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Der Norden Das ist Dr. Trecker von der Klinik für Traktoren
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21:45 31.07.2017
„Das kriegen wir schon hin“: Holger Hink (li.) und Claus-Jürgen „Jürgen“ Vieregge arbeiten an einem Hanomag, 1928 in Linden gebaut.Fotos: George Quelle: Carolin George
Rosengarten

Wenn der Trecker knallt wie ein Gewehr und zischt wie ein Drache, hat Holger Hink alles richtig gemacht. Dann kann er mit der betagten Maschine sogar eine Runde über den Hof knattern. Betagt bedeutet in diesem Fall 102 Jahre. Das grüne Fahrgestell mit dem großen roten Schwungrad ist 1915 gebaut worden, stand einige Jahre als Ausstellungsstück in einem Museum - und seit Kurzem fährt es wieder. Holger Hink hat den alten IHC wieder zum Laufen gebracht.

Hink hat „Diesel im Blut“

„Hier arbeitet Dr. Trecker. Sprechzeiten nach Vereinbarung“, steht auf einem orangefarbenen Zettel geschrieben, er klebt an der Eingangstür zur Klinik für alte Traktoren im Freilichtmuseum am Kiekeberg, Landkreis Harburg. Dr. Trecker ist Holger Hink, gelernter Kfz-Mechaniker und seit knapp zwei Jahren Leiter der Museumswerkstatt. Er hat „Diesel im Blut“, wie er sagt, und wenn er eine Maschine wie den IHC-Traktor von 1915 schnaufen hört, dann ist das für ihn wie Musik.

„Ich musste mich erst einmal auf ihn einstellen, denn es gibt bei ihm mehr Sachen, die man nicht anfassen darf, als die man anfassen darf“, erzählt der 43-Jährige mit dem dunkelblauen Käppi. „Aber inzwischen sind wir per Du.“

Inzwischen weiß Holger Hink ganz genau, wie er die alte Maschine zum Schnauben bringt: Öl auf alle Schmierstellen tropfen, per Fußpumpe den Vergaser mit Kraftstoff auffüllen, einen Hebel auf „Start“ stellen und einen zweiten auf 9 Uhr, Luftklappen schließen, Handbremse anziehen, Dekompressionshebel anziehen, drei Vaterunser und zwei Avemaria beten und dann das rote Schwungrad drehen.

Und wenn es dann knallt und zischt, dann sieht an diesem Morgen im Museum nicht nur Holger Hink mehr als zufrieden aus, sondern auch zwei ältere Herren in dunklen Arbeitshosen und karierten Hemden. Sie heißen Klaus-Jürgen und Claus-Jürgen und gehören zum Team von rund einem Dutzend Ehrenamtlichen, die Dr. Trecker helfen. Jeden Mittwoch und häufig am Wochenende kommen sie zum Museum, aus einem Umkreis von mehr als 70 Kilometern.

„Wenn ich dieses Geräusch höre, weiß ich, warum ich das mache. Der Sound ist einfach super“, sagt der größere der beiden, Klaus-Jürgen Dippmann, gerufen Klaus. Der 70-Jährige aus Winsen/Luhe im Kreis Harburg, gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann, hat bei Airbus gearbeitet, mit Traktoren kannte er sich bis zu seinem ersten Tag in der Treckerwerkstatt nicht aus. „Für manche Dinge reicht allgemeines technisches Verständnis, bei anderen sagen mir die anderen, was ich tun soll“, sagt er und lächelt. „Bis jetzt haben wir hier alles hingekriegt.“

Sein Namensvetter Claus-Jürgen Vieregge, gerufen Jürgen, kommt aus der Nähe von Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein nach Rosengarten gefahren. Er tüftelt gerade an einem Hanomag, gebaut 1928 in Hannover-Linden. „Die Kupplung kuppelt nicht aus“, sagt der 67-Jährige. Er kennt den WD 28 schon ziemlich gut, weiß ganz genau, wie welcher Hebel stehen muss. „Der Motor läuft auf Benzin an und schaltet danach auf Petroleum um. Vor zwei Wochen hatten wir den Vergaser gemacht, dann sprang er nach langem Hin- und Her an. Jetzt streikt die Kupplung. Aber das kriegen wir schon hin.“

Alt, aber regelmäßig im Einsatz

Unbezahlbar wertvoll ist dabei für ihn und die anderen die Original-Ersatzteilliste aus dem Jahr 1928: Jede einzelne Schraube ist auf dem vergilbten Papier aufgezeichnet, mit genauer Bezeichnung und Verwendung. Der Ingenieur für Landtechnik, Unternehmer in Rente, ist übrigens der Einzige neben Werkstattchef Dr. Trecker, der den Nachbarn des IHC von 1915 fahren darf: einen Lanz Bulldog von 1931. Das Schmuckstück ist noch regelmäßig im echten Einsatz für das Museum: Wenn Mitarbeiter und Ehrenamtliche die Getreideernte vor 100 Jahren nachstellen.

Fast alle fahrtüchtig

65 Traktoren gehören zum Bestand des Freilichtmuseums am Kiekeberg in Rosengarten. Die meisten von ihnen sind fahrtüchtig und werden regelmäßig vorgeführt. Die nächsten großen Aktionen: der bäuerliche Erntetag am Sonnabend, 12. August, an dem mit Hilfe des Lanz Bulldog von 1931 Getreide geerntet wird, und das Traktorentreffen mit mehr als 350 historischen Treckern aus ganz Norddeutschland am Wochenende des 9. und 10. September.

Von Carolin George

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