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Der Norden Kultusminister Tonne stellt sich den Schülerfragen
Nachrichten Der Norden Kultusminister Tonne stellt sich den Schülerfragen
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00:19 08.09.2018
Erstmals steht ein Kultusminister Schülern Rede und Antwort in einer Pressekonferenz: Grant Hendrik Tonne wird zwei Stunden lang befragt. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Was bringt Digitalisierung in Schulen, wenn einerseits die Informatiklehrer fehlen und andererseits viele Gebäude sowieso keine stabile Internetverbindung haben? Warum fallen so viele Stunden aus? Was tut das Land gegen Lehrermangel? Wie kann man Rassismus eindämmen? Warum lernt man viele Sachen, die man im Alltagsleben nicht benötigt? Was macht eigentlich ein Kultusminister?

Bei der ersten niedersächsischen Schülerpressekonferenz im Landtag haben rund 40 Nachwuchsjournalisten Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) mit ihren Fragen ganz schön ins Schwitzen gebracht. Mehr als zwei Stunden löcherten die Schülerzeitungsredakteure aus der Region Hannover, dem Harz, Nordhorn und den Kreisen Diepholz und Schaumburg den SPD-Politiker.

„Handys sind Wirklichkeit, also gehören sie auch in die Schule“

Tonne verwies darauf, dass zum neuen Schuljahr 1921 Lehrer eingestellt worden seien, darunter 226 Quereinsteiger, damit seien 95 Prozent der offenen Stellen besetzt. „Das ist unterm Strich eine gute, aber noch keine zufriedenstellende Bilanz. Von einem Handyverbot, wie es Frankreich in Schulen in diesem Monat eingeführt hat, hält er nichts: „Ich möchte Schulen, die die Wirklichkeit abbilden und sich den den neuen Medien nicht verschließen, die Schüler sollten aber nicht nur die Chancen und Möglichkeiten der mobilen Endgeräte, sondern auch die Risiken und Gefahren kennenlernen.“

Kein Platz für Rassismus und Sexismus

Die Ereignisse in Chemnitz nannte er „nicht nur besorgniserregend, sondern entsetzlich.“ An Schule dürfe kein Platz sein für Rassismus, Sexismus, Homophobie, Islamfeindlichkeit oder andere Form der Diskriminierung. Das sei eine Frage der persönlichen Haltung. Ob man die AfD vom Verfassungsschutz beobachten lassen soll? „Ja, das ist meine ganz persönliche Meinung“, sagt Tonne.

Was er von getrennten Mädchen- und Jungenschulen halte? „Nichts“, sagt der Minister. Er sei für gemeinsames Lernen, nicht für getrenntes, das betreffe Jungen und Mädchen, groß und klein und Schülern mit und ohne Handicap. Sein Ziel sei eine inklusive Schule, aber der Weg dorthin sei noch weit. Bildung müssen kostenlos sein. Nach der Abschaffung der Studien- und der Kita-Gebühren müsse jetzt auch die Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit stehen, sagt er: „Aber in dieser Wahlperiode wird das nichts mehr.“ Dafür sei kein Geld mehr im Haushalt da.

„Wieso sind unsere Leitungen so langsam?“

Jonah Kurdoglu vom Evangelischen Gymnasium Nordhorn fragt, warum die elektronischen Tafeln in seiner Schule so langsam sind. Quelle: Samantha Franson

Jonah Kurdoglu (11) vom Evangelischen Gymnasium Nordhorn fragt: „Unsere Schule ist sehr modern ausgestattet –mit iPads, Computern und Active Boards. Aber bei denen dauert es ganz lange, bis die hochgefahren sind, darauf können wir nicht warten. Die Lehrer nehmen dann doch nur den Tageslichtprojektor. Warum sind unsere Leitungen so langsam?“

Kultusminister Tonne antwortet: „Mein Ziel ist es, allen Schulen mit einer vernünftigen Breitbandausstattung zu geben. Eigentlich ist das Sache des Schulträgers und keine Aufgabe des Landes, aber ich habe keine Lust, den Schwarzen Peter hin und her zu schieben. Es geht um Teilhabe quer durchs Land, das darf nicht nur auf die reichen Gemeinden beschränkt sein. Ich bin sehr für das Motto „Bring your own device“, jeder bringt das mobile Endgerät, das er zuhause hat. Andere teuere Geräte, die Eltern am Gymnasium jetzt schon kaufen müssen, etwa der grafikfähige Taschenrechner wären nicht mehr nötig, wenn man eine entsprechende App hat.

„Warum lernt man an Schule so wenig fürs richtige Leben?“

Mila Revink (15) von der Kooperativen Gesamtschule Pattensen, der Ernst-Reuter-Schule, erkundigt sich: „Es heißt doch immer, man lerne in der Schule fürs Leben, aber viele praktische Sachen erfährt man gar nicht, etwa wie man eine Steuererklärung ausfüllt.“

Tonne antwortet: „Es gibt immer mehr Aufgaben, die an die Schule übertragen werden, weil Kinder sie sonst nicht mehr beigebracht bekommen. Aber die Lehrer können nicht für alles zuständig sein, es gibt Sachen, die man im Elternhaus lernen muss. Ich führe gerade mit Erziehern und Grundschullehrern lange Diskussionen darüber, wo Kinder das Schnürsenkelbinden lernen. Es gibt Grundfertigkeiten, die die Kinder von zuhause lernen müssen. Ich glaube, in der Schule könnte man erklären, wie das Steuersystem funktioniert, aber wie man ein Konto eröffnet, mit dem Taschengeld ordentlich umgeht oder eine Steuererklärung richtig ausfüllt – das müssen Eltern ihren Kindern schon selbst vermitteln.

