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Der Norden "Wir sind keine Lehrer mit Anrechnungsstunden"
Nachrichten Der Norden "Wir sind keine Lehrer mit Anrechnungsstunden"
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00:16 30.09.2017
Von Saskia Döhner
"Wir brauchen ein eigenes Berufsbild für Schulleiter.": Frank Stöber, Vorsitzender des Schulleitungsverbandes Niedersachsen bei der Tagung in Celle. Quelle: Holger Hollemann
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Hannover

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) versprach eine schrittweise Anhebung der Besoldung. Zunächst sollten alle Schulleiter, die noch A 12 Z (also A 12 mit einer Zulage) verdienten, auf A 13 hochgestuft werden, danach sollte auch das Gehalt für Grundschullehrer generell angehoben werden. In dem Zuge dessen würde alle Pädagogen und Schulleiter höhergruppiert.

Stöber hatte in seiner Eröffnungsrede vor 350 Teilnehmern bei der Herbsttagung in Celle massive Kritik an der Landesschulbehörde und am Kultusministerium geübt. Briefe würden über Monate nicht beantwortet. Viele Eigeninitiativen von Schulleitern erstickten in Bürokratie. Es sei ein ganz trauriges Bild, wenn auf Dienstbesprechungen gesagt werde: "Wir verteilen den Mangel gleichmäßig über das Land." Der Leiter der Integrierten Gesamtschule Uetze (Region Hannover) warnte eindringlich davor, Anrechungs- und Entlastungsstunden zu streichen, um die Unterrichtsversorgung künstlich hochzurechnen. Der CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann hatte angekündigt, über die Streichung von Entlastungsstunden eine Unterrichtsgarantie sicherzustellen. Besser sei es, die Behörden durchzuforsten, ob dort nicht Pädagogen auf Stellen sitzen würden, die auch ein Verwaltungsfachmann erledigen könne.

Wann ist Beratung Unterrichtszeit und wann nicht?

Lautstarke Kritik gab es bei der Herbsttagung des Schulleitungsverbandes daran, dass Sonderpädagogen, die an Regelschulen eingesetzt sind, Beratung künftig innerhalb ihrer Unterrichtszeit machen können. Dafür kann bis zu ein Fünftel der Unterrichtszeit aufgewendet werden. Lehrer, die sich von Sonderpädagogen beraten lassen, machen das aber außerhalb ihrer Unterrichtszeit. Man könne nicht mit zweierlei Maß messen, meinte Andreas Kathmann, Leiter der Grundschule Mengendamm in Hannover, und bekam dafür viel Applaus vom Publikum.

Inklusion sei kein Wahlkampfthema, sagte Stöber. Auf dem Rücken der Schwächsten, der Kinder mit Handicap, dürfe man keinen Wahlkampf machen. Eine Pause von der Inklusion, ein Moratorium, wie es die CDU fordert, lehnte er ab."Stillstand ist ein Rückschritt, wir wollen keine Rolle rückwärts." Der eingeschlagene Weg müsse behutsam und konsequent weiterverfolgt werden. Es dürfe nicht sein, dass sich einige Schulformen aus der Verantwortung stehlten und Haupt- und Realschulen, Ober- und Gesamtschulen die Hauptlast trügen, nicht aber Gymnasien. Ein langfristiges Parallelsystem von Förder- und Regelschulen dürfe es nicht geben. Stöber mahnte einen parteiübergreifenden Konsens zur Inklusion an.

Schulleiter bräuchten endliche eine eigene Arbeitszeitverordnung. Viele Rektoren hätten 60- bis 70-Stunden-Wochen. Und die ständigen Vertreter, die Schulleiter eigentlich entlasten sollten, hätten immer noch eine Unterrichtsverpflichtung von 20 Stunden oder mehr, und seien selbst völlig überlastet.

Ministerin Heiligenstadt verwies darauf, dass Niedersachsen noch nie so viele Lehrer gehabt habe wie jetzt. Im Vergleich zu 2012 gebe es 3300 Stellen mehr. Die Unterrichtsversorgung liege bei knapp 99 Prozent. Sie gab zu, dass das Verfahren mit den Abordnungen von Gymnasien und Gesamtschulen  nicht gut gelaufen sei. Die Landesschulbehörde habe zu spät und "nicht dialogisch" die Schulen informiert, dass sie Pädagogen zeitweise an Grundschulen abgeben müssten, um dort die Unterrichtsversorgung zu sichern. Im Jahr 2018 werde es nicht nur 400 fertige Referendare, sondern 1000 geben, sodass dann weniger Abordnungen nötig seien.

Die SPD-Politikerin wandte sich dagegen, Lehrerstunden aus dem Ganztag zu nehmen. So liefen die Schulen wieder Gefahr, illegale Verträge mit Ganztagskräften abzuschließen wie unter der schwarz-gelben Landesregierung. Dies hätte das Land Zahlungen von 12 Millionen Euro an die Rentenversicherung gekostet. Heiligenstadt betonte, Bildung dürfe sich nicht dem ökonomischen Diktat beugen, die Wirtschaft sollte nicht zuviel Einfluss auf die Bildungspolitik haben. Sie spielte damit auf die Kultus-Schattenministerin von Althusmann an, die Geschäftsführerin der Unternehmerverbände Niedersachsen ist. Sie lehnt es auch ab, Anrechungsstunden auf den Prüfstand zu stellen. Man müsse auf die Ergebnisse der eingesetzten Arbeitszeitkommission hören und dann Lehrer spürbar entlasten, insbesondere Leiter kleiner Grundschulen und Teilzeitkräfte.

Maulkorb für Schulleiter?

Immer wieder berichten Schulleiter, dass sie sich gegenüber der Presse nicht äußern dürfen, weil sie sonst Ärger von der Landesschulbehörde bekämen. Bevor man sich äußere, müsse man die Behörde fragen, ansonsten werde man zu Dienstgesprächen in die Behörde zitiert.Das sei zuletzt in Dienstbesprechungen den Schulleitern gerade noch mal eingeimpft worden. Viele Schulleiter gerade aus dem Bereich der Regionalabteilung Hannover sagten, sie hätten Angst sich öffentlich zu äußern, weil sie negative Konsequenzen befürchteten. Vonseiten der Landesschulbehörde und des Kultusministeriums heißt es jedoch, es gebe keinen Maulkorberlass, alle Schulleiter könnten sich völlig frei äußern.

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