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Der Norden Diese Technik soll Schweinswale in der Nordsee schonen
Nachrichten Der Norden Diese Technik soll Schweinswale in der Nordsee schonen
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08:30 08.08.2018
In der Nordsee sollen neue Fundamente für Windräder im kommerziellen Betrieb erprobt werden, die ohne Rammarbeiten und größere Lärmbelästigungen für die empfindlichen Schweinswale auskommen. Quelle: dpa
Hannover/Hamburg

Leisere Bauarbeiten unter Wasser: In der Nordsee sollen neue Fundamente für Windräder im kommerziellen Betrieb erprobt werden, die ohne Rammarbeiten und größere Lärmbelästigungen für die empfindlichen Schweinswale auskommen. Der kanadische Energiekonzern Northland Power, der 95 Kilometer nordwestlich von Borkum weit draußen auf dem offenen Meer den WindparkDeutsche Bucht“ mit 31 Turbinen baut, wird zwei zusätzliche Windräder auf sogenannten Saugeimer-Fundamenten (Suction Buckets) errichten. Eine entsprechende Genehmigung durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) liege seit Mai vor, teilte Northland Power mit.

Stoß von Windrädern mehrere Kilometer zu hören

Die beiden „Eimer“ in dem Windpark sind 61 Meter hohe Stahlkonstruktionen mit einem Gewicht von 1.100 Tonnen. An ihrem unteren Ende bilden sie einen offenen Zylinder mit einem Außendurchmesser von 19 Metern. Der Zylinder wird auf dem Meeresboden aufgesetzt und das Wasser herausgepumpt. Durch den Unterdruck und sein Eigengewicht gräbt sich das Eimer-Fundament bis zu 18 Meter tief in den Meeresboden. Darauf kommen ein Zwischenstück und die Windturbine, in diesem Fall ein Modell von Vestas mit 8,4 Megawatt Leistung. Die Arbeiten sind für das 2. Quartal 2019 geplant.

Techniker montieren Bauelemente für Windkraftanlagen. Quelle: dpa

Bislang ist die meistverbreitete Technik, einen schweren Stützpfeiler im Meer zu verankern, der das Windrad trägt. Der Stahlträger wird mit einem hydraulischen Hammer in den Meeresboden getrieben. Bei einem Rammstoß entsteht Lärm von mehr als 180 Dezibel, deutlich mehr als bei einem startenden Düsenjet. Der Stoß ist unter Wasser noch in mehreren Kilometern Entfernung wahrzunehmen. Vor allem die empfindlichen Schweinswale, die ähnlich wie Fledermäuse ein akustisches Bild ihrer Umgebung zur Orientierung nutzen, können schweren Schaden nehmen, aber ebenso Seehunde, Fische und Bewohner des Meeresbodens.

Fast 1.200 Windkrafträder wurden allein in der deutschen Nordsee auf diese Art errichtet, doppelt so viele werden noch folgen. Strenge Grenzwerte und verschiedene Maßnahmen - zum Beispiel Blasenschleier, also Schläuche, die rund um den Lärmherd im Wasser Schleier aus Luftblasen produzieren - sollen den Geräuschpegel möglichst gering halten. Doch zu dem Baulärm kommt Krach aus den Schiffsmotoren, die Verlegung von Kabeln auf dem Meeresgrund und das Sonar der Schiffe. „Die Meeressäuger finden kaum noch ruhige Gebiete zur Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung“, sagt Kim Cornelius Detloff, Meeresschutz-Experte der Umweltorganisation Nabu.

Sind schwimmende Plattformen die Zukunft?

Der Saugeimer-Versuch findet den Beifall der Naturschützer, aber sie äußern auch Kritik: „Das Problem sind die langen Planungszeiten von mehreren Jahren, während derer auch die Fundamente schon bestellt werden“, sagt Detloff. Deshalb werden auch im WindparkDeutsche Bucht“ nur zwei Bonus-Windräder über die eigentliche Genehmigung hinaus mit der neuen Technologie gebaut, die übrigen 31 Anlagen dagegen mit herkömmlicher Technik.

Vattenfall hat vor Schottland bereits einen kleineren Windpark im Bau, der komplett mit Suction Buckets errichtet wird. Ørsted hat im WindparkBorkum Riffgrund 2“ bei 20 von 56 Fundamenten diese Technologie genutzt. Beide brauchen allerdings drei Beine für das Fundament. Im WindparkDeutsche Bucht“ wird weltweit zum ersten Mal nur ein Pfeiler genutzt (Mono Buckets). Das verringert nicht nur die Einwirkungen auf die Umwelt, sondern auch die Kosten. „Die Erkenntnisse aus diesem Pilotprojekt könnten es Northland ermöglichen, bei bestimmten Standortbedingungen schneller und kostengünstiger zu bauen“, sagt Vorstandschef John Brace.

Ein Schweinswal schwimmt im Wasser. Quelle: dpa

Die Zukunft der Offshore-Windenergie könnten Windparks sein, die gar nicht mehr auf dem Meeresboden stehen, sondern auf schwimmenden Plattformen. Tonnenschwere Anker halten sie an ihrer Position. Die Technik ist bei der Öl- und Gasförderung durchaus erprobt, jedoch wirken auf Windkrafträder stärkere Kräfte. Vor Schottland arbeiten immerhin schon fünf größere schwimmende Windräder im Statoil-Windpark „Hywind“. Der Vorteil: Windparks könnten nicht mehr nur in Wassertiefen bis zu 60 Metern gebaut werden, sondern weit darüber hinaus. Damit würden riesige Meeresflächen zu möglichen Standorten für Windkraftwerke.

Von RND/dpa

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