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Der Norden Sturmtief "Friederike" richtet enorme Schäden an
Nachrichten Der Norden Sturmtief "Friederike" richtet enorme Schäden an
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15:26 19.01.2018
Die Feuerwehr musste zahlreiche umgestürzte Bäume zerlegen und Straßen freiräumen - hier am Groß Buchholzer Kirchweg. Quelle: dpa
  • Orkan "Friederike" zog mit Windgeschwindigkeiten von bis 160 Kilometern pro Stunde über Niedersachsen.
  • Der Bahnverkehr in Niedersachsen ist eingestellt, der Zoo in Hannover hat geschlossen, die Üstra fährt mittlerweile wieder.
  • Schulen haben den Unterricht ausfallen lassen und Kinder nach Hause geschickt

Am Tag nach Sturm "Friederike" wird aufgeräumt. Das Orkantief hat am Donnerstag auch in Hannover enorme Schäden angerichtet. Die Feuerwehr musste bis zum Nachmittag mehr als 160 Mal ausrücken. Hunderte Fahrgäste der Deutschen Bahn strandeten am Hauptbahnhof und mussten versorgt werden. Die Stadt schloss Parks und Gärten. Am Flughafen wurden mehrere Flüge gestrichen. An zahlreichen Schulen in der ganzen Region fiel der Unterricht aus.

Die mehr als 400 Helfer der Feuerwehr kümmerten sich hauptsächlich um umgestürzte Bäume – unter anderem am Bismarckbahnhof und im Lülfingweg in Mittelfeld. Dort waren die Oberleitungen der Deutschen Bahn beziehungsweise der Üstra beschädigt worden. Im Groß-Buchholzer-Kirchweg blockierte ein umgestürzter Baum die Straße. In der Wedelstraße in Vahrenwald kamen die Höhenretter zum Einsatz. Dort drohte ein Baukran auf ein Mehrfamilienhaus zu stürzen. Auch in der Hans-Böckler-Allee mussten die Höhenretter tätig werden. Von einem Sparkassengebäude drohten lose Dachteile hinab zu stürzen. In Bischofshol hatte ein umgestürzter Baum in Höhe einer Brücke über den Messeschnellweg das Gleisbett der Üstra angehoben, sodass die Feuerwehr tätig werden musste.

Zeitweilig waren alle Berufsfeuerwehren sowie sämtliche 17 Ortswehren der Freiwilligen Feuerwehr Hannover unterwegs – insgesamt 410 Einsatzkräfte. Die Bilanz bis Freitagmittag: 690 Einsätze, im Stadtgebiet von Hannover waren es 315.

Auch die Kollegen der Polizeidirektion Hannover waren im Dauereinsatz. „Bis 17.30 Uhr sind wir 275 Einsätze gefahren“, sagt Behördensprecherin Wiebke Weitemeier.

Die Beamten kümmerten sich um Bäume, die auf Radwege gestürzt waren, um Dachziegel, die heruntergefallen waren und Autos beschädigt hatten oder um Bauzäune, die aus ihren Verankerungen gerissen worden waren. „Es gab auch ein paar witterungsbedingte Unfälle, zum Glück aber ohne Verletzte“, sagte Weitemeier. Glück hatte der Fahrer eines BMW am Nachmittag: Als er gegen 15.30 Uhr mit seinem Wagen am Weidetorkreisel in Richtung Messegelände auf den Schnellweg auffahren wollte, stürzte ein Baum auf sein Auto und beschädigte es stark. Der Autofahrer blieb jedoch unversehrt. 

Am Hauptbahnhof Hannover waren bereits am Mittag zahlreiche Reisende gestrandet, weil es sowohl auf der Nord-Süd-, als auch auf der Ost-West-Achse zu erheblichen Verzögerungen gekommen war. An den Informationsschaltern bildeten sich lange Schlangen. Die Bahn schenkte heiße Getränke an die Betroffenen aus und stellte auf Gleis 12 einen sogenannten Hotelzug bereit, in dem sich die Reisenden aufwärmen konnten.

