäude herumstehen. Wir geben Privatleuten, Vereinen und Museen Starthilfe, die Mühlen wieder semiprofessionell zu betreiben.“

Mittelfristig planen die Mitglieder, eine Art eigene Müller-Ausbildung auf die Beine zu stellen, „wie einen Volkshochschulkursus, der staatlich anerkannt ist“, sagt Meyer. Noch ist das Zukunftsmusik. Eine erste Initiative hat der Verein dafür bereits in Gang gebracht: die Bewerbung des Müllerhandwerks als immaterielles Kulturerbe der Unesco. 

Die Unterlagen liegen bereits beim Kultusministerium in Hannover. Im Frühjahr entscheidet sich, welche niedersächsischen Bewerbungen es weiter nach Berlin schaffen, und nach dem Sommer rechnet Meyer mit der Antwort der deutschen Unesco-Kommission aus Bonn. Auch Scott Hennigfeld fiebert mit seinem Chef mit. „Die Kraft des Windes zu nutzen, körperlich zu arbeiten, das warme Mehl an der Haut zu spüren, Dinge zu reparieren, die kaputt gehen: Das ist, was ich will.“

Die Mühle Bardowick

Während der Franzosenzeit wurden im Gebiet des ehemaligen Königreichs Hannover zahlreiche Reformen eingeführt, unter anderem die Gewerbefreiheit. Das machte auch die Anlage neuer Windmühlen einfacher, und der Müller Johann Friedrich Meyer nutzte die Chance. Er errichte 1813 eine Holländerwindmühle in Bardowick bei Lüneburg, 50 Kilometer südöstlich von Hamburg.

Bis heute wird die Mühle gewerblich genutzt und kann jährlich 1000 Tonnen Getreide zu Mehl und zu Futtermittel verarbeiten. 1994 und 1995 ist sie mit Unterstützung des Windmühlenvereins Bardowick e.V. aufwendig restauriert worden. Das damals eingebaute Flügelwerk treibt einen Schrotgang an, und ein Generator verwandelt die Windenergie in elektrischen Strom, der für die übrigen Mahlwerke genutzt wird.

Die Mühle liegt an der niedersächsischen Mühlenstraße und kann besichtigt werden. Wer Informationen zum Müllerhandwerk sowie zur Müllergilde wünscht, kann sich bei Eckhard Meyer melden: Telefon (041 31) 122 06.

Die Mühlenwirtschaft

Getreide wird heute in  hochmodernen ​Industriemühlen vermahlen. 31,5 Millionen Tonnen Weizen und Roggen ernten die deutschen Bauern jedes Jahr, etwas mehr als ein Viertel davon gehen als Brotgetreide in die Mühlen.

Der Verband deutscher Mühlen e.V. hat ausgerechnet, dass es etwa 860 Landwirte braucht, um eine Industriemühle mit Brotgetreide zu versorgen.

214 Industriemühlen gibt es in Deutschland – im Durchschnitt versorgt jede Mühle täglich 385 000 Menschen. Im Jahr 2015 verbrauchte jeder Einwohner statistisch 70 Kilogramm Mehl und Mahlerzeugnisse.

Was nicht als Brotgetreide in die Mühlen geht, wird anderweitig verwertet: als Saatgut, Futtermittel oder in der Energiewirtschaft – oder es wird exportiert.

Sie ist 2,1 Kilometer lang und wurde als „längster Schwarzbau der Republik“ verspottet: Eine Umgehungsstraße im ostfriesischen Bensersiel hat schon viele Juristen beschäftigt. Seit 2017 ist die Straße gesperrt. Ein endgültiges Urteil lässt weiter auf sich warten.

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