Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Der Norden Grönemeyer tritt überraschend bei Konzert gegen Rechts auf
Nachrichten Der Norden Grönemeyer tritt überraschend bei Konzert gegen Rechts auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:48 26.08.2018
Herbert Grönemeyer spielt auf dem Open-Air-Musikfestival "Jamel rockt den Förster". Quelle: dpa
Jamel

Große Namen bei „Jamel rockt den Förster“: Zum Auftakt des dreitägigen Musikfestivals in Jamel (Mecklenburg-Vorpommern) sorgte am Freitagabend Herbert Grönemeyer für den Höhepunkt. Sein Kommen war bis unmittelbar vor Beginn geheim gehalten worden. Vom Publikum wurde der Sänger am Freitagabend frenetisch gefeiert.

Mit Grönemeyers Überraschungsauftritt zeigte erneut ein Künstler der ersten Reihe demonstrativ Solidarität mit dem Künstlerehepaar Birgit und Horst Lohmeyer, das seit vielen Jahren in dem Dorf bei Wismar lebt und sich Anfeindungen der dort starken Neonazi-Szene widersetzt. Doch ging es bei dem nunmehr zwölften Musikfest gegen rechte Gewalt und für Toleranz nicht nur um die Neonazis in der Nachbarschaft der Lohmeyers: Neben Ansagen gegen Fremdenhass kommentierten einige Musiker auch die Debatten um Seenotrettung im Mittelmeer und Fluchthilfe.

„Wir müssen lernen, Haltung zu zeigen“

Grönemeyer sagte, er sei gekommen, um den Lohmeyers und den Gästen den Rücken zu stärken. „Das Land ist nervös, die Zeiten sind nervös und wir müssen lernen, Haltung zu zeigen, den Mund aufzumachen und laut zu werden, richtig laut zu werden, damit die rechte Szene merkt: Das ist hier nicht gewollt“, sagte der Sänger. Ihm liege jedoch nicht nur das Engagement gegen Neonazis am Herzen. „Es kann nicht sein, dass man darüber debattiert, ob man Menschen, die in Lebensgefahr schweben, rettet. Das muss man sich mal vorstellen im Kopf, wo wir gelandet sind!“, machte Grönemeyer seine Haltung deutlich. Die Weigerung von Mittelmeer-Anrainern, Boote mit geretteten Flüchtlingen die Zufahrt zu ihren Häfen zu gestatten, und Kritik auch aus Reihen der Union am Wirken der Rettungsorganisationen hatte die Debatte neu belebt.

Gute Stimmung während des Auftritts der Punkband "Dritte Wahl". Quelle: dpa

Dass darüber überhaupt diskutiert werde, halte er für ein Verbrechen, und diejenigen, die die Seenotrettung in Frage stellten, gehörten vor Gericht. „Ist mir wurscht wer das ist, ob das ein Teil der Bundesregierung ist. Nur weil sie in der Bundesregierung sind, heißt das ja nicht, dass sie alle ganz klar im Kopf sind“, sagte Grönemeyer. Dies gelte speziell für eine christliche Partei, die darüber debattiere, ob man Menschen retten soll. „Die sollten sich vielleicht später an der Himmelspforte überlegen, was der liebe Gott zu ihnen sagen wird“, mahnte der Musiker. Auf der Bühne leitete er einen seiner größten Hits, „Mensch“, mit einem Appell ein: „Ich bin jetzt 62, ich habe noch nie eine Zeit erlebt, in der es so wichtig war, laut zu sein.“

Auch Ministerpräsidentin und Festival-Schirmherrin Manuela Schwesig (SPD) hatte den Lohmeyers zuvor ihre persönliche Unterstützung ausgesprochen. Die Eheleute seien Bürger, wie man sie sich wünsche: „Keine Wutbürger, keine Hutbürger, sondern engagierte Bürger“, sagte Schwesig in Anspielung auf den Fall eines sächsischen LKA-Angestellten, der bei einer Pegida-Demonstration mit einem Deutschlandhütchen ZDF-Journalisten beschimpft hatte. Er erlangte in den sozialen Netzwerken als „Hutbürger“ Bekanntheit. „In den letzten Jahren sind die, die auf Hass und Hetze setzen, lauter geworden. Und das sollten wir nicht zulassen“, forderte die Politikerin couragierte Gegenwehr.

Bereits viele bekannte Bands spielten in dem Dorf

Als erstes hatten die Toten Hosen mit ihrem spontanen Gastspiel 2016 dem „Forstrock“ in Jamel bundesweite Aufmerksamkeit beschert. Im Jahr darauf spielten Die Ärzte auf der Bühne hinter dem Forsthaus. Die Initiatoren Birgit und Horst Lohmeyer halten die Namen der Bands bis zu den Auftritten geheim, um den politischen Charakter des Festivals zu stärken, wie sie sagen. Die 1200 Karten für das Musikfest seien dennoch schon seit Februar ausverkauft gewesen.

Headliner des Freitags waren die Rapper Casper und Marteria, außerdem spielten Kettcar aus Hamburg und die Rostocker Punkband Dritte Wahl, die in diesem Jahr ihr 30. Bühnenjubiläum begeht. Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch erklärte unter großem Applaus zum Song „Sommer '89“, in dem die Geschichte eines Fluchthelfers erzählt wird, der DDR-Bürgern über die österreichisch-ungarische Grenze half: „Der Song ist nur aus einem einzigen Grund geschrieben worden: Um daran zu erinnern, dass das Helfen durch Zäune ein zutiefst menschlicher Akt ist. Humanismus ist nicht verhandelbar.“

Das Festival, das neben Musik auch Informationsstände und Workshops bietet, endet am Samstagabend. Erwartet werden unter anderem noch Bosse, die Hip-Hopper Antilopengang sowie das Rap-Duo Audio 88 & Yassin.

Von dpa/RND/OZ

Ein Mann hat im schleswig-holsteinischen Preetz ein neunjähriges Mädchen überfallen. Zunächst fragte er sie nach der Uhrzeit, dann riss er ihr die Handtasche aus den Händen und floh.

26.08.2018

Ein 53-jähriger Mann ist am Sonnabend bei einer Explosion im Sporthafen von Bremen-Hemelingen ums Leben gekommen. Eine 50-Jährige wurde schwer verletzt. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist noch unklar.

25.08.2018

Seit mehreren Tagen wurde ein Taucher aus Bad Harzburg vermisst. Am Samstag fanden Retter den 35-Jährigen tot im Geiseltalsee in Sachsen-Anhalt.

25.08.2018