Mila Revink (15) von der KGS Pattensen fragt, warum man in der Schule nicht das lerne, was man hinterher im Leben wirklich brauche. Quelle: Samantha Franson

„Welchen Berufswunsch hatten Sie als Schüler?“

Pascal Monden (18) von der Schule am Deister in Rodenberg (Kreis Schaumburg) möchte von Tonne wissen: „Welchen Berufswunsch hatten Sie als Schüler?“ Der antwortet: „Lehrer.“ Auf Nachfrage erklärt Tonne, seine Mutter sei Lehrerin und die habe ihm eindringlich geraten, diesen Berufswunsch noch mal zu überdenken. Er sei dann lieber Rechtsanwalt und später Politiker geworden.

Pascal Monden (18) von der Schule am Deister in Rodenberg möchte wissen, welchen Berufswunsch Tonne als Schüler hatte. Quelle: Samantha Franson
Marisa Heiser vom Erich-Kästner-Gymnasium in Laatzen fragt: „Warum verdienen Pädagogen an Grundschulen weniger als die an Gymnasien?“ Quelle: Samantha Franson

„Verdienen Grundschullehrer bald so viel wie Gymnasiallehrer“?

Marisa Heiser (14) vom Erich-Kästner-Gymnasium in Laatzen weist auf den großen Grundschullehrermangel hin und fragt: „Werden Lehrer an Grundschulen bald so viel verdienen wie Lehrer an Gymnasien?“ Das Land prüfe derzeit juristisch, ob der Anspruch auf gleiche Bezahlung berechtigt sei. sagt Tonne. Wenn alle Grundschullehrer sofort auf A 13 in ihrem Verdienst angehoben würden, müsste das Land dafür 200 Millionen Euro bezahlen, das könne nur über einen Stufenplan gelingen. Zweifellos sei die Arbeit von Pädagogen an Grundschulen in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden. „Es geht nicht nur um mehr Geld, es geht auch um mehr Wertschätzung und Entlastung von bürokratischen Aufgaben.“

„Wird das Niveau an den Schulen immer schlechter?“

Die Schülerzeitungsredakteure vom Ernst-Moritz-Arndt Gymnasium in Herzberg im Harz hatten Tonne bei einem Interview gefragt, ob er nicht mal den Nachwuchsjournalisten aus dem ganzen Land in einer Jahrespressekonferenz Rede und Antwort stehen könnte. Die Idee nahm der Minister gern auf und lud prompt in den Landtag ein. Unter den Fragestellern, die sich besonders häufig zur Wort melden, ist auch Arthur Otte (14). Der Gymnasiast aus Herzberg sagt: „Immer wieder heißt es, das Niveau werde immer schlechter, an den Gymnasien seien jetzt Realschüler, an den Realschulen die Hauptschüler, und Hauptschulen seien jetzt eigentlich schon Förderschulen. Sehen Sie das auch so und wird das Abitur immer leichter?“

Sinkt das Lernniveau an den Schulen, fragt Arthur Otte vom Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Herzberg. Quelle: Samantha Franson

„Diese Einschätzung teile ich nicht“, stellt Tonne klar. „Es wird nicht alles schlechter, es verändert sich nur, das Abitur wird nicht leichter, sondern anders. Wir können 2018 nicht mehr wie 1998 oder 1988 lernen. Bestimmte Sachen muss man vielleicht auch gar nicht mehr lernen, es geht vielmehr darum, selbstständiges Lernen zu vermitteln. An der Uni steht auch keiner vorn und sagt, nehmt das Buch, schlagt Seite 37 auf und macht die Aufgaben 1 bis 3. Es geht nicht darum zu lernen wie früher, sondern für heute und morgen.“

„Was machen Sie gegen den Unterrichtsausfall?“

Nicole Käfer vom Geschwister-Scholl-Gymnasium in Garbsen-Berenbostel pragnert den Stundenausfall an und möchte wissen, was Tonne dagegen tut. Quelle: Samantha Franson

Nicole Käfer (12), Achtklässlerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Garbsen-Berenbostel, möchte vom Kultusminister wissen: „Was machen Sie gegen den Unterrichtsausfall?“ Tonne antwortet: „Langfristig versuche ich, mehr Menschen für den Lehrerberuf zu begeistern, nächstes Jahr starten wir eine Imagekampagne, aber diese Maßnahmen wirken erst in ein paar Jahren, wenn die Studenten mit ihrem Studium fertig sind, kurzfristig versuchen wir, Pensionäre zurückzugewinnen, bislang können sie sieben Stunden in der Woche unterrichten, ohne dass das auf ihre Pension angerechnet wird, künftig sollen es 15 bis 18 Stunden sein. Lehrer können auch freiwillig ihr Stundenkontingent erhöhen und wir hoffen, noch mehr Quereinsteiger zu gewinnen.“

„Wie kann eine Schule Geld sammeln?“

Sophie Sieverding (12) von der Oberschule Bassum erkundigt sich, wie Schulen Geld für Projekte sammeln können. Quelle: Samantha Franson

Sophie Sieverding (12) von der Oberschule Bassum im Kreis Diepholz fragt den SPD-Politiker: „Wie kann eine Schule noch Geld für Projekte sammeln außer mit einem Spendenmarathon?“ Tonne meint: „Das gibt es ganz viele Möglichkeiten, das kann ich gar nicht abschließend aufzählen, zum Beispiel gibt es viele Stiftungen, etwa von Banken, die sich gern für Schulen engagieren.“

Von Saskia Döhner

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