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Der Norden Vermutlich falscher Freier vor Gericht
Nachrichten Der Norden Vermutlich falscher Freier vor Gericht
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20:53 12.06.2017
Matthias K. saß sechs Monate unschuldig in Untersuchungshaft. Quelle: Gossmann
Hildesheim

Keine Handschellen, keine Wachtmeister – erstmals seit Monaten nicht. Als Matthias K. am Montagmorgen den Schwurgerichtssaal 134 am Landgericht in Hildesheim betritt, kommt er nicht wie am ersten Prozesstag aus dem Untersuchungsgefängnis, sondern von zu Hause. Sechs Monate lang saß er in Haft, möglicherweise unschuldig.

Die Nachricht platzte am Montag in das Verfahren wie eine Bombe. Matthias K., 45 Jahre alt und Ingenieur, steht bereits seit vergangenem Freitag nicht mehr unter dem dringenden Verdacht, die 40-jährige Prostituierte Erika P. in einem Love-Mobil bei Hohenhameln (Kreis Peine) getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat inzwischen einen anderen Verdächtigen in U-Haft genommen. Ein anonymer Hinweis brachte die Wende.

Anonyme Briefe an die Justiz

Ob er erleichtert ist, sieht man dem blonden Brillenträger im karierten Hemd an diesem Tag nicht an. Der Diplom-Ingenieur ist wegen Totschlags angeklagt, kann das Gericht nach Abschluss des Verfahrens aber möglicherweise als freier Mann verlassen. Am 2. Juni war es zu der dramatischen Wende gekommen. An diesem Tag gingen bei der Staatsanwaltschaft Hildesheim und der Polizeiinspektion Salzgitter gleichlautende anonyme Schreiben ein, in denen der Verfasser behauptete, dass nicht Matthias K., sondern ein 29 Jahre alter Mann der Täter sei.

In dem Brief wurden dessen Name und Anschrift genannt, was von der Polizei noch am selben Tag überprüft wurde. Danach ging es Schlag auf Schlag: Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann ein, erwirkte einen Durchsuchungsbeschluss seiner Wohnung. Am 9. Juni wurde er festgenommen. Gleichzeitig wurde der Haftbefehl gegen Matthias K. aufgehoben.

In diesem Wohnwagen, der auf einen Parkplatz bei Hohenhameln abgestellt war, kam die Prostituierte ums Leben.  Quelle: dpa

Gegenüber den Ermittlern bestritt der neue Tatverdächtige, irgendetwas mit dem Tod der Prostituierten zu tun zu haben. Dafür gab er preis, wer der anonyme Briefeschreiber sein könnte: ein Bekannter, der in einer Justizvollzugsanstalt außerhalb von Niedersachsen einsitzt. Mittlerweile läuft auch gegen diesen dritten Mann ein Ermittlungsverfahren. Auch er ist tatverdächtig. Denn in seinem Brief hat er angegeben, am Tattag des 4. November 2016 mit dem 29-Jährigen am Love-Mobil an der Bundesstraße 494 gewesen zu sein.

Erst im Gefängnis habe er erfahren, dass der 45-jährige Matthias K. und nicht sein Bekannter angeklagt ist. Aus Angst vor dem Mann habe er bislang geschwiegen. Diese Bedenken, so der Vorsitzende Richter Peter Peschka, habe der Tippgeber jetzt aber fallen gelassen, da er nicht wolle, dass ein Unschuldiger verurteilt wird.

Peschka unterbrach den Prozess bis zum nächsten Verhandlungstag am 26. Juni. Dann sollen sowohl der Briefschreiber als auch der 29-jährige mögliche Täter aussagen.

25 Euro Entschädigung pro Tag

Matthias K. könnte diese völlig überraschende Wende erleichtert aufnehmen, bleibt aber misstrauisch. Über seinen Anwalt Olaf Klemke lässt er erklären, dass es keinerlei Kooperation mit dem Gericht oder der Polizei geben werde. „Wir haben kein Vertrauen in Polizei und Justiz. Uns trennen tiefe Gräben“, sagt sein Anwalt Olaf Klemke.

Danach verlässt Matthias K. den Gerichtssaal. Ohne Handschellen. Ohne Justizwachtmeister. Wenn der Ingenieur für unschuldig erklärt wird, kann er für den durchlebten Albtraum auf Entschädigung hoffen, sagte ein Gerichtssprecher. Zum einen wird der entstandene Vermögensschaden ermittelt, etwa weil der Mann seinem Beruf nicht nachgehen konnte. Außerdem regelt das Strafrechtsentschädigungsgesetz, dass es quasi als Schmerzensgeld für jeden zu Unrecht hinter Gittern verbrachten Tag 25 Euro gibt.

Peter Rütters

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