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Der Norden Trifft der nächste Tiefschlag AfD-Chef Hampel?
Nachrichten Der Norden Trifft der nächste Tiefschlag AfD-Chef Hampel?
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00:15 19.11.2017
Armin Paul Hampel, der Landeschef der AfD, will sich in Niedersachsen an der Parteispitze halten. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Eine große Bühne hat Armin Paul Hampel an diesem Herbsttag nicht bekommen, nur eine Ecke in der Gastwirtschaft, vor der Vitrine mit den Pokalen. Doch der 60-Jährige lässt sich davon nicht stören, er redet trotzdem. Sonore Stimme, ruhige Gesten, eine Hand in der Tasche - der Landesvorsitzende der Alternative für Deutschland in Niedersachsen will seine Zuhörer, seine Parteifreunde beruhigen. Und vor allem will er sie für sich gewinnen. Denn Hampel kämpft. Nachdem er sich mit zahllosen Parteifreunden überworfen hat, droht dem 60-Jährigen die komplette Entmachtung.

Hampel ist bislang die prägende Figur der AfD in Niedersachsen. Der ehemalige Fernsehjournalist verfügt über eine sonore Stimme, die mühelos auch große Räume füllt, er ist rhetorisch geschult, er kennt sich aus mit großer Politik und auch mit ihren Machtmechanismen: In den 1990er-Jahren war Hampel ARD-Korrespondent in Bonn. Wenn er seine Zuhörer beeindrucken will, dann erzählt er von Treffen mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl. Das ist immer gut angekommen. Auch weil Hampel damit viele in der AfD an eine Zeit erinnert hat, in der ihnen Deutschland noch nicht so fremd war wie heute.

Lange Zeit war Hampel das Gesicht und die Stimme der AfD in Niedersachsen, nach innen wie nach außen. Viele glaubten, dass er der einzige wäre, der den Verband erfolgreich führen könnte. Und auch Hampel glaubte das. „Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen, der die Sache regelt“, zitierte er gerne den verstorbenen Außenminister Guido Westerwelle.

Gegner sind Verräter

Doch die Sache zu regeln bedeutete für Hampel nie, Kompromisse zu schließen - er will bestimmen. Hampel fordert Vertrauen und Loyalität in der Partei und er meint Gefolgschaft. Hampel wollte seine Kritiker nie einbinden - er wollte sie besiegen. Und er macht keinen Hehl daraus, als was er seine Gegner sieht: als Verräter.

In seiner Rede in besagter Gastwirtschaft in Lüneburg nimmt Hampel kein Blatt vor den Mund. Es gebe in der Partei „bestimmte Figuren, die nichts anderes im Sinn haben, als die AfD von innen zu zerstören“, lässt er seine Zuhörer wissen. Unterstützt würden diese Figuren von einem nicht näher benannten außenstehenden Netzwerk. „Der politische Gegner freut sich jeden Tag, dass die AfD sich selbst bekriegt“, so Hampel. Die AfD Niedersachsen hat ein Video von dem Auftritt auf ihrer Homepage veröffentlicht.

Um politische Richtungen ging es bei dem Streit der AfD nie. Nationalkonservative kämpfen gemeinsam mit gemäßigten Kräften gegen Hampel, der wiederum als Konservativer auch nie Scheu hatte, seine Verbündeten auch da zu suchen, wo die Parteifarbe von Blau zu Braun übergeht.

Lange hatte Hampel bei diesen parteiinternen Kontroversen in den entscheidenden Momenten die Nase vorn. Bei der Aufstellung der Kandidaten für den Bundestag setzte er sich am Ende durch und ist jetzt tatsächlich im Deutschen Bundestag vertreten.

Posse um gefläschtes Schreiben

Im März überstand er bei der Landesvorstandswahl eine Kampfkandidatur gegen Herausforderin Dana Guth. Dabei konnte er sich auf wichtige Verbündete stützen wie den Vize-Landeschef Jörn König aus Hannover und den Wendländer Wilhelm von Gottberg.

Doch irgendwann im Sommer muss es zum Bruch auch mit diesen Verbündeten gekommen sein. Vielleicht war es die Posse um ein gefälschtes Schreiben, das im Namen der AfD an die Landeswahlleiterin geschickt worden sein soll. Vielleicht war es die Untersuchungskommission, die der Bundesvorstand der AfD einsetzte, um die fragwürdigen Finanzverhältnisse des Landesverbands zu durchleuchten. Am Abend der Landtagswahl am 15. Oktober wurde jedenfalls kurz vor Schließen der Wahllokale eine Mail an alle Parteimitglieder verschickt mit dem Aufruf, einen neuen Landesvorstand zu wählen.

