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Der Norden Kirche als Minderheit – warum denn nicht?
Nachrichten Der Norden Kirche als Minderheit – warum denn nicht?
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20:10 20.07.2018
Die Kirchen verlieren weiter Mitglieder. Quelle: dpa
Hannover

Das war wohl keine so gute Idee. Von einem Kirchturm in Luzern dröhnte tagelang ein Handy-Klingelton – bis er am Freitag abgeschaltet worden ist. Die Anwohner waren vom elektronischen Geräusch genervt und wollten den vertrauten Glockenklang zurück. Dabei hatten Künstler während der Renovierung des Kirchturmes nur ein wenig provozieren wollen. Ob nicht das Handy zum modernen Gott geworden sei? Zumindest erscheint es den meisten Menschen unersetzbar – ganz im Gegensatz zur traditionellen Kirche. Das zeigen auch die jüngsten Statistiken, die das anhaltende Schrumpfen der beiden Großkirchen dokumentieren. Wieder einmal. Wie in den vergangenen Jahren. Doch ist das schlimm? Überhaupt nicht. Denn die Kirchen sollten nicht durch äußere, sondern durch innere Größe beeindrucken. Nur so haben sie Zukunft.

Man wird sich auch in Westdeutschland an die Minderheitenkirche gewöhnen müssen, wie sie im Osten des Landes, aber auch im europäischen Ausland anzutreffen ist. Es gehört nicht mehr „dazu“, noch in der Kirche zu sein. Eltern haben Mühe, überhaupt noch kundige Paten für die Taufe ihrer Kinder zu finden, das christliche Grundrepertoire in der Erziehung schwindet. Und wenn dann noch die Rettung auf hoher See grundsätzlich infrage gestellt wird, muss einem um die „christliche“ Kultur einer Gesellschaft wirklich bange werden. Die Bibel ist in diesen Fragen ziemlich eindeutig – und damit auch ziemlich sperrig.

Die etablierten Kirchen bringt dieser Schwund aktuell in eine paradoxe Situation. Denn derzeit schwimmen sie geradezu im Geld, das ihnen die kräftigen Zuwächse der Einkommenssteuer, an der wiederum die Kirchensteuer hängt, in die Kassen spülen. Die hannoversche Kirche sorgt deshalb vor und versucht jetzt schon, sich von Versorgungslasten zu befreien, die immer drückender werden, wenn sich der Mitgliederschwund noch kräftiger bemerkbar machen wird. Denn mit den Babyboomern, die bald in Rente gehen, fehlen nicht nur Pastorinnen und Pastoren, sondern auch die Einnahmen. Deshalb wird man in Zukunft nicht darumkommen, die Kräfte noch stärker zu fokussieren. Vor allem in jenen Orten, die voll von Kirchen, aber im Zweifel eher menschenleer sind. Auch geistig und geistlich kann eine solche Konzentration auf das Wesentliche durchaus von Vorteil sein.

Ein Indiz hierfür war das Reformationsjubiläum des vergangenen Jahres – es hat den (protestantischen) Kirchen zwar keine Eintrittswelle beschert, aber doch eine Fülle von bemerkenswerten Veranstaltungen hervorgebracht. Man sollte über solche „Eventisierung“ der Kirche nicht schimpfen. Sie ist nicht vom Teufel, sondern ein Zeichen des (Über-)Lebens. Und gegen Glocken ist damit auch nichts gesagt.

Von Michael B. Berger

Sie schwimmen derzeit im Geld, doch sie verlieren Jahr für Jahr Mitglieder. Vor allem die Überalterung, der demografische Faktor, macht den Kirchen zu schaffen.

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