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Der Norden Bremen findet kein einziges Mordopfer
Nachrichten Der Norden Bremen findet kein einziges Mordopfer
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18:39 30.07.2018
Rund 8000 Todesfälle gibt es jedes Jahr in Bremen. Mediziner prüfen die Leichen. Quelle: dpa
Bremen

Die Todesursache eines Menschen ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Rechtsmediziner schätzen, dass in Deutschland jedes zweite Tötungsdelikt unentdeckt bleibt. Wenn Ärzte etwa wegen mangelnder Erfahrung nicht genau genug hinschauen, kann es sein, dass sie beim Ausstellen des Totenscheins zu Unrecht ein natürliches Ableben vermerken. Selbst in Kliniken fallen Morde manchmal nicht auf, wie der Fall des Delmenhorster „Todespflegers“ Niels H. zeigt.

Im rot-grün regierten Bremen ist das seit einem Jahr anders, zumindest in der Theorie. Denn der Zwei-Städte-Staat hat zum 1. August 2017 als erstes Bundesland die verpflichtende „qualifizierte Leichenschau“ eingeführt. Seitdem muss in Bremen und Bremerhaven jeder Verstorbene nach der ersten ärztlichen Todesfeststellung noch zusätzlich durch einen speziell ausgebildeten „Leichenschauarzt“ begutachtet werden. Doch der Aufwand hat sich bisher nicht recht gelohnt: Im ersten Jahr mit flächendeckender Leichenschau wurde nicht ein einziges Tötungsdelikt aufgedeckt – und das bei immerhin rund 8.000 Sterbefällen pro Jahr im kleinsten Bundesland.

Auch Niedersachsen hat in diesem Jahr bei der Reform des Bestattungsgesetzes strengere Regeln vorgegeben. Ärzte müssen nun die Polizei informieren, wenn sie Anhaltspunkte für einen unnatürlichen Tod entdecken.

Hinterbliebene zahlen

Malte Hinrichsen, stellvertretender Sprecher der Bremer Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD), findet dennoch, dass die Neuregelung sich bewährt habe. Keine vertuschten Tötungsdelikte – das sei ja „auch bereits ein Ergebnis“. Die qualifizierte Leichenschau verbessere somit die Todesursachenforschung und -statistik.

Allerdings hat die neue Vorschrift gar nicht so viel verändert wie zunächst gedacht. Denn auch schon vor der Reform von 2017 wurden Verstorbene immer dann genauer untersucht, wenn sie eingeäschert werden sollten. Und das betraf immerhin 80 Prozent der Sterbefälle, wie inzwischen bekannt wurde.

Bis zu zehn Mediziner vom Institut für Rechtsmedizin in der Stadt Bremen und vom Gesundheitsamt in Bremerhaven sind für die Untersuchungen zuständig, wie Ressortsprecher Hinrichsen erläutert. Drei dieser Stellen wurden extra neu geschaffen. Das Geld dafür kommt von den Hinterbliebenen: Sie zahlen 187 Euro für die Untersuchung.

Meist findet sie in der Leichenhalle des Bestatters statt, und laut Hinrichsen entstehen dadurch nur geringe Verzögerungen: „Meldungen werden zumeist noch am selben Tag, spätestens am Folgetag bearbeitet.“

Auch wenn es Rechtsmediziner sind, die die Leichen begutachten: Zum Skalpell wie im Krimi greifen sie in der Regel nicht. Solange ihnen nichts Besonderes auffällt, reicht ihnen ein genauer Blick von außen auf den Leichnam und in dessen Körperöffnungen.

Kein Generalverdacht

Wäre es bei der Bremer Neuregelung nach dem Willen von Kriminologen gegangen, dann würden die Leichenschauärzte direkt ins Trauerhaus kommen – damit beim Abtransport zum Bestatter keine Spuren eines etwaigen Tötungsdelikts verwischt werden. Aber Gesundheitssenatorin Quante-Brandt fand, dass die Angehörigen damit einem Generalverdacht ausgesetzt würden. Nur wenn von vornherein der Verdacht auf eine Straftat besteht, kommen die Rechtsmediziner direkt ins Sterbehaus.

Von Eckhard Stengel

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