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Der Norden Drei-Religionen-Grundschule lehrt Toleranz miteinander
Nachrichten Der Norden Drei-Religionen-Grundschule lehrt Toleranz miteinander
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20:34 28.05.2017
Arbeiten aus dem Projektunterricht zum Thema: „Ich zeige dir die Schönheit meiner Religion“ in der Drei-Religionen-Grundschule in Osnabrück Quelle: Villegas
Osnabrück

Erst nach einer Weile stellt sich Birgit Jöring vorn hin und legt einen Finger an die Lippen. Ziemlich schnell kehrt Ruhe ein. Auf einmal sieht man, was in dem Trubel gar nicht aufgefallen war: Rechts hockt ein Junge mit Kippa und zarten Schläfenlocken. Die Lehrerin da drüben, sie trägt ein Kopftuch. Am Rand stehen zwei Mädchen mit selbst gebastelten Kreuzen.

Erst Kunst, dann Waffeln

Vorn haben sich inzwischen ein paar Kinder mit bunten Ornamentbildern aufgestellt. Da ist vom allwissenden Gott die Rede, „Al-Aliem“. Von „Al-Adl“, dem gerechten, von „Al-Latief“, dem gütigen Gott. Es ist früher Nachmittag, die Drei-Religionen-Grundschule in Osnabrück feiert Schulfest. Doch bevor es Waffeln und Saft und Sackhüpfen gibt, präsentieren die Kinder im Theaterraum, was sie sich im Projektunterricht erarbeitet haben. Thema: „Ich zeige dir die Schönheit meiner Religion.“ Muslimische Schüler haben Ornamente zu den 99 Namen Allahs gezeichnet. Jüdische Kinder haben Teller mit Mosaiken beklebt, weil Essen bei den jüdischen Ritualen eine große Rolle spielt. Christliche Kinder haben sich mit Kirchenfenstern befasst und Mandalas danach gemalt.

Bald darauf sitzt Birgit Jöring, die Schulleiterin, auf einer Bank auf dem Schulhof und erzählt von Rastede. Da hat sie früher unterrichtet. Manche Kinder dort wussten noch so ungefähr, dass sie Christen waren. Aber nicht mehr, ob sie nun katholisch oder evangelisch waren. Jöring stammt aus Bersenbrück, ist katholisch, wollte es auch sein und konnte mit dieser Beliebigkeit nichts anfangen. Als sie die Ausschreibung für die Schulleitung der Drei-Religionen-Schule in Osnabrück las, hat sie sich sofort beworben.

Das ist inzwischen fünf Jahre her. Zuvor hieß die Schule Johannisschule, war eine katholische Bekenntnisgrundschule - und sie hatte existenzielle Probleme. Denn etwa 70 Prozent der Schüler hätten katholisch sein müssen. Die kamen in dem Quartier nahe der Osnabrücker Innenstadt nicht mehr zusammen. Man entschied sich zu einem mutigen Schritt mit einem völlig neuen Konzept: eine Schule, drei Bekenntnisse. Nicht nebeneinander, sondern miteinander. Aber mit Respekt vor den Unterschieden.

Davon erzählt Claudia Sturm, Schulrätin bei der Schulstiftung des Bistums Osnabrück. Sie erzählt von kritischen Stimmen und sogar von Widerstand gegen das neue Konzept. Geld aus katholischen Kirchensteuer-Töpfen für jüdische und muslimische Kinder? Selbst aus Rom kam eine Nachfrage, was da denn los sei in Osnabrück.

Dabei hielten sich die Osnabrücker bloß an die Vorgaben von oben. „Das Zweite Vatikanische Konzil verpflichtet uns zum Dialog mit Juden und Moslems“, sagt Sturm trocken. „Wir wollen Toleranz“, sagt sie. „Wir wollen, dass die Kinder ihr jeweiliges Anderssein verstehen. Dann können sie auch die Bedeutung ihrer eigenen Religion für sich selbst besser erfassen.“

In den fünf Jahren seitdem hat die Schule nicht alles anders, aber vieles besser gemacht als andere Schulen. An erster Stelle stehen Lesen, Schreiben, Rechnen. Aber oft arbeiten zwei Fachkräfte in einer Klasse. Religionsunterricht gibt es getrennt. Drei Religionen - das bedeutet exakte Speisevorschriften. Es heißt, dass kein Schulfest im Ramadan, keine Einschulung am Schabbat stattfindet. Ansonsten aber ist die Drei-Religionen-Schule eine normale Schule.

Der erste Jahrgang ist an die weiterführenden Schulen abgegeben worden. Jöring, die Schulleiterin, hat die Rückmeldungen gern gelesen. Die Drei-Religionen-Kinder, hieß es, zeigten ein sehr gutes Leistungsniveau. Und sie verfügten über überdurchschnittliche soziale Kompetenz, vor allem beim Streitschlichten.

Die Lehrer nehmen sich Zeit

Für Alexandra Laermann war ausschlaggebend, dass die Schule gut ist, dass die Lehrer sich Zeit nehmen. Deswegen hat die Christin ihre Tochter Johanna auf die Drei-Religionen-Schule geschickt. Jetzt geht auch ihr Sohn Sebastian dorthin, obwohl seine Freunde woanders unterrichtet werden. „Wir sind sehr angetan von dem Mitein­ander“, sagt die Mutter. Das gilt auch für Mascha Radbil, deren Söhne Hillel Aharon und Nachum Benjamin die Schule besuchen. „Es gibt ja nur einen Gott“, sagt sie. „Wir nennen ihn bloß unterschiedlich.“ Mascha Radbil ist die Frau des Rabbiners der jüdischen Gemeinde in Osnabrück. Woanders, erzählt sie, hätte es nicht nur keinen Religionsunterricht für ihre Kinder gegeben, sondern auch kein koscheres Essen.

Draußen auf dem Schulhof erzählt Erci Bakircioglu, dass er seine Zwillinge Sahra und Taha jeden Morgen aus einem entfernten Stadtteil in diese Schule bringt. Er möchte, dass ihr muslimischer Glaube respektiert wird und dass sie lernen, den Glauben anderer zu respektieren. „Woanders gibt es oft Scheuklappen“, sagt er. „Hier nicht.“

Schulrätin Sturm sagt: „Wer einen eigenen Standpunkt hat, muss den Standpunkt von anderen nicht zurückweisen.“

Die Drei-Religionen-Schule in Osnabrück

Die Drei-Religionen-Grundschule in Osnabrück wurde 2012 gegründet und befindet sich in Trägerschaft der Schulstiftung des Bistums Osnabrück. 27 Lehrer unterrichten derzeit 168 Kinder. Vom Prinzip her steht jeweils ein Drittel der Plätze für christliche, muslimische und jüdische Kinder zur Verfügung. In der Praxis werden allerdings oft weniger muslimische und noch weniger jüdische Kinder angemeldet.


Zugelassen sind auch Kinder ohne Bekenntnis, die Eltern müssen sich dann jedoch entscheiden, an welchem Religionsunterricht ihr Kind teilnimmt. Die Arbeit der Schule wird von einem religiösen Beirat unterstützt und von einem wissenschaftlichen Beirat evaluiert.     

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