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Der Norden Schlachthof-Skandal: Kommen noch mehr Videos?
Nachrichten Der Norden Schlachthof-Skandal: Kommen noch mehr Videos?
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19:28 07.11.2018
Demonstration vor einem Oldenburger Schlachthof am Dienstag. Ein als Metzger verkleideter Mann mit einer blutigen Schürze und einem Messer in der Hand tötet symbolisch eine als Rind verkleidete Person. Quelle: dpa
Hannover

Das niedersächsische Agrarministerium rechnet nach den schockierenden Bildern aus einem Schlachthof in Oldenburg mit dem Auftauchen weiterer heimlich aufgenommener Videos. „Ich will nicht ausschließen, dass wir in den nächsten Wochen vielleicht noch das eine oder andere Bildmaterial zu sehen bekommen“, sagte Michael Kühne, Abteilungsleiter für Verbraucher- und Tierschutz im Ministerium am Mittwoch. „Es gibt Hinweise aus Kommunen, dass in weiteren Betrieben wohl auch solche Kameras entdeckt worden sind.“

Der Verein „Deutsches Tierschutzbüro“ hatte am Dienstag Videos gezeigt, die in einem Oldenburger Schlachthof mit verdeckter Kamera gefilmt wurden. Die Tierschützer werfen dem Schlachthof vor, Rinder bei Bewusstsein getötet und mit Elektroschockern malträtiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Die Stadt Oldenburg habe 30 Strafanzeigen gegen Viehhändler und Transporteure erstattet, sagte Kühne. Auch das Agrarministerium hat Strafanzeige gestellt.

Verliert der Schlachthof die Zulassung?

Kühne betonte, dass der Schlachthof regelmäßig kontrolliert worden sei, aber nicht in allen Bereichen. „Unangemeldete Kontrollen sollen die Regel sein, das ist aber nicht immer zu realisieren.“ In Oldenburg habe es Pfiffe durch die Schlachthalle gegeben, sobald das amtliche Personal weg gewesen sei. Laut Kühne hat die Stadt Oldenburg um mehr Personal zur Überwachung des Schlachthofs gebeten. Das Agrarministerium will jetzt dessen Zulassung noch einmal prüfen.

Erst Mitte Oktober hatten Bilder angeblich gequälter Tiere in einem Schlachthof in Bad Iburg (Kreis Osnabrück) für Aufsehen gesorgt. Der Landkreis hat den Betrieb inzwischen still gelegt. Laut Ministerium gibt es insgesamt 67 Groß-Schlachthöfe in Niedersachsen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten warf Schlachthof-Betreibern vor, durch den Einsatz von Werkvertragsarbeitern massive Mängel im Umgang mit den Schlachttieren zu verursachen.

FDP will keine Sonderrechte für Tierschützer

Unterdessen hat der Agrarausschuss des Landtags am Mittwoch über die Befugnisse und Grenzen von Tierschutzorganisationen diskutiert. Die FDP will diesen Organisationen bei Straftaten wie Einbrüchen in Ställe oder Schlachthöfe den Status eines gemeinnützigen Vereins nehmen. Auch Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) plädiert dafür.

„Bei Tierquälerei muss man hart durchgreifen, das ist keine Frage. Aber das ist die Aufgabe des Staates und nicht die von Menschen, die das Recht in die eigenen Hände nehmen“, sagte der FDP-Agrarexperte Hermann Grupe. Grünen-Fraktionsvize Miriam Staudte sieht dagegen die Tierschutzorganisationen im Recht. „Eine Videoüberwachung durch die Betriebe selbst, wie es Agrarministerin Barbara Otte-Kinast fordert, würde den Bock zum Gärtner machen.“ Die SPD verlangt eine „verpflichtende und flächendeckende Videoüberwachung“ in Schlachthöfen, die AfD will mehr Personal für die Veterinärämter und mehr Kontrollen.

Lesen Sie auch: Was läuft falsch in der Branche? Veterinär Jörg Hartung im Interview.

Von Marco Seng und Ralf Krüger

Mitarbeiter eines Schlachthofes in Oldenburg sollen Rinder unter anderem mit Elektroschockern malträtiert haben. Der Verein Deutsches Tierschutzbüro hat nun seine heimlichen Aufnahmen aus dem Betrieb veröffentlicht. Auch das Agrarministerium hat Anzeige erstattet.

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