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Der Norden In England verlorene Kamera in Nordfriesland angespült
Nachrichten Der Norden In England verlorene Kamera in Nordfriesland angespült
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00:15 11.01.2018
William Etherton (10 Jahre) aus England und Roland Spreer, mit der kleinen Action-Kamera des Jungen.  Quelle: dpa
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Süderoog

Das Watt glitzert in der Wintersonne silbrig: Langsam stapft William Etherton über den trocken gefallenen Meeresgrund. Ziel des Zehnjährigen ist die Hallig Süderoog. Auf der kleinsten ständig bewohnten Hallig im Nordfriesischen Wattenmeer will er am Wochenende seine Video-Kamera zurück bekommen. Vier Monate zuvor hatte das Meer die wasserdichte Kamera des Jungen vor der Ostküste Englands - in der Thornwick Bay in East Yorkshire - verschlungen.

      Die Action-Cam hatte damals ihren eigenen Untergang gefilmt. Ihre mehr als 800 Kilometer lange Odyssee durchs Meer endete nach zwei Monaten in Deutschland. Dort wartet am Samstag auf der Hallig Süderoog Roland Spreer. Der 67-Jährige hatte die Kamera bei einem Strandspaziergang entdeckt. „Das Ding ist von England nach Süderoog geschwommen“, sagt Roland Spreer: „Kenn you this?“, fragt er mit breitem Lächeln und in bestem hamburger Missingsch. „Yeah, it's my action-camera“, lächelt William zurück. „Thank you.“

William Etherton (10 Jahre) aus England betrachtet die Fotos auf seiner kleinen Action-Kamera. Quelle: dpa

      Es war ein weiter Weg zu diesem Happy-End. Auf der Kamera ist ein elf Minuten langes Filmchen gespeichert, das verwackelte Aufnahmen vom Strandurlaub eines kleinen Jungen zwei Monate zuvor zeigt. Der interessiert sich irgendwann mehr für seinen Wassereimer als für die Kamera. Die Action-Cam zeichnet vom Boden aus noch einige Minuten das Strandleben auf, wie auf dem Video zu sehen ist. Dann kommt die Flut und reißt die Kamera ins Wasser. Minutenlang wirbelt der Zuschauer mit ihr durch die Unterwasserwelt.

Schnackendes Strandgut

Das gab es mit ziemlicher Sicherheit noch nie :-) Auf Süderoog ist ganz besonderes Strandgut angekommen. Eine Kamera, welche genau berichtet, wie es dazu kam, dass sie am 01.09.17 (vermutlich an der Küste Großbritanniens) in der Nordsee gelandet ist, um ca. zwei Monate später hier auf der Hallig Süderoog anzukommen. Da sie in ein wasserdichtes Gehäuse verpackt war, ist sie immer noch funktionstüchtig und so konnten wir uns die aufgenommenen Filme von der Speicherkarte anschauen. Wie sich herausstellte, gehört die kleine schwarze Kamera wohl einem ca. 10 bis 12- jährigen, englischen Jungen, der sich und seine Familie gerne mal filmte. Dabei spionierte er ab und an sein Schwesterchen aus, nahm die Eltern beim Herumlungern auf der Couch auf oder auch die Großeltern beim Besuch. Eigene Aktivitäten, wie Tretrollerfahren in einer Indoorhalle oder Rumtoberei mit der Schwester auf dem Trampolin im Garten mussten natürlich auch festgehalten werden. Die Videos des Strandbesuchs, welche ihr hier in gekürzter Fassung zu sehen bekommt, sollten vorerst die letzten sein, die er mit seiner Kamera aufgenommen hat. Beim Spielen stellte er sie auf einem Stein ab, beschäftigte sich dann weiter mit Eimer und Schwester, vergaß wohl die noch laufende Kamera und entfernte sich immer weiter. Langsam kam allerdings die Flut und eine kleine Welle schubste sie dann ins Meer. All das und noch einiges mehr ist somit gut dokumentiert. ;-) Gefunden hat die Kamera übrigns bereits am 02.11.17 mein Vater, der das Strandgutsammeln noch sehr gut aus seiner Kindheit kennt. Geboren (1950) und aufgewachsen ist er nämlich bei Dranske auf Rügen. Damals, meint er, konnte man die meisten Dinge, die das Meer brachte (hauptsächlich Holz, wie Balken und Bretter, aber auch mal Apfelsinen usw.) noch gebrauchen. Zu dieser Zeit war Strandgut noch gut. Heute ist es fast ausschließlich Müll. :-( Dieser Fund hier, so meint auch er, ist schon etwas ganz besonderes. Man fragt sich so oft: „Wo kommt das bloß wieder her?“ oder „Wie ist das wohl im Meer gelandet?“ Endlich „schnackt“ ein Stück Müll mal mit uns. Die Uni Oldenburg macht ähnliche Experimente (nur nicht so ganz unfreiwillig wie diese Kamera) mit Driftern. Diese Holzklötze, welche auch schon zahlreich bei uns angekommen sind, werden mit einer Nummer und einem Hinweis versehen und in Massen an verschiedenen Orten ins Meer geworfen. Wer einen, z.B. beim Strandspaziergang, findet, kann dann die Nummer, Fundort und Zeit auf der Internetseite www.macroplastics.de eingeben. Durch die somit gewonnenen Daten versucht man sich ein Bild zu machen, wie sich der Müll in den Meeren verteilt und welche Zeit er für welchen Weg benötigt. Vielleicht ist der Weg dieser Kamera ja auch interessant für die Uni. ;-) Schön zu wissen wäre jetzt aber natürlich auch, ob jemand diesen im Video zu sehenden Jungen oder markant wirkenden Küstenabschnitt wiedererkennt. Für Eure Hinweise und Hilfe der Verbreitung sind wir sehr dankbar! Und wer weiß . . . , vielleicht bekommt der kleine Junge am Ende ja sogar seine Kamera wieder!? ;-) Grüße von der Hallig Süderoog Fenja, Nele und Holger :-)

