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Der Norden Häftling missbraucht Frau bei Ausgang und bringt sich um
Nachrichten Der Norden Häftling missbraucht Frau bei Ausgang und bringt sich um
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18:13 17.10.2017
Von Gabriele Schulte
Die Justizvollzugsanstalt in Lingen. Quelle: dpa (Archiv)
Delmenhorst

Ein Sexualstraftäter hat bei einem begleiteten Ausgang eine Mitarbeiterin der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lingen missbraucht, die ihn bei der Vollzugslockerung unterstützen sollte. Wie die Polizei Delmenhorst am Dienstag mitteilte, tötete sich der 27-Jährige anschließend selbst. Eine Obduktion habe „Versterben durch Erhängen ohne Fremdverschulden“ ergeben, sagte ein Polizeisprecher. Der Missbrauch habe am Montag in einem Gebäude in einem Ortsteil von Delmenhorst stattgefunden.

Nach Angaben des Justizministeriums sollte die JVA-Mitarbeiterin den Häftling am Montagmorgen von Lingen aus bei einer Ausfahrt in sein familiäres Umfeld begleiten. Gegen 10 Uhr brachte der 27-Jährige die Frau in seine Gewalt. Um das Opfer zu schützen, werden Details nicht genannt.

Der Gefangene mit deutscher Staatsangehörigkeit war wegen sexueller Nötigung in Spanien zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden und war seit 2014 in Deutschland in Haft. Strafende wäre im August 2018 gewesen. Im Mai 2015 wurde der junge Mann in das Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter in der JVA Lingen aufgenommen. Dort absolvierte er bis Februar 2017 die erforderlichen Behandlungseinheiten.

„Der Gefangene war erstmals in Haft und nicht vorbestraft“, erläuterte Ehsan Kangarani, Sprecher von Landesjustizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne). Die JVA habe sich auf Basis eines Gutachtens des niedersächsischen Justizprognosezentrums für die Lockerung entschieden. Der Vorgang werde untersucht. „Bislang sind Regelverstöße oder fachliche Fehler nicht zu erkennen“, sagte Kangarani. „Der Gefangene hatte fünfzig begleitete Ausgänge beanstandungsfrei absolviert.“ Man habe daher keinen Anlass gesehen, ihm nur männliche JVA-Bedienstete zur Seite zu stellen.

Die missbrauchte Mitarbeiterin erhalte die bestmögliche medizinische und psychologische Betreuung, sie sei inzwischen nicht mehr im Krankenhaus. Ein Kriseninterventionsteam unterstütze auch die Kolleginnen und Kollegen in der JVA Lingen.
Bereits im Mai 2014 hatte ein Sicherungsverwahrter aus der JVA Lingen bei einem Freigang ein 13-jähriges Mädchen in der Wohnung eines Bekannten vergewaltigt. Das Landgericht verurteilte den 52-Jährigen im Jahr darauf zu vier Jahren neun Monaten Haft und ordnete eine weitere Sicherungsverwahrung an.

Begleiteter Ausgang soll auf Freiheit vorbereiten

Für Strafgefangene sind begleitete Ausgänge in der Regel die erste spürbar „gelockerte“ Vollzugsöffnung zur Vorbereitung auf die Freiheit. Lockerungen dürfen nur angeordnet werden, wenn nicht zu befürchten ist, dass Häftlinge sie zu Flucht oder Straftaten nutzen.

 Geregelt sind die Ausgänge bundesweit im Strafvollzugsgesetz. Im Gegensatz zu Ausführungen, bei der die Begleitung durch Vollzugsbedienstete Flucht oder Straftaten vermeiden soll, dient die Begleitung bei Ausgängen vor allem der Unterstützung der Gefangenen. Zudem können Beobachtungen der Begleiter für die Vollzugsgestaltung bedeutsam sein.
Gutachten vor Vollzugslockerungen für Sexualstraftäter erstellt seit Anfang 2008 landesweit das in Hannover angesiedelte Prognosezentrum der Niedersächsichen Justiz spezielle Gutachten.

 

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