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Der Norden Gifhorner Kreißsaal schließt für fünf Tage
Nachrichten Der Norden Gifhorner Kreißsaal schließt für fünf Tage
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18:28 06.12.2018
Hier geht’s zum Kreißsaal – wenn er noch geöffnet ist: Piktogramm in einer Klinik. Quelle: dpa
Gifhorn

Das Baby kommt noch vor Weihnachten? Familien aus Gifhorn, die Nachwuchs erwarten, müssen sich auf längere Wege zum Kreißsaal einstellen. Das Helios-Klinikum in Gifhorn schließt seine Geburtshilfe zwischen dem 17. und dem 22. Dezember. Der Grund: akuter Hebammen-Mangel. Das Krankenhaus hat sogar eine Prämie in Höhe von 5000 Euro für Geburtshelferinnen ausgelobt, die neu in Gifhorn anfangen wollen.

Die Helios-Klinik teilte mit, der Bedarf an Hebammen übersteige das Angebot an Fachkräften ohnehin schon, und wenn dann noch Ausfälle beim vorhandenen Personal dazukämen, durch Krankheit oder Schwangerschaft, könne das nicht mehr kompensiert werden. Das Krankenhaus bildet selbst Hebammen aus, zahlt über Tarif und bietet Mitarbeitern, die eine Hebamme anwerben, einen Vermittlungsbonus. Trotzdem sei der Schritt nicht zu vermeiden gewesen, sagt ein Sprecher. Die werdenden Eltern müssten in eine andere Stadt fahren.

Gifhorn ist längst kein Einzelfall. Auch in Hannover wurden bereits Kreißsäle wegen Hebammenmangels vorübergehend dichtgemacht, und es gibt noch drastischere Fälle: Das Krankenhaus in Wittmund wird seinen Kreißsaal zum 31. Dezember nicht nur vorübergehend, sondern für immer schließen. Der Grund: Keine Hebammen, keine Fachärzte. Gleiches gilt nach Auskunft des Hebammenverbandes Niedersachsen für das Pius-Hospital in Oldenburg; dort heißt es allerdings, man verhandele noch über Alternativmodelle.

Seit 1991 seien 40 Prozent der Kreißsäle in Deutschland geschlossen worden, sagt Hilke Schauland vom Vorstand des Hebammenverbandes. Das Problem liege darin, dass während der geburtenschwachen Jahre in den Neunzigern die Ausbildungskapazitäten reduziert wurden. Auf den Wiederanstieg habe das Gesundheitssystem nicht oder zu spät reagiert. Zudem werde in Deutschland ein zentralistisches Modell verfolgt, wie in Skandinavien, und dafür müssten Frauen in den Wehen schon mal 50 Kilometer fahren. In Skandinavien gebe es aber Geburtshelferkurse für Väter für die Zeit unterwegs, in Deutschland nicht.

Dass die Ausbildungskapazitäten seit ein, zwei Jahren wieder angehoben würden, sei „viel zu spät“ passiert, sagt Hilke Schauland. Im Moment würden in Niedersachsen 60 bis 80 Hebammen pro Jahr ausgebildet. Nötig seien etwa 160. Man müsse auch Übergangskonzepte für die Phase der Akademisierung der Ausbildung entwickeln, die jetzt kommt. „Da ist eine Durststrecke zu erwarten.“

Schauland gibt außerdem zu bedenken, dass in den nächsten acht Jahren mindestens 25 Prozent der derzeit etwa 2300 niedersächsischen Hebammen in Rente gingen. Und viele Kolleginnen könnten den stressigen Job nur in Teilzeit oder nur ein paar Jahre lang verkraften. In Skandinavien holten Hebammen im Schnitt 30 Kinder pro Jahr zur Welt, in Deutschland 110 oder 120.

Angesichts der Lage in der Geburtshilfe müsse eigentlich „jede schwangere Frau auf die Straße gehen“, sagt Schauland. „Und jeder werdende Vater auch.“

Von Bert Strebe

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