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Der Norden Göhrde-Morde nach 28 Jahren offenbar aufgeklärt
Nachrichten Der Norden Göhrde-Morde nach 28 Jahren offenbar aufgeklärt
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00:17 30.12.2017
Die beiden Paare waren brutal umgebracht worden. Quelle: dpa/Archiv/Montage
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Lüneburg

Die mysteriösen Doppelmorde an zwei Paaren in der Göhrde bei Lüneburg sind nach 28 Jahren offenbar aufgeklärt. Mit DNA-Analysen habe die Polizei ihren Verdacht belegen können, dass ein längst gestorbener Friedhofsgärtner die Morde begangen hat, berichtet die „Landeszeitung“ in Lüneburg. Vor wenigen Monaten wurde die Leiche einer ebenfalls 1989 verschwundenen Frau entdeckt, für deren Tod die Polizei den damals 40 Jahren alten Gärtner ebenfalls verantwortlich hält.

Im Sommer 1989 hatte ein Unbekannter vier Menschen in der weitläufigen Göhrde bei Lüneburg umgebracht. Höchst brutal, wie die Obduktion ergab. Ein Ehepaar aus Hamburg war am 21. Mai zum Picknick in das Gebiet gefahren, ebenfalls mit dem Auto kamen am 21. Juli eine Frau aus Uelzen und ihr Begleiter aus Hannover. Bei ihrer Entdeckung waren die Leichen nackt, sexuelle Motive konnten nicht ausgeschlossen werden. Bis zu 50 Beamte waren im Einsatz, fast 2000 Spuren wurden abgearbeitet, rund 5000 Menschen befragt.

Über das Motiv konnte nur spekuliert werden und vom Täter fehlte jede Spur. Gleichzeitig verschwand in Brietlingen-Moorburg eine Unternehmergattin Birgit Meier. Niemand sah damals einen Zusammenhang zwischen den Morden und der verschwundenen Ehefrau. Die Ermittlungen der Polizei versandeten. Fast drei Jahrzehnte später gehen Polizei und Staatsanwaltschaft nun davon aus, den doch noch Täter ermittelt zu haben: Kurt-Werner W. aus Lüneburg.

W. erhängte sich 1993 in einer Zelle

In Gang gebracht hatte die Ermittlung Wolfgang Sielaff. Der Bruder der vermissten Birgit Meier war Chef des Landeskriminalamtes in Hamburg und hat den Fall seiner Schwester als Pensionär mit einer hochkarätigen privaten Ermittlergruppe wieder aufgerollt. Er hatte Ende September die sterblichen Überreste seiner Schwester gefunden – unter der Garage Kurt-Werner W.s. Seine Erkenntnisse brachten weiteren Schwung in die Arbeit der Polizei.

DNA-Spuren und neueste Analyse-Verfahren haben eine extra eingesetzte vierköpfige Ermittlungsgruppe auf die Spur des Lüneburgers W. gebracht. Das bestätigen Staatsanwaltschaft und Polizei nach einer Anfrage der LZ in einer gemeinsamen Erklärung. Doch die Taten bleiben trotzdem ungesühnt. Denn W. ist tot. Er saß wegen einer anderen Tat in Süddeutschland im Gefängnis und hatte sich 1993 in seiner Zelle erhängt.

Hinweise auf weitere Taten

Auch wenn der juristische Grundsatz gilt, dass man gegen Tote nicht ermitteln kann, dürfte möglicherweise noch jemand zur Verantwortung gezogen werden: W. soll einen Mittäter aus seinem engen Umfeld gehabt haben. Und es gibt Hinweise auf weitere Taten in der Region, aber auch weit darüber hinaus – dann wäre W. ein Serienmörder.

Chronologie: Gewissheit nach 28 Jahren

Nach mehr als 28 Jahren ​sind die Göhrde-Morde, eines der mysteriösesten Verbrechen in Norddeutschland, aufgeklärt. Der Täter ist längst nicht mehr am Leben. Eine Chronologie:

21. Mai 1989: Die 45 Jahre alte Ursula Reinold und ihr sechs Jahre älterer Mann Peter, der in Hamburg-Bergedorf als Kontrolleur für Molkereimaschinen arbeitet, fahren mit dem Auto zum Picknick in die Göhrde, danach fehlt von ihnen jede Spur.

12. Juli 1989: Beerensammler entdecken die fast unbekleideten Leichen der beiden unter Zweigen verborgen und bereits teilweise skelettiert. Die Todesursache lässt sich nicht mehr sicher feststellen.

27. Juli 1989: Erneut wird ein ermordetes Paar in der Göhrde gefunden. Es handelt sich um einen 43 Jahre alten Handelsvertreter aus Hannover und seine 46 Jahre alte Bekannte aus Bad Bevensen. Beide starben bei einem Ausflug am 21. Juli. Die Frau wurde erschlagen, ihr Begleiter stranguliert und mit einem Kopfschuss getötet. Ihre Leichen werden nur rund 800 Meter vom Fundort der ersten Toten entdeckt.

4. Oktober 1989: Trotz einer Belohnung von 50.000 Mark gibt es noch keinen entscheidenden Hinweis auf den Mörder der Paare. Über 1300 Spuren und Hinweise aus der Bevölkerung bringen keinen Durchbruch.

Sommer 1991: Die Polizei prüft Zusammenhänge mit der Ermordung eines britischen Ehepaars in Südwales. Auch dort befindet sich der Tatort in der Nähe eines Truppenübungsplatzes – und in der Göhrde üben Nato-Soldaten. Zu einem Durchbruch führen die Ermittlungen nicht.

14. Juli 2009: 20 Jahre nach den Verbrechen plant die Polizei, die letzten verbliebenen Spuren auszuwerten, dazu gehören zwei Haare aus einem Fluchtauto, die den Opfern nicht zugeordnet werden können. Viel hängt von der Qualität der Untersuchung ab.

27.05.2016: Ein 1993 gestorbener Friedhofsgärtner wird nicht nur mit dem spurlosen Verschwinden einer 41 Jahre alten Frau 1989 in Zusammenhang gebracht. Auch ein Zusammenhang mit den Göhrde-Morden wird geprüft.

Herbst 2016: Eine DNA-Spur bringt Gewissheit. Spuren auf einer damals im Haus des Gärtners sichergestellten Handfessel führen zur Lösung des Falls der vermissten Frau. Die DNA stimmt mit höchster Wahrscheinlichkeit überein.

September 2017: Der Bruder der Toten und ehemalige Leiter des Landeskriminalamts Hamburg untersucht das damalige Haus des Gärtners und entdeckt dort die Knochenreste seiner Schwester.

Dezember 2017: Die DNA-Untersuchung der Haare mit modernsten Methoden bringt Gewissheit: Der Gärtner ist auch für die Göhrde-Morde verantwortlich.

Von Carlo Eggeling und Michael Evers

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