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Der Norden Gelegenheit macht Diebe
Nachrichten Der Norden Gelegenheit macht Diebe
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00:15 02.06.2017
Von Michael B. Berger
Eine Art Kavaliersdelikt: Viele Einbrecher, so stellten die Forscher fest, sind der Meinung, gar kein schlimmes Verbrechen begangen zu haben. Quelle: Nicolas Armer / dpa
Hannover

Einbrecher in Deutschland. Nicht wenige von ihnen kommen aus dem Ausland, suchen Niedersachsen und andere Bundesländer gezielt auf, um Beutegut zu machen. Mit dieser besonderen Tätergruppe der reisenden und zugereisten Einbrecher hat sich jetzt in einer Studie das Kriminologische Forschungsinstitut (KFN) Niedersachsen befasst. Frappierend sei es, wie leicht die ausländischen Täter - es handelt sich meist um Männer - an kriminelle Netzwerke in Deutschland andockten, obwohl sie aus Polen, Rumänien oder Holland kämen, findet Projektleiterin Gina Wollinger.

Oft sind es Einzeltäter

Wie hoch der Anteil der reisenden Täter in Deutschland ist, kann Wollinger nicht beziffern. In einer früheren Studie des KFN sei ein Drittel der Einbrecher zu den reisenden Tätern gerechnet worden. „In jedem Fall ist es ein beträchtlicher Anteil.“ Doch anders als im oft gehörten Vorurteil handele es sich bei den Einbrechern nicht nur um reisende Banden, sondern häufig auch um Einzeltäter, die aber mit Netzwerken verbunden seien, die es ihnen ermöglichten, das Diebesgut auch wieder loszuwerden. Viele der Einbrecher blieben Einzeltäter, weil sie Mitwisser fürchteten.

Das KFN hat in langen Interviews mit 30 inhaftierten Einzeltätern aus 15 Nationen gesprochen, die in diversen deutschen Justizvollzugsanstalten ihre Haftstrafen verbüßen. Die meisten von ihnen waren reisende Täter, die meist aus osteuropäischen Ländern kamen, um in Deutschland Beute zu machen. Viele seien aber auch zugereist und aus purer Not in die Kriminalität abgedriftet, berichtet Wollinger. Aufgrund der niedrigen Aufklärungsquoten bei der Einbruchskriminalität sei über die Täter bislang wenig bekannt - daher die Studie.

Ein Ergebnis fast aller Befragungen: Gelegenheit macht Diebe. So berichten fast alle der befragten Straftäter, dass sie kaum Mühe gehabt hätten, in ihr Objekt zu gelangen - über gekippte Fenster im Erdgeschoss, billige Kunststoffeingangstüren, die mit einem Werkzeug und einem Handgriff geöffnet werden konnten, oder offene Zugänge.

Mit der vergleichsweise leichten Art, in eine Wohnung einzubrechen, korrespondiert die Ansicht der Täter, ein ziemlich geringes Verbrechen begangen zu haben - eine Art „Kavaliersdelikt“ nämlich, zu dem man in einer Notsituation schon mal greifen könne. So schilderte es etwa ein Kroate, dem Dutzende von Einbrüchen nachgewiesen wurden. Es gebe Leute, „die Schlimmeres machen“ - der Täter, ein früherer Fremdenführer, hatte zuvor bei seinen Cousins in Deutschland gearbeitet und erst mit Einbrüchen in seinem Gastland angefangen, nachdem ihm in Deutschland eine Arbeitserlaubnis verweigert wurde und er in eine finanzielle Notlage geraten war.

Angst vor Entdeckung

Insgesamt stellten die KFN-Forscher „drei typische Selbstverständnisse von Einbruchstätern“ heraus - mit zunehmender Professionalisierung in ihrem verbrecherischen Tun. So glaube der erste Typ, „aus der Not heraus zu handeln“, während der zweite Typ meine, mit dem Einbruch einen einfachen Weg zu „schnellem Geld“ gefunden zu haben. Die letzte Gruppe betrachte Einbruch als „Beruf“ - und bereite die Taten meist sorgfältig vor.

Interessant ist auch die aus den langen Gesprächen mit den Tätern gewonnene Erfahrung, dass die meisten Einbrecher ihr Objekt nicht lange ausspähten, sondern schnell analysierten, wie sie möglichst leicht hinein- und wieder hinauskämen. „Sie haben allergrößte Angst, entdeckt zu werden“, sagt Projektleiterin Wollinger.

Ernüchternd ist auch die Erkenntnis, dass höhere Strafen nicht automatisch eine höhere Abschreckung bedeuteten. Manchen Täter, der aus einem armen europäischen Land komme, schrecke noch nicht einmal ein Gefängnisaufenthalt von seinen Taten ab, weil er im Rahmen der Haft sogar noch mehr Geld verdienen könne als zu Hause.

Infos

Aktuelle Alarmanlagen können viel mehr als nur Lärm machen: Sie übertragen Live-Videos von den Überwachungskameras auf das Smartphone oder Tablet des Nutzers. So kann man auch von unterwegs nachsehen, ob zu Hause alles in Ordnung ist. Die Anlagen lassen sich außerdem per App ein- und ausschalten. Dafür müssen sie mit dem Internet verbunden sein.

Die HDI-Versicherung warnt jedoch: „Smart-Home-Systeme sind kein Ersatz für mechanische Sicherungen.“ Man dürfe sie nur als Ergänzung sehen. Zum Beispiel könnten sie auch Alarm schlagen, wenn die Heizung oder der Strom ausfällt. Oder sie schalten in zufälligen Abständen das Licht ein und aus, um den Eindruck zu erwecken, dass jemand zu Hause ist.

Im Extremfall können die vernetzten Alarmanlagen sogar mehr schaden als nutzen. Nämlich dann, wenn Einbrecher sich über das Internet in fremde Alarmanlagen einloggen und diese ausschalten - während die Hausbesitzer sich weiterhin in Sicherheit wiegen. Bei einigen vernetzten Alarmanlagen sind solche Angriffe von außen unglaublich einfach, deckte die hannoversche Computerzeitschrift „c’t“ auf. Bei einem Modell lautete das voreingestellte Passwort „admin1234“, bei einem weiteren schlicht „1234“. Nutzer sollten stets die voreingestellten Passwörter prüfen und ändern. cwo

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