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Der Norden Integrationsprojekt für Imame läuft aus
Nachrichten Der Norden Integrationsprojekt für Imame läuft aus
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00:18 20.07.2018
Selten sind die Imame, die in Deutschland predigen, hier auch ausgebildet. Ein Erfolg versprechendes Weiterbildungsprojekt in Osnabrück endet jetzt. (c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit moschee Quelle: picture alliance / dpa
Hannover

Acht Jahre lang sind an der Universität Osnabrück islamische Geistliche auf die Erfordernisse in Deutschland vorbereitet worden. Die Fortbildung an der Universität Osnabrück, die auch islamische Theologen wissenschaftlich schult, galt als Modellprojekt für die Integration. Schließlich hat sie auch Frauen in den Moscheengemeinden auf die Ausübung leitender Ämter vorbereitet. Doch jetzt läuft das Modellprojekt aus, obwohl die rot-schwarze Landesregierung Osnabrück zum Zentrum einer „grundständigen Imam-Ausbildung“ machen wollte. So steht es im Koalitionsabkommen zwischen SPD und CDU. Mit dem Aufbau einer eigenen Imam-Ausbildung könnte man dem Einfluss der von der Türkei in die Gemeinden entsandten Imame entgegenwirken.

Bedarf abgeschöpft?

An der Universität Osnabrück bemühte man sich am Dienstag, die entstandene Unruhe über das sang- und klanglose Ende des Projektes zu dämpfen. So sei die aus Drittmitteln finanzierte einjährige Weiterbildung stets nur als Provisorium geplant gewesen, sei aber auf regen Zuspruch gestoßen, berichtet die stellvertretende Universitätspräsidentin Martina Blasberg-Kuhnke. „Die einjährige Weiterbildung war zunächst konzipiert für Imame, die aus dem Ausland kamen, wurde dann aber auch genutzt für zahlreiche Frauen, die sich weiterbilden wollten, etwa in Fragen der Jugendarbeit oder der Auseinandersetzung mit dem Extremismus.“ Unter den mehr als 150 Teilnehmern seien zu 40 Prozent Frauen gewesen. Aber jetzt sei der Bedarf an Weiterbildung „abgeschöpft“.

Wer bildet Imame aus?

Sorgen macht sich die Universitätsleitung aber um die Zukunft der in Osnabrück ausgebildeten islamischen Theologen. Denn für sie fehle nach Abschluss ihrer wissenschaftlichen Ausbildung mit dem Master-Examen eine zweite Ausbildungsphase, wie sie etwa die evangelischen Kirchen mit dem Vikariat oder die katholischen Kirchen in ihren Priesterseminaren praktizierten. „Wir fragen uns, was wird aus unseren gut qualifizierten Volltheologen?“ Derzeit seien 25 junge Menschen in der akademischen Ausbildung.

Im Koalitionsvertrag der Landesregierung wird betont, dass man an der Universität Osnabrück eine „grundständige Imam-Ausbildung“ einrichten wolle, „aufbauend auf die seit 2010 bundesweit anerkannten Imam-Weiterbildungsangebote“. Doch offensichtlich erst jetzt hat man erkannt, dass die praktische Ausbildung von Imamen gar nicht Sache des Staates ist, denn gestern stellte das Wissenschaftsministerium klar: Das sei Sache der jeweiligen Religionsgemeinschaften, also der Moscheegemeinden.

Die wissenschaftliche Ausbildung, für die das Land 1, 4 Millionen Euro ausgebe, bleibe aber erhalten, betonte eine Ministeriumssprecherin. Für die „zweite Phase“ der Imam-Ausbildung hätten die Islamverbände kein Konzept vorgelegt. Eva Viehoff von den Grünen im Landtag bedauert das Ende des Vorzeigeprojekts: „Man hätte früher aktiv werden müssen.“ Stefan Birkner von der FDP sagt, auch hier zeige sich, dass die Landesregierung überhaupt keine Strategie im Umgang mit den islamischen Verbänden habe. „Sie muss hier Farbe bekennen.“

Von Michael B. Berger

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