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Der Norden Psychotherapeut gesteht Massenrausch
Nachrichten Der Norden Psychotherapeut gesteht Massenrausch
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18:31 02.11.2017
Geständnis zum Prozessbeginn: Der angeklagte Psychotherapeut gab zu, Drogen bei dem Heilpraktiker-Seminar verteilt zu haben. Quelle: dpa
Stade

Mit Wahnvorstellungen, Krampfanfällen, Herzrasen und Atemnot winden sich die Teilnehmer eines Heilpraktiker-Seminars am Boden. Einige sind bereits bewusstlos, bis zu 29 Menschenleben sind in Gefahr. Großalarm für die Rettungskräfte, mehr als 160 Helfer eilen am 4. September 2015 ins niedersächsische Handeloh im Kreis Harburg. Notärzte kämpfen auf dem Rasen des idyllischen Tagungszentrums südlich von Hamburg um das Überleben der Seminarteilnehmer, dann werden die Betroffenen in Krankenhäuser gebracht, auch die beiden Organisatoren. Erst gehen die Behörden von einer Lebensmittelvergiftung aus. Doch schnell wird klar: Es dürfte sich um ein Drogenexperiment gehandelt haben, möglicherweise mit Sekten-Hintergrund.

Angeklagter gerät ins Stocken

Mehr als zwei Jahre nach dem Massenrausch wird gegen den Veranstalter des Seminars am Landgericht Stade verhandelt, der 52-Jährige ist Diplom-Psychologe und Psychotherapeut. Am ersten Prozesstag räumt er den Einsatz von Drogen ein. Das Verfahren gegen die Frau des Angeklagten wurde bereits gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

„Ich bestätige, dass die Anklagevorwürfe zu Recht erhoben wurden“, heißt es am Donnerstag in der sehr persönlichen Erklärung des Psychologen. Mehrfach gerät er ins Stocken, die Stimme versagt ihm. Er habe den 27 Teilnehmern Kapseln mit dem Halluzinogen 2C-E angeboten, in denen ohne sein Wissen auch die psychoaktive Substanz Dragonfly enthalten gewesen sei. Der 52-Jährige spricht von einem „Unfall“ und entschuldigt sich mehrfach bei allen Betroffenen. Es habe sich um eine „freiwillige, selbstverantwortliche Einnahme gehandelt“, sagt er. Auch LSD habe er dabeigehabt, aber nicht angeboten.

Laut Anklage sollte bei einer äußerst umstrittenen Therapieform, der sogenannten Psycholyse, eine Bewusstseinserweiterung erreicht werden. Das bestreitet der Angeklagte, auch wenn er die Therapieform begrüße. Dafür sei das 2C-E in der verabreichten Dosis unbrauchbar. Er selbst und seine Frau hätten die Substanz unwissentlich eingenommen, wohl beim Trinken. Sie seien draußen gewesen, als die anderen das Mittel nahmen.

Die Behörden vermuten einen Sekten-Hintergrund. Laut Ermittlungsergebnissen sind die Organisatoren des Seminars Sympathisanten der sogenannten Kirschblütengemeinschaft des im Januar gestorbenen Schweizer Therapeuten Samuel Widmer. Die Gemeinschaft wurde von der Zentralstelle für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche als „problematisch“ eingestuft, Kritiker sprechen von einer Sekte. Die Verteidiger des Angeklagten hatten bereits im Vorfeld betont, diese Vorwürfe seien nicht Teil der juristischen Untersuchung. Eine Sprecherin der Gemeinschaft wollte aktuell nichts zu einem möglichen Zusammenhang mit den Vorfällen in Handeloh sagen. Der Angeklagte sagte zu dem Thema am Donnerstag nur, er habe bei seiner Arbeit „zu Samuel Widmer gefunden“.

Es sei kein Treffen von Heilpraktikern gewesen, sagte der 52-Jährige weiter. Vom Arzt bis zum Friseur, vom Psychologen bis zum Erzieher seien ganz unterschiedliche Teilnehmer dabei gewesen. Ermittlungsverfahren gegen sie waren nach und nach eingestellt worden.

Für den Angeklagten geht es um viel. Ihm droht nicht nur eine Haftstrafe – auch ein Berufsverbot kommt in Betracht.     

Von Peer Körner

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