Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Der Norden Wenn der Pastor zum Putzen kommt
Nachrichten Der Norden Wenn der Pastor zum Putzen kommt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:19 20.11.2017
Der „Pastor to go“: Steffen Paar aus der Nähe von Bad Segeberg will mit den Menschen ins Gespräch kommen – Putzen, Gartenarbeit und Kartoffelschälen inklusive. Quelle: Ulf Dahl
Sülfeld

Ein Pastor, der auszieht, das Gute zu suchen. Passend zum Reformationsjubiläum hat Steffen Paar aus Sülfeld (Kreis Segeberg) eine ungewöhnliche Idee. Er bietet seinen Mitmenschen seine Arbeitskraft zwölf Monate lang zum Nulltarif an. Einzige Bedingung: Es muss Zeit sein, über Gott und die Welt zu reden. Er tauft die Aktion „Pastor to go“ und zieht mit viel Neugier in seiner Gemeinde los. Was der 37-Jährige in den Häusern der Menschen erlebt, bewegt ihn tief und zeigt ihm, dass es überall gute Nachrichten gibt. Eigentlich muss man nur offen dafür sein.

Mit fremden Menschen kochen

„Es ist nicht einfach, als Mensch hinter der Rolle als Pastor spürbar zu bleiben“, erzählt Paar in seinem hübschen Pastorat aus dem Jahre 1773. „Ein Taufgespräch ist für mich ein sicheres Ding. Aber vor einem unbekannten Haus zu stehen und gleich mit Fremden etwas zu machen, sorgt bei mir für ziemliche Unsicherheit.“

Doch in den Häusern entstehe ein Schutzraum. Dort Mensch zu sein, sei dann gar nicht schwer. Wundervolle Begegnungen habe er, während er mit wildfremden Menschen Marmelade kocht, das Bad putzt oder Blumenzwiebeln pflanzt. „Ich fühle mich als Teil eines großen Ganzen, in dem wir alle verbunden sind und uns gegenseitig bereichern“, berichtet Paar. Wenn er dann Wochen und Monate später hört: „Ach, den kenn‘ ich, mit dem hab‘ ich schon die Toilette geschrubbt“, geht ihm das Herz auf.

„Als Mensch hinter der Rolle spürbar bleiben“: Der 37-Jährige geht gern neue Wege. Quelle: Ulf Dahl

Dabei war es ein herausfordernder Beginn für Steffen Paar in der Gemeinde, in der rund 2000 evangelische Christen leben. Als er sich am 3. Advent 2014 mit einer Predigt zum Thema Türen vorstellt, ist die Pastorenstelle seit zwei Jahren unbesetzt. Nun kommt einer aus dem Schwarzwald, jung, dynamisch und schwul. Und bittet darum, dass ihm die Tür geöffnet und er eingelassen wird. Versprechen könne er allerdings nichts, sagt er. Außer: Dass er seine Arbeit macht, kreativ ist und durchaus auch mal mit unbequemen Ansichten stören wird.

Er bekommt die Stelle, zieht mit seinem Lebenspartner ins alte Pastorat, heiratet wenig später und versucht, den Glauben zu den Menschen zu tragen. Dabei geht er gern neue Wege. So setzt er sich ab und zu auf den Marktplatz mit Bierbank und Kaffee - oder ist eben der „Pastor to go“. Auf die Frage, ob er Kirche modernisieren und attraktiver machen möchte, schmunzelt Paar: „Das denken viele. Aber meine Sendung ist das nicht.“ Er lebe Kirche so, wie sie in seinen Träumen ist und hoffe, dass das ausstrahlt. „Eine Gemeinschaft, in der sich jeder willkommen fühlt. Menschen, zu denen ich kommen kann und die sich auf den Weg zu mir machen. Mit Jubeln und Lachen. Mit viel Trost und Schweigen. Und in der Mitte Raum für Gott.“ 

Beide Seiten profitieren

Ursprünglich wollte er mit der Aktion „Pastor to go“ den Menschen etwas geben, sagt er. „Aber am Ende bin immer ich der Beschenkte.“ Vor allem ein älterer Mann habe ihn schwer beeindruckt. Beim Kartoffelschälen erzählt dieser ihm von seinem steinigen Leben. Er habe gelernt, dass man alles überstehen kann, wenn man die richtige Einstellung hat, berichtet der Mann – man müsse sich nur entscheiden, das anzunehmen, was komme. „Genau diese Worte brauchte ich zu diesem Zeitpunkt“, sagt Steffen Paar. Die Begegnung habe ihm sehr geholfen.

Martin Luther sagte einst: „Der Glaube bringt den Menschen zu Gott, die Liebe bringt ihn zu den Menschen.“ Ob er damals schon einen „Pastor to go“ im Kopf hatte?

Von Kristiane Backheuer

Viele bewegende Geschichten

Was war für Sie die beste Nachricht des Jahres? Oder haben Sie in den zurückliegenden Monaten ein schönes Projekt gestartet? Das haben wir Sie, liebe Leser, vor einigen Tagen gefragt – und zahlreiche bewegende Geschichten zugesandt bekommen. Wir bedanken uns bei allen Lesern, die an der Aktion teilgenommen haben. Zusammen mit NDR Info, den „Kieler Nachrichten“, der „Ostsee-Zeitung“ und dem „Hamburger Abendblatt“ haben wir sechs Beiträge ausgewählt, die wir in dieser Woche erzählen wollen. Heute geht es um einen Pastor aus Schleswig-Holstein, der mit einer ungewöhnlichen Aktion auf die Menschen zugeht.

Alle Geschichten zum Nachlesen und Nachhören finden Sie unter haz.li/gutenachricht

Bei der Aufklärung von Wohnungseinbrüchen wollen die Ermittler in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden enger zusammenarbeiten. Sechs mobile Einbrecherbanden konnten in den vergangenen zwölf Monaten bereits zerschlagen werden.

20.11.2017

Nach dem bisherigen Gesetz über die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten kann jede Landtagsfraktion einen Vertreter in den Stiftungsrat entsenden. Das führt nun zu Protest. Opferverbände befürchten, dass die Arbeit in Bergen-Belsen leiden könnte, wenn die AfD im Beirat vertreten ist.

Michael B. Berger 23.11.2017

Polizisten in Göttingen fanden in der Wohnung eines 20-Jährigen rund ein Kilo Marihuana. Ertappt wurde der Drogen-Besitzer allerdings nur, weil die Polizei Hinweise für einen anderen Fall sammelte.

20.11.2017