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Der Norden Der Ruf nach der Schulkrankenschwester wird lauter
Nachrichten Der Norden Der Ruf nach der Schulkrankenschwester wird lauter
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18:31 04.10.2018
Oberstes Ziel ist die Sicherung der Teilhabe: Reinhard Fricke, Vorsitzender des Verbandes Sonderpädagogik. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Wer gibt dem Zweitklässler, der Diabetis hat, während der Schulzeit die Insulin-Spritze? Wer überwacht die Ritalin-Dosierung für den Zehnjährigen auf Klassenfahrt? In den Schulen wächst seit einiger Zeit der Ruf nach der Einstellung von medizinischem Fachpersonal. Stefan Politze (SPD) hält die Schulkrankenschwester, wie es sie in vielen skandinavischen Ländern schon gibt, „für eine charmante Idee“.

Im Zuge des gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne Handicap wächst der Handlungsdruck für die Lehrer, denn zum einen steigt die Anzahl der Schüler mit chronischen Krankheiten, zum anderen sind schwerbehinderte Kinder nicht in der Lage ihre Medikamente selbstständig zu nehmen. Die Gabe von Medikamente ist keine pädagogische Aufgabe. Vieler Lehrer machen es freiwillig trotzdem, um den Kindern die Teilhabe zu sichern. Wichtig ist, dass sie von Eltern und Ärzten eingewiesen worden sind und dass die Erziehungsberechtigten damit einverstanden sind.

Medikamentengabe ist keine Lehreraufgabe“

In der Antwort des Kultusministeriums auf eine FDP -Anfrage war schon 2015 eindeutig klargestellt worden: „Die Medikamentengabe an Schüler ist dem Verantwortungsbereich der Erziehungsberechtigten zuzuordnen. (...) Schulen müssen allerdings die notwendigen Maßnahmen zu Linderung oder Behandlung von Krankheiten gewährleisten. Hierzu gehört die Gewährleistung der zeitlichen und räumlichen Möglichkeiten, damit der Schüler z. B. Blutzucker messen oder durch eine Sonde ernährt werden kann. (...) Es kann auch geboten sein, den Erziehungsberechtigten oder Dritten den Zugang zur Schule zu gestatten, um dem Kind Medikamente zu geben.“

Auch die Frage der Haftung ist bereits geklärt. In der Antwort des Landes aus dem Jahr 2015 heißt es: „Soweit Lehrkräfte freiwillig Unterstützung leisten, hat das Kultusministerium erreicht, dass vom Gemeinde-Unfallversicherungsverband diese freiwilligen Leistungen als Bestandteil des Schulbetriebs akzeptiert werden und somit eine Haftungsfreistellung der Lehrkräfte außerhalb grob fahrlässigem oder vorsätzlichem Verhalten erfolgt.“

„Sieben Minuten Zeit für die Diabetis-Spritze“

Reinhard Fricke vom Verband Sozialpädgogik hat bei Lehrern eine zunehmende Verunsicherung festgestellt. Viele würden lieber keine Medikamente mehr an Schüler geben. Dies führe dazu, dass sich für die Kinder entweder die Schulzeit verkürzt, das sei aber bedauerlich, weil diese Schüler dann an vielen Gemeinsinn stiftenden Aktionen nicht mehr teilnehmen könnten. Oder die Aufgabe wird an Schulbegleiter delegiert, die teils von Standort zu Standort hetzen müssten und dann für „eine Diabetis-Spitze sieben Minuten Zeit hätten“. Für Fricke sind „beides sehr unbefriedigende Lösungen“.

Auch die Schulkrankenschwester wäre vermutlich nur in großen Schulen fest eingestellt und müsste ansonsten zwischen mehreren Standorten pendeln. Fricke fordert mehr Rechtssicherheit für Schulen, sieht den Dienstherren, also das Land, in der Pflicht, für Pädagogen Fortbildungen zu dem Thema anzubieten, die Zusammenarbeit mit den örtlichen Gesundheitsämtern zu fördern, aber auch Zeit einzuräumen für Gespräche mit Eltern und Ärzten. Das könne beispielsweise eine Senkung der Pflichtstundenzahl bedeuten. Ziel müsse es sein, auch kranken Kindern möglichst viel Teilhabe am Klassenleben zu sichern, und nicht, sie weiter auszuschließen, sagt er.

SPD-Politiker Politze verweist darauf, dass Lehrer sich verstärkt mit diesem Thema auseinandersetzen müssten. Schon wenn ein Kind eine allergische Reaktion habe und in Atemnot komme, seien Lehrer überfordert, wenn sie nicht wüssten, wie man damit umzugehen habe.

„Viele Eltern verschweigen die Krankheiten ihrer Kinder“

Torsten Neumann vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte kann sich Schulkrankenschwestern oder -pfleger gut als Teil eines „multiprofessionellen Teams an Schulen“ vorstellen. Auch bei Klassenfahrten seien immer häufiger nicht nur zwei, sondern drei Begleitpersonen nötig, wenn etwa ein Begleiter mit einem beeinträchtigtem Kind zum Arzt müsse, da die restliche Gruppe nicht von einem allein beaufsichtigt werden könne. Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes, sagt, die Eltern müssten Lehrer aber auch über die Gesundheit ihres Kindes informieren. Mitunter geschehe dies nicht, weil sie befürchteten, dass ihre Kinder dann nicht mit zum Ausflug oder auf die Klassenfahrt mitkommen dürften. „Im Notfall ist jeder Mensch auch der Lehrer zur Hilfe verpflichtet“, sagt Audritz, er meint aber auch, dass Gesundheit vor Teilhabe gehe.

Nach Ansicht von Harm Rykena (AfD) ist die Medikamentengabe an Förderschulen viel leichter zu organisieren als an Regelschulen. Das Land habe vermutlich weder das Geld noch das Personal, um flächendeckend Schulkrankenschwestern zu beschäftigen. Das Schulsystem sei schon jetzt unterfinanziert, etwa im Ganztag.

Von Saskia DöhnerOber

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