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Der Norden Vorbildliche Sanierung? Finden die Mieter nicht mehr
Nachrichten Der Norden Vorbildliche Sanierung? Finden die Mieter nicht mehr
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17:48 08.06.2017
Ökologischer Vorbildcharakter - so wurde das Erdwärmeprojekt angepriesen. Ortsbürgermeister Klaus Didschies hat sich das anders vorgestellt. Quelle: Villegas
Celle

Als alles anfing, wurde mit Superlativen nicht gegeizt. Ein Vorzeigeprojekt sei die Siedlung, hieß es. Das größte Sanierungsvorhaben seiner Art in Deutschland. Mit ökologischem Vorbildcharakter.

Und der Investor wirkte wie jemand mit einem Herz für Mieter. So jedenfalls schien es, als 2014 die künftige Geothermiesiedlung in Klein Hehlen, einem Ortsteil von Celle, der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Aber wer dort heute durch Lortzingstraße oder Witzlebenstraße oder Goerdelerstraße läuft und die Leute fragt, ob sie mit ihrem Vorzeigeprojekt zufrieden sind, erntet Stoßseufzer. „Hier fühlt sich nichts mehr gut an“, sagt Mieterin Inga von Bardeleben. Eine andere Frau verweist stumm auf das Umfeld: Holzschredderreste, wo mal Bäume gestanden haben. Betonbrocken und Schutt auf der Rasenfläche. Schmuddelige Fassaden, eine zusammengebrochene Bank.

Kahlschlag bei Bäumen

Ursula Schmid aus der Lortzingstraße erzählt, ihre Nichte habe sie neulich besuchen wollen und gedacht, sie habe sich verfahren, so furchtbar sehe hier jetzt alles aus. Ein Mann, der im Fenster einer Erdgeschosswohnung lehnt, grummelt: „Früher war die Welt in Ordnung.“

Früher war die Welt zumindest einigermaßen in Ordnung. Die Siedlung aus den Sechzigern war nicht gerade höchster Standard, das Umfeld eher karg. Aber es entwickelte sich mit den Jahrzehnten, das eine oder andere Objekt wurde auch mal saniert, drumherum wuchs das Grün, die Mieter liebten ihre Bäume und Freiflächen und Gärten. Dann kam Christoph F. Trautsch.

Nebenkosten stark gestiegen

Trautsch trägt einen wohlklingenden Namen. Sein Großvater war Erich Trautsch, Bauunternehmer und Wohltäter. Er hat die Marienkirche in Lübeck wiederaufbauen und auch das Holstentor und den Dom in der Hansestadt sanieren lassen. Außerdem hat er das Fertighaus erfunden.

Enkel Christoph F. Trautsch betreibt eine Immobilienfirma. Die hat die Siedlung in Klein Hehlen gekauft und die Geothermie in Gang gesetzt. Das mit der Erdwärme ist gelungen. Alles andere scheint nicht so berauschend zu sein.

Trautsch hatte seinerzeit versprochen, dass es für die Mieter nicht teurer werde. Er setzte eine „Trautsch-Flatrate“ gegen steigende Energiekosten. Er hat auch mal gesagt: „Nur derjenige Vermieter, der es schafft, seinem Mieter die Angst vor der Betriebskostenabrechnung zu nehmen, wird sich langfristig im Vermietungsgeschäft halten können.“

Mieten um teilweise 20 Prozent angehoben

Gemessen daran hat er wohl keine allzu rosige Zukunft. Im April bekamen die Klein-Hehlener ihre jüngsten Nebenkostenabrechnungen. Sie waren teilweise dreimal so hoch wie die Summe der gezahlten Abschläge. In Einzelfällen wurden Nachzahlungen in Höhe von 1000 Euro verlangt. Strom, Wasser, Treppenhausreinigung - alles war teuerer geworden. Ähnliche Vorwürfe gibt es auch aus Rotenburg/Wümme, wo es ebenfalls ein Erdwärme-Projekt von Trautsch gibt.

Die Mieter in Klein Hehlen erhoben Einsprüche, mit mäßigem Erfolg. Stattdessen sind jetzt die Mieten angehoben worden, teilweise um knapp 20 Prozent. „Erst der Nebenkosten-Irrsinn, jetzt der Mietschock“, schrieb die „Cellesche Zeitung“.

Von all dem erzählt Ortsbürgermeister Klaus Didschies, während er mit seinem majestätischen Leonbergerhund durchs Viertel wandert. Die Hausmeisterkosten hätten sich verdoppelt, rechnet er vor. Von links kommt eine Fahrradfahrerin und winkt. Und die Grünpflegekosten, sagt Didschies, seien bald dreimal so hoch wie ehedem.

Aber wieso? Investor Trautsch hat mehr als 100 Bäume zwischen den Häusern fällen und häckseln lassen. „Fällt ja Laub runter“, sagt Didschies sarkastisch. „Muss man ja auch noch drumherum mähen.“ Die Grünflächen selbst sehen heute teilweise aus wie Brachflächen im Gewerbegebiet. „Das waren Bäume, die jahrzehntelang gewachsen sind“, empört sich eine Anwohnerin. „Und gesund!“ Bei ein paar Bäumen ist immerhin die Stadt eingeschritten und hat das Fällen unterbunden. Manche Wohnungen lagen jahrzehntelang geschützt hinter Zweigen. Jetzt knallt die Sonne, der Staub fegt in die Zimmer und die Passanten gucken.

Hausverwaltung will Vergleich

Was die Mieter zornig macht, ist auch das Gefühl, nicht wahr- und nicht ernstgenommen zu werden. „Die reden mit einem wie mit einem Kleinkind“, sagt Ulrike Schmid aus der Lortzingstraße. „Wir haben eine Eingabe macht, ob wir ein Beet anlegen dürfen. Wir bekommen nicht mal eine Antwort“, sagt eine grauhaarige Dame. Der Mann am Fenster berichtet, er versuche seit einem halben Jahr, Einblick in die Nebenkostenbelege der Hausverwaltung zu bekommen. „Kriegt man nicht.“

Auch die HAZ nicht. Trotz mehrerer Anfragen gibt es keine Stellungnahme von Trautsch zu den Vorwürfen der Bewohner. Die Hausverwaltung immerhin, ein Betrieb aus Neu-Isenburg mit Filiale in Hannover, teilt mit, sie habe gerade eben grünes Licht vom Investor bekommen, im Nebenkostenstreit auf die Mieter zuzugehen und Vergleiche zu schließen.

Ortsbürgermeister Didschies und sein Ortsrat haben jetzt für September eine Begehung angesetzt. Sie hoffen, dass Trautsch auch kommt. Und möglichst viele Mieter. Und dass der Konflikt dann endlich beigelegt werden kann.

Die Geothermie-Siedlung Klein Hehlen

Die Siedlung in Klein Hehlen wurde in den Sechzigerjahren errichtet. Die Häuser sollten Soldaten der Bundeswehr und ihren Familien Wohnraum bieten. Es handelt sich um 52 Gebäude mit rund 320 Wohnungen. Oft befanden sich vier Wohnungen mit meist drei oder vier Zimmern in einem Haus.
2014 kaufte die Deutsche Geothermische Immobilien AG von Christoph F. Trautsch die Gebäude, die sich auf zwei Quartiere verteilen, und investierte dafür 25 Millionen Euro. Drei Millionen davon flossen in die Erdwärmeheizung. Einige Gebäude sind von außen energetisch saniert worden. Inzwischen wurden auch diverse Dachgeschosse ausgebaut, um neuen Wohnraum zu schaffen.

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