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Der Norden Das Atomlager ist Geschichte – zumindest vorerst
Nachrichten Der Norden Das Atomlager ist Geschichte – zumindest vorerst
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21:24 15.04.2019
Der Anfang ist gemacht: Mit einem Bagger wird symbolisch ein Tor auf dem Gelände des ehemaligen Erkundungsbergwerkes entfernt. Quelle: Philipp Schulze/dpa
Gorleben

Um Gorleben als möglichen Standort eines Endlagers für hoch radioaktiven Atommüll wurde jahrzehntelang gestritten – jetzt hat die letzte Phase des Rückbaus begonnen. Am Montag wurde die Schutzmauer rund um das Gelände geöffnet. Gorleben im Landkreis Lüchow-Dannenberg soll als möglicher Standort für ein Endlager nun offiziell genauso behandelt werden wie jeder andere infrage kommende Ort.

2,1 Kilometer lange Mauer in Gorleben

Die insgesamt 2,1 Kilometer lange Mauer inmitten der lichten Kiefernwälder Lüchow-Dannenbergs soll in den kommenden Wochen fast vollständig abgerissen werden. Die einzelnen Gebäude auf dem Gelände werden dann nur noch mit grünen Drahtzäunen geschützt. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) übergab ein Teilstück der Mauer an den Landkreis und die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg (BI), die seit Jahrzehnten gegen ein Endlager in Gorleben kämpft.

Anschließend konnten Besucher bei einer symbolischen Abschlussfahrt unter Tage sehen, wie der sogenannte Offenhaltungsbetrieb in dem Salzstock aussieht. Von ursprünglich neun geplanten Erkundungsbereichen ist einer fast fertiggestellt worden. „Dieser wurde in den vergangenen Jahren in einen Dornröschenschlaf versetzt. Das übrige Bergwerk wird offen gehalten“, sagte Monika Hotopp, Sprecherin der BGE. So haben Mitarbeiter unter anderem Tiefbohrmaschinen aus dem Bergwerk geholt – der Erkundungsbereich wird jetzt von einem roten Stahltor abgesperrt. Für den Offenhaltungsbetrieb rechnet die BGE mit Kosten von jährlich 12 bis 15 Millionen Euro. Die Arbeiten sollen dafür sorgen, dass das eigentliche Bergwerk nicht verfällt.

Die Landkarte ist wieder weiß

„Die niedersächsische Landesregierung wird sich im weiteren Prozess uneingeschränkt dafür einsetzen, dass eine faire und ergebnisoffene Suche ohne Vorfestlegungen fortgeführt wird“, kündigte der niedersächsische Umweltstaatssekretär Frank Doods am Montag in Gorleben an. Seit dem Standortauswahlgesetz sei die Landkarte in Deutschland wieder weiß, betonte er. Kein Ort sei als Endlager ausgeschlossen, betonte Staatssekretär Jochen Flasbarth vom Bundesumweltministerium – auch nicht Gorleben.

Deutschlands hoch radioaktiver Atommüll soll unterirdisch endgelagert werden. Bis 2031 will der Bund dafür einen geeigneten Ort finden – maximale Sicherheit für eine Million Jahre lautet das Ziel. Auf Basis festgeschriebener Kriterien suchen Experten entsprechende Regionen aus. Erste Ergebnisse sind für 2020 angekündigt. Die Entscheidung über einen Endlagerstandort treffen am Ende Bundestag und Bundesrat.

Die BI bleibt allerdings skeptisch. „Wir sind immer noch besorgt, dass Gorleben bei der Endlagersuche die Nase vorn hat, weil das Bergwerk fertig ausgebaut ist und in einen Stand-by-Betrieb übergeht“, sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Bis heute sind nach Angaben der BGE für das Projekt Gorleben Kosten in Höhe von rund 1,9 Milliarden Euro angefallen. Einst gab es im Bergwerk mehr als 200 Arbeitsplätze, jetzt sind es noch knapp 20. „Bergleute gibt es hier nicht mehr“, sagte Werksleiter Frank-Holger Koch bei der Fahrt in rund 840 Meter Tiefe.

Experten sind uneins über das Atomlager

Während einige Geologen Salzstöcke prinzipiell für geeignet halten, haben andere Experten erhebliche Bedenken. Salz hat den Vorteil großer Hitzebeständigkeit. Außerdem fließt es und soll so die Behälter einschließen. Dadurch ist allerdings eine spätere mögliche Rückholung weitgehend ausgeschlossen. Gegner des Standorts Gorleben führen auch örtliche Kohlenwasserstoff- und Gasvorkommen und somit eine Explosionsgefahr ins Feld.

„Der Abriss der Mauer in Gorleben ist ein ganz wichtiges Signal“, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) in Hannover. „Die Entscheidung für Gorleben war falsch, der Weg dahin hätte so nie stattfinden dürfen.“ Er werde sehr darauf drängen, sich nicht auf Salz und Ton zu beschränken, sondern die Suche nach Kristallingestein als Grundlage bei der Standortwahl ernst zu nehmen. Im Mai will er mit einer Delegation nach Finnland. Tief im Granit entsteht dort ein Endlager für hoch radioaktiven Atommüll – das erste weltweit.

Der Kommentar: Es ist noch nicht vorbei

Langer Kampf ums Endlager

Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) hatte im Jahr 1977 den Salzstock als Endlager vorgeschlagen. Gorleben sollte zum Standort für ein nukleares Entsorgungszentrum werden. Viele Lokalpolitiker waren für das Projekt unweit der damaligen innerdeutschen Grenze, es versprach Jobs und hohe Steuereinnahmen.

Doch die Pläne stießen schnell auf erbitterten Widerstand. Angesichts massenhafter Proteste erklärte Albrecht schon 1979, eine Wiederaufarbeitungsanlage in Gorleben sei politisch nicht durchsetzbar. Das Endlagerprojekt blieb aber auf dem Tisch. Auch danach war der Salzstock jahrzehntelang die bundesweit einzige Option zur dauerhaften Lagerung von hoch radioaktivem Atommüll.

Erst 2011 kam die Wende. Der Bundestag beschloss den Ausstieg aus der Atomenergie. 2013 verabschiedete er das Standortauswahlgesetz, die Suche nach einem Endlager wurde wieder auf Null gesetzt. 2017 startete die damals neu gegründete BGE das Standortauswahlverfahren neu.

Von Peer Körner

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