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DNA-Test überführt vermeintlich minderjährigen Flüchtling

Genanalyse DNA-Test überführt vermeintlich minderjährigen Flüchtling

Ein Flüchtling gibt sich im Landkreis Hildesheim als 16-jähriger Jugendlicher aus. Den Mitarbeitern der Behörde kommen Zweifel – sie wollen es genau wissen und geben in einem Genlabor in Los Angeles einen DNA-Test in Auftrag. Mit erstaunlichem Ergebnis.

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3000 Euro für die Analyse: Falsche Angaben haben keine Auswirkungen auf das Asylverfahren.

Quelle: Symbolfoto: dpa

Hildesheim. Um das wahre Alter eines vermeintlich minderjährigen Flüchtlings zu ermitteln, hat der Landkreis Hildesheim in einem Labor in Los Angeles eine DNA-Analyse machen lassen. Die neuartige Methode zur Altersbestimmung ergab, dass der Afghane wohl mindestens zehn Jahre älter ist, als von ihm selbst behauptet. Nach Einschätzung des Sozialministeriums sind die Hildesheimer die erste Behörde, die zur Bestimmung des Alters eines Flüchtlings auf dieses Verfahren zurückgegriffen hat. Nun könnte das Beispiel Schule machen – schon aus finanziellen Gründen.

Der Afghane war im Dezember 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle nach Hildesheim gekommen und hatte angegeben, er sei 16 Jahre alt. Der Landkreis schickte ihn zunächst in eine Unterkunft für sogenannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Doch den Betreuern kamen schnell Zweifel. Denn der neue Bewohner wirkte schon rein äußerlich ziemlich erwachsen.

Nach zwei Monaten entschloss sich die Behörde zur „qualifizierten Inaugenscheinnahme“. Das ist sozusagen die erste Stufe der Altersbestimmung, zwei Jugendamts-Mitarbeiter sprechen dabei mit dem Betroffenen und achten dabei besonders auf Stimmlage, Hals- und Stirnfalten, Körperbau und Gesichtszüge.

Das Jugendamt schätzte den Afghanen auf 20 bis 25 Jahre, schickte ihn in eine andere Unterkunft und strich die Betreuung, die es jugendlichen Flüchtlingen angedeihen lässt. Der Afghane beharrte jedoch auf seinen Angaben – und erklärte sich nach Angaben des Landkreises schließlich einverstanden, sich eine Blutprobe für eine DNA-Analyse abnehmen zu lassen. Landkreis-Mitarbeiter hatten bei einer Arbeitstagung von der Analysemethode des deutsch-amerikanischen Humangenetikers und Biostatistikers Steve Horvath an der University of California in Los Angeles gehört. 

Horvath untersucht chemische Veränderungen an Genbausteinen und kann damit das Alter eines Menschen deutlich genauer bestimmen, als dies mit Röntgen oder Computertomografie möglich ist. Das sind die Mittel, mit denen deutsche Jugendämter bislang versuchen, das Alter von Flüchtlingen klären zu lassen. Von November 2015 bis Januar 2017 griffen laut Landesregierung 42 der 55 niedersächsischen Jugendämter – die anderen 13 antworteten auf eine Umfrage nicht – 157-mal zu diesem Instrument. Ergebnis in 90 Fällen: Die vermeintlich minderjährigen Flüchtlinge waren aller Wahrscheinlichkeit schon älter als 18 Jahre.

Doch der Landkreis Hildesheim wollte es genauer wissen – und steckte 3000 Euro in die Analyse in Kalifornien. Nach gut fünf Monaten kam das Ergebnis aus Los Angeles: Mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit sei der Afghane zwischen 26,4 und 29 Jahre alt, stellte Horvaths Institut fest. Dass er zumindest älter se als behauptet, sei sogar zu 99,999  Prozent sicher.

Da minderjährige Flüchtlinge den Staat im Bundesdurchschnitt rund 5000 Euro im Monat kosten, volljährige aber nur gut 1000, können sich die Ausgaben für den DNA-Test schnell rentieren. Negative Folgen für das Asylverfahren müssen falsche Altersangaben laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht haben: „Das Asylverfahren ist immer eine Einzelfallprüfung.“ Allerdings genieße ein erwiesenermaßen Volljähriger weniger Schutz und Garantien als ein Jugendlicher.

Von Tarek Abu Ajamieh

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