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Der Norden 30 Millionen neue Bäume im Harz
Nachrichten Der Norden 30 Millionen neue Bäume im Harz
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00:18 11.09.2017
Von Gabriele Schulte
In der Vergangenheit wurde viel falsch gemacht: Im Harz ist zuletzt verstärkt mit Laubbäumen aufgeforstet worden. Foto: dpa Quelle: Julian Stratenschulte
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Clausthal

Der Wald lebt, und er ist bunt: Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, spricht von einer „großflächigen Erneuerung“ und „mehr Ökologie“, als er am Freitag Agrar- und Forstminister Christian Meyer (Grüne) ein Waldstück bei Clausthal zeigt.

„Die Wälder im Harz haben sich von den Schäden durch Luftschadstoffe erholt“, sagt er. Es ist eine Bilanz 30 Jahre nach dem Beginn des Walderneuerungsprogramms, das durch die Angst vor einem Waldsterben ausgelöst wurde.

Pionier aus Göttingen

Bilder kahler Fichten, deren Nadeln erst gelb geworden und dann vorzeitig vom Baum gerieselt waren, erschreckten in den 1980er-Jahren die Öffentlichkeit. Der Göttinger Forstwissenschaftler Bernhard Ulrich, 2015 verstorben, gilt als ein Pionier des ökologischen Wandels. Er erkannte als einer der Ersten die Gefahren der Umweltverschmutzung für die Bäume und prägte den Begriff Waldsterben. Der von Abgasen verunreinigte „saure Regen“ wurde als ein Hauptverursacher ausgemacht.

Wie groß die Gefahr wirklich war, ist umstritten. Schon ab Ende der 1980er-Jahre gingen die registrierten Baumschäden deutlich zurück. „Gerade im Harz waren viele Probleme hausgemacht“, meint der hannoversche Agrarstatistiker Georg Keckl. Aus wirtschaftlichen Gründen sei dort lange Zeit einseitig mit Fichten aufgeforstet worden. Nadelbaumkulturen tragen selbst zur Übersäuerung des Bodens bei und sind besonders anfällig gegen Stürme und Schädlinge.

Fichten machen Platz für Mischwald

Auch die Landesforsten haben erkannt, dass in der Vergangenheit viel falsch gemacht wurde. Mit dem 1987 gestarteten Walderneuerungsprogramm Harz setzte eine konsequente Neuausrichtung hin zu robusten Mischwäldern ein. Mehr als 30 Millionen Bäume sind nach Angaben von Sprecher Michael Rudolph seitdem dort gepflanzt worden, 14 Millionen davon allein in den ersten zehn Jahren. Die Kosten trug mit zunächst 45 Millionen Euro das Land Niedersachsen direkt, inzwischen geht der Waldumbau aus Bordmitteln der Landesforsten weiter.

Darüber hinaus werden die Wälder landesweit regelmäßig aus der Luft gekalkt, um den Bodenzustand zu verbessern. „Im Harz wird der Waldumbau noch bis 2040 dauern“, sagt Rudolph. Erst dann machten die ältesten Fichten für jungen Mischwald Platz.

Mag manche Beschreibung des Waldsterbens im Rückblick auch überzogen erscheinen, so hat die Debatte die Luft doch eindeutig sauberer gemacht. „Klare gesetzliche Umweltvorgaben für Industrie und Verkehr haben den bedrohlichen Schadstoffausstoß gesenkt“, sagt bei dem Spaziergang Minister Meyer. Dazu gehörten etwa Schwefelfilter für Kraftwerke und Katalysatoren für Autos. Schlagzeilen wie „Der Wald stirbt“ setzten also in Deutschland und Europa eine ökologische Bewegung in Gang, die von der Politik aufgenommen wurde. Davon profitiert sichtlich auch der Harz.

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