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Der Norden Hier gibt es die meisten Hanomag-Ersatzteile
Nachrichten Der Norden Hier gibt es die meisten Hanomag-Ersatzteile
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00:34 19.03.2018
Er weiß, wo jedes Teil liegt: Hans-Heinrich Munk inmitten einer Auswahl seiner Ersatzteile (Bild oben und rechts unten). Er hat auch immer noch die alten Hanomag-Kataloge im Regal stehen (rechts oben). Bild Mitte: Der Motor des R 40, den Munk restaurtiert hat. Quelle: Villegas
Wiedensahl

 Es riecht dezent nach Öl und Metall und Zigarillos. Alles ist picobello aufgeräumt. Die Fahrzeuge, die hier stehen, sind teilweise mit Tüchern zugehängt, und wenn man den Stoff vorsichtig anhebt, hält man die Luft an: ein Hanomag R 25 D, 2800 Kubik, Fahrgestellnummer 821292. Knallrot und nagelneu. Ein Deutz-Schlepper, 50  PS, wassergekühlt, Fahrgestellnummer 26780. Burgunderrot und nagelneu.

H wie Hans-Heinrich

Jedenfalls sehen sie so aus. Hans-Heinrich Munk tritt hinzu, nimmt das Zigarillo aus dem Mund, lächelt sein Lächeln, das aus viel Wärme und ein paar Gramm Ironie besteht, und deutet auf die Typenschilder. Der Hanomag: Baujahr 1950. Der Deutz: von 1938. „Der Deutz war ein Haufen Schrott, als ich ihn gekauft habe. Jetzt ist er um die 55 000 wert.“ Und von dem Hanomag erzählt Munk, er habe nie einen Acker gesehen, sondern sei als Werksschlepper bei der Hanomag in Hannover-Linden im Einsatz gewesen. 1984 hat sich Munk dieses Exemplar gekauft. „370 Mark. Mit TÜV.“

Wiedensahl im Schaumburger Land. Hier gibt es nicht nur Wilhelm-Busch-Reliquien, hier gibt es auch den größten Hanomag-Teile-Händler Deutschlands: Hans-Heinrich Munk. Er verkauft, er sammelt, er repariert, er restauriert. Er ist stilecht gekleidet für einen Mann, der den Großteil seiner Zeit in einer mäßig beheizbaren Werkstatt zubringt: T-Shirt, darüber Holzfällerhemd, darüber Troyer, darüber Latzhose, darüber Cordweste. Weste und Hose natürlich mit dem geflügelten H, dem Zeichen der Hannoverschen Maschinenbau AG, kurz: Hanomag. Es könnte aber genauso gut auch für Hans-Heinrich stehen. 

Vor 50 Jahren ist das alles losgegangen. Damals hatte Opa Munk in Mardorf am Steinhuder Meer einen kleinen Hof, und wenn er sich morgens auf den Traktor setzte, einen Normag Kornett II, durfte der acht Jahre alte Hans-Heinrich mit. Und wenn Opa Munk sich nach ein paar Metern die Handelsgold anzündete, durfte der kleine Hans-Heinrich das Steuer übernehmen. „Das war meine frühkindliche Schädigung“, sagt Munk, und der Ironieanteil in seinem Lächeln nähert sich der Kilogrammgrenze. 

Eigentlich wollte er dann Büchsenmacher werden, also Schusswaffen bauen. Aber jeder Psychologe weiß, dass frühkindliche Schädigungen mächtiger sind als pubertäre Flausen, also lernte Munk Landmaschinenschlosser. Ruck, zuck standen die ersten zu restaurierenden Zugmaschinen im elterlichen Vorgarten. Lanz Bulldog und so. 

Neun Tonnen aus Sydney

Munk arbeitete erst noch nebenher woanders, Raiffeisen, Tiefbau, Bundeswehr. 1986 zog er mit Familie und Traktoren in ein 600 Jahre altes Fachwerkhaus in Wiedensahl, 1989 machte er sich selbstständig, und im Jahr 2000 lagerte er seinen Betrieb in die Gebäude einer ehemaligen Spedition in der Nachbarschaft aus. „Die hatten zwei Hanomag-Lastzüge“, erzählt Munk. Wahrscheinlich spielte das auch eine Rolle bei der Kaufentscheidung.

Und all die Jahre baute er seine Ersatzteilesammlung weiter aus. Schalthebelmanschetten und Auspufftöpfe und Achsschenkelbolzen. In den Neunzigern bot ihm jemand die Restbestände des Hanomag-Zentrallagers in Sydney an, Munk kaufte fast blind, für 14000 Mark. Neun Tonnen Material. Ungefähr 100 Kilo sind noch übrig. Insgesamt lagern in seiner Firma heute rund 100 Tonnen Ersatzteile. Wie lange will er das noch machen? Die Antwort kommt etwas überraschend: „Nicht mehr lange.“

Munk erzählt, dass sich die Kundschaft verändert hat in den letzten Jahren, dass die Leute das Wörtchen Danke nicht mehr kennen, dass sie alles immer sofort und immer noch billiger haben wollen. Und dass das, was er mal gelernt hat – Qualität hat ihren Preis, Geduld ist besser als Schnelligkeit – keinen mehr interessiert. Dann rufen ihn aber Leute, die schlechte Ware in Taiwan gekauft haben, an und fragen, wie sie sie einbauen sollen. „Es macht keinen Spaß mehr“, sagt er. 

Er hat seinen Laden schon inseriert, 400 000 Euro will er dafür haben, vier Interessenten waren da, sind aber wieder gegangen. Na ja, ein bisschen will er ja auch eigentlich noch weitermachen. „So drei Jahre noch.“ Er lächelt, und es steckt nur Wärme drin, keine Ironie. Und jetzt muss er erst mal ans Telefon, ein Kunde ruft an. Stehender Spruch in der Szene: „Hans? Kannste mal helfen?“

Marktführer für Radschlepper

Die Hanomag wurde 1871 gegründet und zählte zu den großen hannoverschen Firmen, musste aber 1984 Konkurs anmelden. Das Unternehmen baute Dampfmaschinen und Lokomotiven und Baumaschinen, Autos und Lastwagen und Traktoren. Es war zeitweise Marktführer bei Traktoren, die oft unter einer Typenbezeichnung mit einem R für Radschlepper ausgeliefert wurden. Bis Anfang der Siebzigerjahre wurden mehr als 250 000 Zugmaschinen produziert.  

Von Bert Strebe

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