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Der Norden „Die Kita-Standards passen nicht mehr“
Nachrichten Der Norden „Die Kita-Standards passen nicht mehr“
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20:18 15.11.2017
Von Gabriele Schulte

Herr Fortmeyer, bei den Koalitionsverhandlungen von SPD und CDU in Niedersachsen zeichnet sich eine Abschaffung der Kita-Gebühren für Eltern ab. Sie haben signalisiert, dass Sie nicht unbedingt erfreut darüber sind. Warum?

Gegen den Grundsatz „Bildung soll kostenfrei sein“ haben wir prinzipiell nichts, der ist erst mal richtig. Aber ausgerechnet die Elternbeiträge für Kitas abzuschaffen, bringt uns in puncto Bildung für alle kein Stück voran. Für wirtschaftlich Schwache übernimmt doch schon jetzt die Jugendhilfe der Kommune den Elternbeitrag. Es gibt praktisch kein Kind, das aus finanziellen Gründen nicht in den Kindergarten geschickt wird.

Vonseiten mancher Kita-Träger und auch Eltern heißt es, das Land sollte das Geld lieber für qualitativ bessere Einrichtungen ausgeben. Was läuft in den Kindertagesstätten denn schief?

Da gibt es jede Menge Baustellen, die die Einrichtungen nicht selbst zu verantworten haben. Wir arbeiten noch immer mit einem Kita-Gesetz vom Anfang der Neunzigerjahre, das unter ganz anderen Bedingungen geschrieben wurde. Die Gruppengrößen, die Raumgrößen, die Berechnung der Arbeitszeiten für die Erzieher, all das passt nicht mehr in die heutige Zeit.

Warum denn nicht? Es ging doch damals wie heute darum, Kinder in den Jahren vor der Schule gut zu betreuen?

Die Betreuung stand damals im Vordergrund. Das ist heute nicht mehr zeitgemäß. Wir sind mittlerweile, auch durch Vorgaben vom Land, immer mehr in die Aufgabe hineingewachsen, Bildungseinrichtung zu sein. Einstimmende Besuche der Kinder in der Grundschule gehören heute genauso zum Standard wie Gespräche von Erzieherinnen mit zukünftigen Lehrern. Es geht überhaupt nicht darum, die Kinder schon auf schulische Inhalte vorzubereiten. Vielmehr muss vor dem Schulbesuch das Sozialverhalten eingeübt werden: Gruppenfähigkeit, miteinander sprechen, Konflikte lösen.

Muss das nicht Elternaufgabe sein?

Wir haben ganz andere Familien, ganz andere Kinder als vor 25 Jahren. Auf der Straße, die ich hier in Cuxhaven von meinem Büro aus sehe, konnte damals noch draußen gespielt werden. Die Welt hat sich verändert. Viele Mädchen und Jungen wachsen ohne Geschwister auf, Eltern sind berufstätig. Nicht nur in den sozialen Brennpunkten, und auch außerhalb der in den letzten Jahren hinzugekommenen Flüchtlingsfamilien, haben wir immer mehr Kinder, die wenig reden, geradezu sprachlos sind. Etliche Kinder sind aggressiv, wieder andere hyperaktiv. Wir als Paritätischer Wohlfahrtsverband wünschen uns die Inklusion ja auch im Kindergarten. Alle sollen unabhängig von ihren Problemen eine Einrichtung in der Nähe ihrer Wohnung besuchen können. Aber das erfordert dort mehr Personal und auf jeden Fall auch mehr Platz.

Mehr Personal leuchtet ein. Aber wieso denn mehr Platz?

Für eine Gruppe von 25 Kindern sind im Kita-Gesetz 50 Quadratmeter vorgesehen, das sind für jedes Kind gerade mal zwei Quadratmeter. Unter den heutigen Bedingungen ist das für die Kinder wie für die Erzieher unheimlich stressig. Es herrscht in dem Gedränge trotz Dämmung und anderer baulicher Maßnahmen ein enormer Lärmpegel. Wir bräuchten pro Kind mindestens doppelt so viel Platz. Das würde auch den Erzieherberuf wieder attraktiver machen.

Zurzeit ist es schwer, Personal für die Kitas zu finden.

Das liegt auch an den Bedingungen, die ich gerade beschrieben habe. Außerdem hat eine Erzieherin pro Woche und Gruppe offiziell nur 3,75 Stunden Zeit für Vor- und Nachbereitung, Elterngespräche und alles andere, was rund um die Betreuungszeiten zu regeln ist. Weil das hinten und vorne nicht reicht, stecken viele da Freizeit rein.

Wird denn die Abschaffung der Elternbeiträge auch Gutes bringen?

Wenn das Land den Kommunen die Beiträge nicht kostendeckend erstattet, könnte das sogar eine Qualitätsspirale nach unten in Gang setzen.

Interview: Gabriele Schulte

Zur Person

Klaus-Dieter Fortmeyer ist Fachberater „Tageseinrichtungen für Kinder“ beim Paritätischen Wohlfahrtsverband. Dessen Mitgliedsorganisationen betreiben aktuell 308 Kitas in Niedersachsen.

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