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Der Norden Bleibt der "Mittelpunkt Deutschlands" in Niedersachsen?
Nachrichten Der Norden Bleibt der "Mittelpunkt Deutschlands" in Niedersachsen?
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08:26 25.06.2017
Die Mittelpunkt Deutschlands liegt in Niedersachsen - noch. Quelle: dpa
Krebeck/Edermünde

Sein Ortsteil Besse ist die Mitte - da ist sich Bürgermeister Thomas Petrich (SPD) sicher. Der Rathauschef der kleinen nordhessischen Gemeinde Edermünde bei Kassel hat einen Beweis: Eine Steinsäule, mit EU-Geld gefördert, markiert eine Wiese am Ortsrand als Mittelpunkt Deutschlands. Petrich weiß aber auch - Besse ist nicht allein. Viele wollen die Mitte sein. In Thüringen sind es mindestens vier Orte, die den Titel beansprucht haben: Flinsberg, Niederorla, Silberhausen und Landstreit. Hinzu kommt Krebeck im südniedersächsischen Eichsfeld.

Alle haben Argumente. Das Problem: Wo liegt die Mitte eines Gebildes wie der Bundesrepublik Deutschland? Mathematiker, Universitäten und Hobby-Geografen haben verschiedene Antworten: Mal ist die Mitte der Schnittpunkt der Linien zwischen den äußersten Punkten, mal der geometrische Schwerpunkt. Bezieht man Hoheitsgewässer ein, variiert das Ergebnis. Auch mit 3D-Modellen wurde schon gerechnet. "Es gibt bei diesem Thema nicht nur eine Wahrheit", sagt Krebecks stellvertretender Bürgermeister Stephan Hörschelmann (Grüne). "Aber wir sind der einzige geodätisch (vermessungskundlich) korrekt errechnete Mittelpunkt Deutschlands, wenn man auch alle Inseln berücksichtigt."

Die Flächendaten Deutschlands

Das Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland kommt auf eine Fläche von rund 357 050 Quadratkilometer. Zwischen Nord und Süd beträgt die größte Entfernung 876 Kilometer, zwischen Osten und Westen 640 Kilometer. Der nördlichste Punkt ist die Gemeinde List auf der Insel Sylt in Schleswig-Holstein, der südlichste Oberstdorf im Allgäu. Die westlichste Gemeinde Selfkant liegt im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. Als östlichste Gemeinde gilt nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes Neißeaue im sächsischen Landkreis Görlitz.

"Wir nehmen das mit dem Mittelpunkt gar nicht so ernst"

Dieser Ansatz ist nach Ansicht von Experten so legitim wie die anderen: Es gebe keinen amtlichen Mittelpunkt, sagt Katharina Spanger vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie in Frankfurt. "Je nachdem auf welcher Grundlage oder mit welcher Methode die Berechnung vollzogen wird, kommt es zu unterschiedlichen Ergebnissen". Als Fachmann in Sachen Mittelpunkt könnte Torsten Städtler gelten: Er ist Betreiber einer Internetseite zu dem Thema und sagt: "Wenn man auf die Karte schaut, sieht man, wo der Mittelpunkt ist: im Eichsfeld." Auf einen Ort will Städtler sich nicht festlegen. Er wohnt selbst in der Region und besuchte vor einigen Jahren sämtliche Mittelpunkt-Orte: "Die Gemeinden leben und propagieren den Titel sehr unterschiedlich", berichtet er. Ein Grund für die Suche nach der Mitte sind Touristen: "Für die Entscheidung, wohin jemand fährt, gibt es viele Faktoren", sagt Thomas Spielmann, Bürgermeister (parteilos) des Heilbads Heiligenstadt in Thüringen. Und am Ende könne eben der Titel "Mittelpunkt Deutschlands" den Ausschlag geben.

Deshalb ist für Spielmann klar: Sein Ortsteil Flinsberg mit 139 Einwohnern ist "der" Mittelpunkt. Flinsberg beruft sich auf Berechnungen der Universität Bonn und gibt sich Mühe bei der Vermarktung. Ein Besuch lohne sich, verspricht Spielmann: Mit einer Sitzgruppe, Infotafeln und einer Segelüberdachung gebe es dort etwas zu sehen. Frustriert ist man im thüringischen Landstreit, das zu Eisenach gehört. "Wir sind Mittelpunkt - zumindest rein theoretisch", sagt Ortsteilbürgermeister Jürgen Jansen (SPD). Landstreit ist ein 18-Einwoher-Weiler im Stadtteil Hötzelsroda. Der frühere Direktor einer Stiftung habe recherchiert, dass dies der Mittelpunkt Deutschlands sei, sagt Jansen: Doch die Stadt unterstütze das nicht. Dabei habe die Lage einmal ausländische Grundstückskäufer nach Landstreit gezogen - angeblich wegen des guten Magnetfelds.

Im niedersächsischen Krebeck ist man zwar stolz darauf, Mittelpunkt Deutschlands zu sein. "Gebracht hat es dem Ort touristisch gesehen nicht wirklich etwas, sagt Bürgermeister Frank Dittrich (parteilos). Das sei aber nie erklärtes Ziel der Gemeinde gewesen. Zu sehen gibt es in dem rund 1100-Einwohner-Ort einen großen Stein mit Tafel. "Dort halten ab und zu Radfahrer", sagt Dittrichs Stellvertreter Hörschelmann. Auf die neue Konkurrenz aus Hessen blickt man in Krebeck im übrigen ganz gelassen. "Wir nehmen das mit dem Mittelpunkt gar nicht so ernst", sagt Hörschelmann. Wohl auch, weil Besucher von außerhalb sich in aller Regel auch eher für die Eichsfelder Spezialitäten einer in der Region bekannten kleinen Fleischerei interessieren als für den Stein, der den Mittelpunkt Deutschlands markieren soll. 

dpa

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