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Der Norden Wie kann man den Lehrermangel bekämpfen?
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12:16 20.08.2017
Quelle: dpa

Bildungspolitik ist derzeit in aller Munde, Opposition und Koalition streiten heftig. Haben Sie Sorge, dass das Thema im jetzt beginnenden Landtagswahlkampf zum Zankapfel wird?

Ja, das nehme ich sehr stark wahr, es wird sehr polarisiert und polemisiert. So sagt beispielsweise die CDU: „Gar kein Problem, wir garantieren Unterricht.“ Da fragen wir uns natürlich, wie es eine Unterrichtsgarantie geben soll, wenn es nicht genug Lehrkräfte gibt.

Vor allem die Abordnungen von Gymnasiallehrern an Grundschulen haben zum Schuljahresstart für Unruhe gesorgt. Wie sehen Sie die Situation?

Uns stört der späte Zeitpunkt, zu dem die Schulen informiert wurden. Es gab schon vor den Ferien eine Abordnungswelle, organisiert als Ringtausch: Gymnasiallehrer an Oberschulen, Lehrer von Oberschulen an Grundschulen, um eben nicht die Gymnasialkollegen direkt an die Grundschulen zu schicken. Das hat man dann wieder beendet. Und dann hieß es zum Schuljahresbeginn: Jetzt muss die Schule noch mal 100 Stunden abordnen an die Grundschule. So ein Eingriff in den laufenden Betrieb ist für alle Beteiligten schwierig. Für uns ist unverständlich, warum nicht die Zeit in den Ferien genutzt wurde, das in die Hand zu nehmen.

Sie soll die neue GEW-Vorsitzende werden: Laura Pooth Quelle: dpa

Warum sind diese Abordnungen überhaupt nötig?

Wir haben einen eklatanten Lehrermangel, vor allem in Grund-, Haupt- und Realschulen. Zum einen hat die schwarz-gelbe Landesregierung seinerzeit die Zahl der Studienplätze gekürzt. An den Standorten Göttingen und Hannover wird das Haupt- und Realschullehramt als Studienrichtung nicht mehr angeboten. Im Rahmen des Bologna-Prozesses wurde zudem die Studienzeit verlängert. Daher haben wir in diesem Jahr nicht genug Absolventen - rund 400. Im kommenden Jahr werden es 1000 sein. Außerdem gibt es eine Pensionierungswelle. Die GEW hat vor allen diesen Entwicklungen seit 2007 gewarnt.

Wenn Sie Kultusministerin wären, welche Schritte würden Sie unternehmen, um den Lehrerberuf attraktiver zu machen?

Die erste Maßnahme muss sein: Die Besoldung sollte für alle Lehrer auf das Niveau angehoben werden, das jetzt Gymnasiallehrer erhalten. Die Studiengänge sind inzwischen gleich lang, zehn Semester plus eineinhalb Jahre Referendariat. Sowohl die Ausbildung als auch die Tätigkeit wurden in Rechtsgutachten als gleichwertig anerkannt. Trotzdem hat der Einsteiger im Lehramt am Gymnasium etwa 500 Euro brutto mehr und eine niedrigere Unterrichtsverpflichtung: Am Gymnasium sind es 23,5 Stunden, an der Grundschule 28 Stunden.

Gibt es schon Bundesländer, die Lehrer gleich besolden?

Ja, in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin wurde damit angefangen, auch in einigen östlichen Bundesländern. Unsere Forderung an die Politik ist, dass alle Lehrer, die zum 1. August 2018 in Niedersachsen anfangen, in dieser Besoldungsgruppe A13 starten.

Müsste man bei der Lehrerausbildung auch etwas ändern?

Das Haupt- und Realschullehramt wird nicht mehr angewählt, es scheint nicht mehr attraktiv zu sein. Wir brauchen eine neue Einteilung: Einerseits Lehramt für Grundschulen, andererseits Lehramt für Sekundarstufe eins und zwei, also Klasse 5 bis 13.

Zur Person

 Laura Pooth (39) ist stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Niedersachsen. Die Haupt- und Realschullehrerin soll Ende September den langjährigen Vorsitzenden Eberhard Brandt ablösen.

Wie fällt ihre Bilanz der Amtszeit von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt aus?

Ich nehme ihr ab, dass sie angetreten ist, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Aber unser Bildungssystem ist chronisch unterfinanziert. Egal, was sie anpackt, es fehlt dann an einer anderen Stelle. Wir haben bildungspolitisch sehr viel erreicht. Das hat die rot-grüne Landesregierung umgesetzt: Stärkung der Gesamtschulen, Abschaffung von Sitzenbleiben, die Möglichkeit für Grundschulen, auf Noten zu verzichten. Das ist aus unserer Sicht positiv. Wir hätten uns aber mehr Signale gewünscht hin zur Verbesserung Bedingungen für die Beschäftigten.

Und was halten Sie von dem bildungspolitischen Programm des CDU-Spitzenkandidaten und ehemaligen Kultusministers Bernd Althusmann?

Wir haben uns sehr gewundert über das CDU-Wahlprogramm. Das hätte anders aussehen müssen, wenn ein Bildungsexperte am Werk ist. Die CDU will sogenannte Zusatzbedarfe streichen und alles, was nicht dem Unterricht zugute kommt, auf den Prüfstand stellen. Das Ergebnis wäre eine reine Paukanstalt, auch der Ganztag würde sich verschlechtern. Mit seinem Vorstoß „Moratorium in der Inklusion“ hat Bernd Althusmann zwar einen Nerv bei vielen getroffen. Aber in der Öffentlichkeit kommt nicht an, dass es keine Vorschläge gibt, wie Inklusion besser funktionieren kann.

Doris Heimann/dpa

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