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Der Norden Mädchen ertrinkt bei Kita-Ausflug: Erzieherinnen verurteilt
Nachrichten Der Norden Mädchen ertrinkt bei Kita-Ausflug: Erzieherinnen verurteilt
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16:09 29.08.2018
Das Amtsgericht Geestland: Nach dem Tod eines siebenjährigen Mädchens in einem Schwimmbad in Bad Bederkesa stehen die Betreuerinnen vor Gericht. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
Geestland

„Es tut mir unendlich leid“, waren die letzten Worte einer angeklagten Erzieherin vor dem Urteil. Keine fünf Meter entfernt im Saal 46 des Amtsgerichtes Geestland sitzt als Nebenklägerin die Mutter, die vor gut einem Jahr ihre sieben Jahre alte Tochter Ashley verlor, die nicht schwimmen konnte und bei einem Kita-Ausflug in einem Schwimmbad ertrank. Zwei angeklagte Erzieherinnen und eine damals als Begleitung eingesetzte Hauswirtschafterin verletzten aus Sicht des Gerichts in erheblichem Maße die Sorgfalts-, Aufsichts- und Obhutspflicht. Sie wurden zu Bewährungsstrafen zwischen vier und zehn Monaten verurteilt.

Der Besuch einer Therme am 23. Juni 2017, einem Freitag, in Bad Bederkesa (Kreis Cuxhaven) war Teil eines dreitägigen Ausfluges. 17 Kinder, darunter Ashley, planschten im Wasser. Die Aufsicht oblag den beiden heute 50 und 57 Jahre alten Erzieherinnen und einer 64-jährigen Hauswirtschafterin der Bremer Kita. Ashley war Nichtschwimmerin, und die Mutter hatte vorher darauf hingewiesen, ihr sogar Schwimmflügel mitgeben. „Sie wussten, dass Ashley Nichtschwimmerin war“, so die Richterin an die Adresse der Angeklagten.

Siebenjährige zog Schwimmflügel aus – und ertrank

Die Siebenjährige wollte dann wohl tauchen, zog einen Flügel selbst aus, kam zu der 50-jährigen Erzieherin, die ihr dann half, auch den zweiten auszuziehen. Eine fatale Fehlentscheidung, die dazu führte, dass die 1,23 Meter große Ashley im 1,35 Meter tiefen Becken ertrank. Die Erzieherinnen bekamen das erst mit, als das Mädchen schon aus dem Wasser gezogen war und Reanimationsversuche liefen. Ashley starb eineinhalb Stunden später im Krankenhaus. Die Betreuerinnen schenkten dem Mädchen laut Gericht keine besondere Aufmerksamkeit und saßen am Beckenrand.

Die 50-Jährige bezeichnete die Richterin in ihrer knapp einstündigen Urteilsbegründung als Hauptverantwortliche für den Tod Ashleys und attestierte ihr „grobe Fahrlässigkeit“. „Meine Mandatin hat einen schweren Fehler gemacht“, sagte auch ihr Anwalt. „Sie wird sich lebenslang fragen, wie es dazu kommen konnte. Sie kann es sich nicht erklären.“ Ihre 57-jährige Berufskollegin erhielt eine viermonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung, die Hauswirtschafterin sechs Monate ebenfalls auf Bewährung. Mit seinem Urteil ging das Gericht in allen Fällen über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die für die 57-Jährige sogar einen Freispruch gefordert hatte. Die Angeklagten müssen insgesamt 5000 Euro an die Hinterbliebenen zahlen.

17-jährige Schwester ist sprachlos

Ashleys Schwester Caroline Jaitrong zeigte sich tief enttäuscht von dem Urteil, gegen das Berufung möglich ist. „Ich bin sprachlos“, sagt die 17-Jährige. Sie hätte sich Freiheitsstrafen ohne Bewährung gewünscht. Die Schwester hatte vor dem Prozess mit einigen Freunden vor dem Gericht ihrer Trauer Luft gemacht und deutliche Kritik geübt - nicht nur an den Angeklagten, die ihre Berufe nicht ernst genommen hätten, sondern auch am System. „Das nächste könnte Ihr Kind sein“, stand auf einem selbstgemalten kleinen Plakat.

Zu wenig Personal für Kitas und auch in Altenpflegeheimen, kritisiert sie. „Drei Personen auf 17 Kinder - wie kann das sein? Meine Schwester ist ertrunken aufgrund der Fehler der Betreuer.“

Von dpa/RND

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