Gepostet von Hallig Süderoog am Mittwoch, 22. November 2017

      Um den Jungen zu finden, stellen die beiden Hallig-Bewohner Nele Wree und Holger Spreer aus Süderoog das Video ins Internet. Es entwickelt sich zum viralen Hit, über den Medien berichteten. Dadurch erfahren es auch die Ethertons. Gemeinsam mit seinen Eltern Mark und Helen sowie seiner Schwester Poppy reist William jetzt nach Deutschland. Die letzten sechs Kilometer geht es zu Fuß und begleitet von einem Pulk neugieriger Reporter durchs Watt.

Familie Etherton aus England mit Vater Mark (l), Mutter Hellen (r) und den Kindern Poppy und William (2 v r). Quelle: dpa

      „It's very nice“, beantwortet William geduldig und im Laufe des Tages immer routinierter die Fragen der Reporter-Teams: Es seit toll, die Kamera wieder in den Händen zu halten, erzählt er dem einen Journalisten, ohne sich daran zu stören, dass gleichzeitig ein Kameramann ihm von der Seite den puscheligen Windschutz eines Mikrofons ins Gesicht stößt.

      Als William sich nach mehreren Interviews etwas unbeobachteter fühlt, überzieht ein glückliches Lächeln sein Gesicht. „Wow“, flüstert er, betastet seinen verlorene Besitz, dreht ihn von einer Seite zur anderen, und drückt immer wieder nacheinander auf die Knöpfe. Als er schließlich die Kamera aus dem wasserdichten Gehäuse holt, schaut er sich auf dem kleinen Monitor seine vier Monate alten Videos an - die letzten Aufnahmen, bevor die Kamera in der Nordsee abtauchte.

Watt vor der Hallig Süderoog . Quelle: dpa

      Dabei ist es reines Glück, dass der Junge seine Kamera wieder in den Händen halten darf. Nachdem Roland Spreer den kleinen, völlig verdreckten Plastikwürfel am Strand aufsammelt, will er ihn zunächst wegwerfen, erzählt er. „Ich ärgerte mich, weil ich dachte, das ist Elektroschrott.“ Beim Drehen in der Hand habe jedoch ein kleines LED-Lämpchen aufgeblinkt. Deshalb gibt er „das Ding“ seinem Sohn Holger.

      Und macht William glücklich. Sogar „very happy“, wie William seinem Vater sagt.

Von Wolfgang Runge, dpa

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