Statt demokratischer Prinzipien herrsche ein Alleinführungsanspruch im Verband, heißt es in dem Schreiben. „Gleichzeitig stand gravierenden Fehlern, Versäumnissen und Eigenmächtigkeiten eine sehr geringe Bereitschaft zur Selbstreflexion gegenüber.“ Hampels Name wird nicht erwähnt, aber es ist klar, gegen wen sich der Vorstoß richtet. Unterzeichnet ist er von sechs Mitgliedern des Landesvorstands, darunter König und von Gottberg. Hampels Garde hat sich von ihm abgewendet.

Auch die Landtagswahl lief nicht in Hampels Sinne. Zwar zog die AfD in das Parlament ein, doch die Fraktion wird angeführt von Hampels Gegnerin Dana Guth.

Abwahl ist nicht ausgemacht

Der nächste Tiefschlag könnte Hampel am ersten Dezemberwochenende treffen: Beim Bundesparteitag in Hannover droht ihm die Abwahl aus dem Bundesvorstand, in dem er zuletzt ziemlich isoliert war. Der starke Mann der Partei, Alexander Gauland, hielt bislang zu Hampel. Wie diese Machtprobe ausgeht, ist offen.

Auch Hampels Abwahl als Landeschef in Niedersachsen ist nicht ausgemachte Sache, auch wenn sich 21 von 30 Kreisverbänden bereits dafür ausgesprochen haben. Denn die AfD kennt kein Delegiertensystem - entscheidend ist, welches Lager mehr Mitglieder für den Sonderparteitag am zweiten Januarwochenende mobilisieren kann. Hampel hat deutlich gemacht, dass er nicht freiwillig gehen will: „Ich bleibe kämpferisch“, kündigt er in Lüneburg an. „Sie werden mich weiter an der Spitze sehen.“

Reibereien 
und Fälschungen

In Niedersachsen hat die Alternative für Deutschland bislang anders als in anderen Bundesländern kaum mit politischen Äußerungen oder gar Provokationen auf sich aufmerksam gemacht. Stattdessen haben vor allem die innerparteilichen Streitereien für Schlagzeilen gesorgt.

Sommer 2015: Als Parteigründer Bernd Lucke mit zahlreichen Mitstreitern die AfD verlässt, kehren auch in Niedersachsen mehrere seiner Anhänger den Rechtspopulisten den Rücken. Dabei wird deutlich, dass es zwischen Hampel und anderen Vorstandsmitgliedern Reibereien gegeben hatte.

September 2016: Zu einem ersten Eklat kam es im Herbst vergangenen Jahres. Genervt von der Kritik seiner Gegner erklärte Hampel bei einem Parteitag, dass er nicht wisse, ob er überhaupt noch Vorsitzender des Verbands bleiben wolle – und verließ die verdutzten Parteifreunde. Nach einigen Tagen Auszeit war von Rücktritt aber keine Rede mehr.

Januar 2017: Anfang des Jahres wagten sich die Gegner erstmals in die Offensive. Über den Antrag eines Drittels der Kreisverbände wollten sie einen Sonderparteitag erzwingen. Hampel sollte erst als Parteichef Rechenschaft ablegen, bevor er sich für den Bundestag aufstellen lasse. Der Vorstoß scheiterte.

März 2017: Der Bundesvorstand der AfD richtete eine Untersuchungskommission ein, die die Vorgänge im niedersächsischen Landesverband untersuchen soll. Es geht dabei auch um die finanzielle Situation des Verbands, die auch in den folgenden Wochen Dauerthema für Streit sein wird.

Juni 2017: Die niedersächsische Parteiführung veröffentlicht zwei Schreiben, die angeblich von der Landeswahlleiterin stammten. Tatsächlich handelte es sich aber um Fälschungen – die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Herbst 2017: Der Schatzmeister der AfD Niedersachsen, Bodo Suhren, wird im September angezeigt, weil er als Polizist Interna an AfD-Mitglieder gegeben haben soll. Im Oktober wiederum wurde Hampels Wohnung von der Staatsanwaltschaft durchsucht – es bestand der Verdacht der Untreue. Die Ermittlungen wurden kurz darauf eingestellt.

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