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Der Norden Hetze wegen Werbung mit dunkelhäutigem Mädchen
Nachrichten Der Norden Hetze wegen Werbung mit dunkelhäutigem Mädchen
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00:18 03.12.2017
h Quelle: dpa
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Elmshorn

Es war eine Frage des Marketings, seit zehn Jahren schon heißt der Weihnachtsmarkt in Elmshorn nördlich von Hamburg anders als andernorts. Dass die Elmshorner ihren Weihnachtsmarkt „Lichtermarkt“ nennen, war lange auch kein großes Problem. Doch seit sich vor gut zwei Wochen die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und AfD-Sympathisantin Erika Steinbach per Twitter darüber empört hat, bricht eine Welle des Hasses über Bürgermeister Volker Hatje herein. Jemand hatte seine Privatadresse und die Telefonnummer des Bürgermeisters im Internet veröffentlicht. Inzwischen ermittelt der Staatsschutz wegen Bedrohung und Volksverhetzung. 

Hundertfach wurde Hatje in E-Mails, Briefen und Anrufen beschimpft und bedroht. Sogar mit dem Tod. Ganz offensichtlich Reaktionen auf den Steinbach-Tweet beim Kurznachrichtendienst: „Ich kenne kein Land außer Deutschland, das seine eigene Kultur und Tradition so über Bord wirft“, hatte die 74-Jährige geschrieben. Darunter ein Foto des Werbeplakats für den „Lichtermarkt“, auf dem ein dunkelhäutiges Mädchen vor einem Weihnachtsbaum liegend in die Kamera lächelt. Die Hölle brach los.

Hass in Briefen und E-Mails

Der Messerangriff auf den Amtskollegen im nordrhein-westfälischen Altena war da noch gar nicht geschehen. Bürgermeister Hatje war dennoch alarmiert. Er setzte nur zwei Stunden nach der Twitter-Nachricht eine zweiseitige Erklärung ins Netz. Die Stadt wehrte sich gegen den Vorwurf der „Traditions- und Kulturverleugnung“. Hatje warf Steinbach vor, den „Lichtermarkt“ für politische Stimmungsmache zu instrumentalisieren. Schon seit 2007 heiße der Elmshorner Markt so – passend zum neuen Konzept mit reichlich Beleuchtung. Das Mädchen auf dem Plakat habe 2011 an einem offenen Fotowettbewerb teilgenommen und sei seitdem das Werbemotiv. „Wir lassen uns auf keine Diskussion ein, in der Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden.“ 

Doch den wütenden Mob im Netz spornte das nur weiter an. Der Bürgermeister ging zur Polizei. „Einen derartigen Shitstorm und Hass habe ich noch nicht erlebt“, sagte Hatje vor wenigen Tagen. Zehn der anonymen Nachrichten beschäftigen jetzt die Ermittler. Man arbeite daran, die Absender zu ermitteln, sagte eine Sprecherin. Hatje aber will sich nicht mehr zu der Debatte äußern. Alles sei gesagt, heißt es nur aus dem Rathaus. 

Immerhin fliegt Hatje nicht nur der Hass um die Ohren. Der parteilose Bürgermeister erhält viel Zuspruch aus den anderen Parteien. Unbehagen schwingt da mit. Es ist erst wenige Tage her, dass in Altena der Bürgermeister mit dem Messer lebensgefährlich verletzt wurde. Offenbar weil er freundlich zu Flüchtlingen ist.

Was sind christliche Symbole?

„Man muss schon klar Farbe bekennen, und da hat der Bürgermeister vollkommen recht, dass man solchen Vorurteilen, die nur über Bilder funktionieren, entschieden widersprechen und sich entgegenstellen muss“, sagt etwa der Sprecher des Elmshorner Ortsverbandes der Grünen, Rainer Naske. Den SPD-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Lenk wundert die Wucht. „Was mir Sorgen macht, ist die Hemmungslosigkeit, mit der im Netz anonym Dinge zutage kommen, die sich vor zehn Jahren noch keiner zu sagen getraut hätte.“ Hans-Ewald Mertens von den Linken bewundert Hatje für seine klare Haltung. „Der Bürgermeister braucht dafür Rückgrat, und das zeigt er auch.“ 

Auch in der Elmshorner CDU verurteilen sie Steinbachs Äußerung. „Ich fand die Debatte, so, wie sie online geführt wurde, schlimm“, sagt der Fraktionsvorsitzende Nicolas Sölter. Er teile die Ansicht von Frau Steinbach nicht und verwahre sich gegen Rassismus. Andererseits halte er die Reaktion auf die Wortmeldung überzogen. „Ich halte es für legitim, dass man auch eine Debatte über die Bezeichnung des Lichtermarktes führt“, sagt Sölter. „Man kann zum Beispiel darüber diskutieren, ob man christliche Symbole wieder mehr in die Öffentlichkeit tragen sollte.“

„Lichtermarkt“ soll Toleranz ausstrahlen

Nach der Debatte um den „Lichtermarkt“ und die Anfeindungen gegen Bürgermeister Volker Hatje soll in Elmshorn nun ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz gesetzt werden. Daher werden die Bürger dazu aufgerufen, am Nikolaustag mit Kerzen, Taschenlampen und anderen leuchtenden Gegenständen eine Kundgebung auf dem „Lichtermarkt“ abzuhalten. Auch Vertreter der örtlichen Parteien haben schon ihre Teilnahme  an der Aktion „Elmshorn leuchtet für Toleranz“ angekündigt, außerdem will die Gewerkschaft Verdi mit ihrer Teilnahme dem Bürgermeister Volker Hatje ihre Solidarität zeigen. Veranstalter sind das Stadtmarketing und die „Elmshorner Nachrichten“.

Der „Lichtermarkt“ ist noch bis Heiligabend geöffnet und bietet in 17 Holzhütten vorweihnachtliches Allerlei wie Kräuterbonbons und Hirtenbrot. Das Zentrum des Marktes bildet eine große Tanne, rundherum sind 70 weitere Weihnachtsbäume verteilt, die mit überwiegend roten Kugeln geschmückt sind. Aushängeschild und Namensgeber für den Markt sind aber Tausende Lichter, die an den Hütten und in den Bäumen hängen und einen besonderen Anblick bieten. Bei einer Aktion am 22. Dezember können die Besucher an Hunderte Luftballons gebunden ihre Weihnachtswünsche in den Himmel fliegen lassen.

Von Nils Oehlschläger

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