Gegen 13.40 Uhr erlosch schlagartig die große Anzeigentafel im Hauptbahnhof – die Deutsche Bahn hatte den gesamten Fernverkehr in Niedersachsen wegen der Sturmschäden eingestellt. Für die Verbindungen in Richtung Westen richtete das Unternehmen einen Busersatzverkehr ein. Eilig gecharterte Reisebusse bedienten vom Zentralen Omnibusbahnhof aus die Strecke in Richtung Dortmund, über Bielefeld und Hamm. Einen regelrechten Run gab es auf die Tickets der regulär fahrenden Überlandbusse in Richtung Berlin. Weil auch diese Zugverbindungen ausfielen, die Bahn aber keine Busse zur Verfügung stellte, mussten die Reisenden schnell sein. Die Fahrkarten waren rasch vergriffen.

Starke Einschränkungen wegen des Orkans Friederike gab es auch bei der Üstra. Wegen Oberleitungsschäden und umgestürzter Bäume kam es zum Teil zu massiven Verspätungen. Zwischen 15 und 16 Uhr stellte das Unternehmen den Betrieb mit Stadtbahnen und Bussen vollständig ein. Es dauerte anschließend bis in den Abend, bis alle Bahnen wieder nach Fahrplan fuhren.

Wegen des Sturms hatte die Stadt den Großen Garten und den Berggarten in Herrenhausen, sowie den Tiergarten, die Waldstation Eilenriede und den Stadtpark schließen lassen. „Die Einrichtungen öffnen am Freitag erst dann, wenn eventuell heruntergefallene Aste und damit alle Gefahren für die Besucher beseitigt wurden“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Auch der Zoo schickte seine Besucher am Donnerstagvormittag aus Sicherheitsgründen nach Hause. Die Tiere durften ihre Stallungen nicht verlassen. Für sie gab es eine Extraportion Futter als Entschädigung.  

Auch der Flughafen war von den Witterungsverhältnissen betroffen. „Wir mussten vier Landungen und fünf Starts streichen“, sagte ein Sprecher des Airports. Betroffen waren Verbindungen nach Amsterdam, Paris, Frankfurt und München. Zwischen 15 und 16 Uhr  musste der Flughafen wegen des Sturms zudem die Abfertigung einstellen. „Das hatte zur Folge, das Maschinen mit Verzögerungen von bis zu 20 Minuten gestartet sind“, sagt der Airportsprecher.

Am späten Nachmittag schwächte der Wind endlich ab. Um kurz vor 17 Uhr hob der Deutsche Wetterdienst deswegen seine Unwetterwarnung für die Region wieder auf. Es kann allerdings noch einige Zeit dauern, bis tatsächlich alle Schäden gemeldet und behoben sind. „Viele kommen abends erst von der Arbeit und stellen fest was passiert ist“, sagt Feuerwehrsprecher Andreas Hamann.

Der Live-Ticker zum Nachlesen

Die Begriffe

Stürmisches Wetter kann einiges durcheinanderwirbeln und Schäden anrichten. Einige Begriffe: 

Windstärken werden nach der von dem britischen Admiral Francis Beaufort (1774-1857) entwickelten Skala berechnet. Sie reicht von 0 Beaufort (Windstille) bis zur Stärke 12 (Orkan).

Böen sind kräftige Windstöße, die den Zehn-Minuten-Mittelwert der gemessenen Windgeschwindigkeit für bis zu 20 Sekunden übersteigen.

Stürmischer Wind (Stärke 8) erreicht eine mittlere Geschwindigkeit von 62 bis 74 Kilometern pro Stunde - gemessen in zehn Metern Höhe über freiem Gelände.

Bei Sturm fegt der Wind mit einer mittleren Geschwindigkeit von 75 bis 88 Stundenkilometer über freies Gelände (Stärke 9). Bei Wind mit Tempo 89 bis 102 (Stärke 10) spricht man von einem schwerem bei 103 bis 117 (Stärke 11) von einem orkanartigen Sturm.

Orkane sind besonders heftige Stürme mit 118 Kilometern pro Stunde und mehr (Stärke 12). Sie richten oft schwere Verwüstungen an.

Von dpa/ewo/be/jos/sbü/tm

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