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Der Norden Kronzeuge belastet Abu Walaa schwer
Nachrichten Der Norden Kronzeuge belastet Abu Walaa schwer
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19:01 08.11.2017
Vom Hauptzeugen der Anklage in Celle belastet: Der Hildesheimer Hassprediger Abu Walaa.  Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Celle/Hildesheim

Im Prozess gegen den Hildesheimer Hassprediger Abu Walaa und vier mutmaßliche Unterstützer vor dem Oberlandesgericht Celle hat Kronzeuge Anil O. mit seinen ersten Aussagen am Mittwoch Abu Walaa schwer belastet. Aber auch gegen die beiden anderen Hildesheimer Angeklagten erhob er massive Vorwürfe. Die ehemalige Moschee des verbotenen Deutschsprachigen Islamkreises (DIK) beschrieb er als Treffpunkt von Anhängern des „Islamischen Staats“ (IS) aus ganz Deutschland und mehreren Nachbarländern. Die Angeklagten quittierten die Äußerungen immer wieder mit Gelächter und Kopfschütteln.

Der Auftritt von Anil O. war mit Spannung erwartet worden. Der heute 23-Jährige war im Herbst 2015 mit Frau und Kind ins Herrschaftsgebiet des IS in Syrien gereist. Ein Jahr später floh er jedoch, zeigte sich geschockt und geläutert ob der Brutalität des IS und stellte sich den deutschen Behörden. Abu Walaa und seine Mitstreiter bezeichnete er als entscheidend für seine Radikalisierung und seine Ausreise, seine Aussagen führten zur Verhaftung der Gruppe vor genau einem Jahr und zum Prozess.

Perücke, Leibwächter, Anwalt

Anil O. kam Mittwoch mit einer blonden Perücke in den Saal, begleitet von drei Personenschützern und einem Anwalt. Blickkontakt zu den Angeklagten vermied er. Die hingegen beobachteten ihn teilweise intensiv und machten sich zahlreiche Notizen. Vor allem Abu Walaa schrieb mehrere Blätter voll und forderte O. zwischendurch auf, langsamer zu reden.

Anil O. bekräftigte seine Darstellung, Abu Walaa sei „der Repräsentant des IS in Deutschland. Das sei „in der Szene allgemein bekannt“ gewesen. Zudem hätten es ihm die ebenfalls Angeklagten Hasan C. und Boban S. bestätigt – und ihn im Sommer 2015 im Fastenmonat Ramadan zur Vorbereitung seiner geplanten Ausreise ins IS-Gebiet zu dem Prediger in die Hildesheimer DIK-Moschee geschickt. Abu Walaa selbst habe ihm später auf die Frage, warum er eigentlich nicht selbst ins IS-Gebiet ziehe, erklärt: „Was ich hier mache, kann kein anderer machen.“

Zu den besonderen Kompetenzen Abu Walaa habe es gehört, islamische Rechtsgutachten im Namen des IS zu erstellen. Unter anderem habe er befunden, dass Diebstahl und Betrug legitim seien, wenn die Opfer „Ungläubige“ seien. So rechtfertigte der Prediger dem Kronzeugen zufolge unter anderem die von seinen Helfern empfohlene Praxis, kurz vor einer Ausreise möglichst hohe Kreditverträge abzuschließen und teure Elektronikgeräte auf Rechnung zu kaufen, ohne sie bezahlen zu wollen: Das Geld sei „Kriegsbeute“.

Doch Anil O. belastete nicht nur den Prediger schwer – sondern auch die beiden anderen Hildesheimer Angeklagten Mahmoud O. und Ahmed F. Y., die er als „linke und rechte Hand von Abu Walaa“ bezeichnete. Mahmoud O. habe angeregt, einen Anschlag auf Polizisten in Wuppertal zu verüben – Pistolen mit Schalldämpfer habe er schon besorgt und könne auch noch weitere Waffen organisieren. Über diese Pläne sei in einem Kellerraum der DIK-Moschee gesprochen worden, den Anil O., wie auch vieles andere, detailliert beschrieb: „Da standen mehrere Fitnessgeräte herum, an den Wänden hingen Spiegel.“

Den Kameruner Ahmed F. Y. beschrieb Anil O. als einen, „der es kaum abwarten konnte, auch selbst in den islamischen Staat auszureisen und dort ein paar Gegnern des IS die Köpfe abzuschneiden“.

Reine Lehre des IS

Die DIK-Moschee habe er als eine Art „Mini-Version des IS“ kennengelernt, in die verschiedene Gruppen aus Europa zusammengekommen seien, um Seminare und Predigten zu besuchen und gemeinsam zu beten. „Ich habe Schweizerdeutsch gehört, auch Österreicher waren da.“ Das habe er damals als sehr erhebend empfunden. Auch hätten Unterrichts-Inhalte exakt dem entsprochen, was „das Curriculum des IS“ sei.     

Von Tarek Abu Ajamieh

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