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Der Norden Seit 40 Jahren gibt es in Bremen Kunst im Bau
Nachrichten Der Norden Seit 40 Jahren gibt es in Bremen Kunst im Bau
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19:01 25.02.2018
Seit 40 Jahren gibt es in Bremen in der JVA eine Bildhauerwerkstatt. In der Zeit sind zahlreiche Werke entstanden. Quelle: Katrin Kutter
Bremen/Hannover

 Andreas ist wieder drin. Er fährt sich mit den Händen über die stoppeligen Wangen.  „Heroin“, sagt er. „Beschaffungskriminalität.“ Dann erzählt er, dass es nicht das erste Mal war, dass er wieder eingefahren ist. Hat auch Vorteile: Sie kennen ihn hier drin, sie wissen, was für ihn gut ist und wofür er gut ist. Und so arbeitet Andreas, 43, seit 15 Monaten wieder in der Bildhauerwerkstatt.

Die gibt’s deutschlandweit nur einmal: eine Bildhauerei im Gefängnis, und zwar in der Justizvollzugsanstalt Bremen. Nicht irgendein kleiner Kreativkurs, sondern eine echte Werkstatt, mit echten Künstlern als Lehrern. Und die Gefangenen werden fürs Modellieren und Steinklopfen genauso bezahlt wie für die Arbeiten in der Schlosserei oder der Näherei. 

Gegründet hat das Projekt der Herr mit der dunklen Brille und den Turnschuhen zum grauen Anzug, der sich gerade zusammen mit Andreas über eine mit Beton ausgestrichene Silikonform beugt: Siegfried Neuenhausen, Künstler aus Hannover und emeritierter Braunschweiger Kunstprofessor. Er ist 86, er sieht nicht mehr gut, aber Fachsimpeln kann er wie kein Zweiter. Wie man den speziellen Beton anrührt.  Wie er mit Draht verstärkt wird. Was das ist, an dem Andreas arbeitet – es ist ein Ensemble von lebensgroßen Männerfiguren. Ein bremischer Künstler hat sich das ausgedacht. Und der Künstler, der den anstrengenden Teil der Arbeit erledigt, ist Andreas. 

Mehr Selbstbewusstsein

1978 hat alles angefangen. Die JVA Bremen hatte einen Gestaltungsauftrag zu vergeben. Siegfried Neuenhausen gewann den Wettbewerb mit dem Vorschlag, Gefangene zu beteiligen. Damals fing man gerade an darüber nachzudenken, dass Straftäter vielleicht doch nicht nur weggesperrt gehören. Der Professor war seinerzeit nicht nur Lehrender, sondern auch Lernender. „Ich hatte gar kein Ahnung von Steinbildhauerei“, erzählt er und grinst. „Ich habe einen Steinmetz geholt und alles genauso gelernt wie die anderen.“ 

Dass er sich nicht über die Gefangenen gestellt hat, das schuf Vertrauen. Und dass die Knackis plötzlich Dinge hinkriegten, von denen sie niemals gedacht hätten, dass sie sie hinkriegen, das trug zu ihrem Selbstbewusstsein bei. Dann kamen auch noch die Aufseher und lobten sie. Viele wussten gar nicht, was das ist, Lob.

Nach ein paar Monaten dachte sich Siegfried Neuenhausen, es wäre schön, die Werkstatt beizubehalten. Die Idee stieß beim Senat auf Gegenliebe – und deswegen gibt es nun ein Jubiläum: 40 Jahre Bildhauerwerkstatt in der JVA Bremen.

Weniger Rückfälle

Je acht Plätze bieten die Jugend- und die Erwachsenenwerkstatt, plus sechs Plätze in der Außenwerkstatt vor den Mauern, in der Arbeitslose und Ehemalige arbeiten. Die Gefangenen fertigen Eigenes und erledigen Auftragsjobs, berichtet Hans-Henning Hoff, der Vorsitzende des Vereins „Mauern öffnen“, der die Werkstätten heute betreibt. Hoff war übrigens zuvor der Knast-Direktor. Er sagt, es gebe zwar keine Studien darüber, aber er sei ganz sicher, dass Bildhauerwerkstatt-Absolventen besser resozialisierbar seien und seltener rückfällig würden als andere Gefangene.

An diesem Tag arbeiten die Gefangenen unter der Anleitung von Ulrike Möhle, Stefanie Supplieth, Martina BenzHolger Voigts und Andreas Kremsler – alles Bremer Künstler. Und jeder Knacki ist engagiert bei der Sache. Ardian etwa, ein Albaner, 20, er hat drei Jahre und zwei Monate unter anderem wegen EC-Karten-Betrugs bekommen. Er formt einen Löwen aus Ton. Löwen, die mag er. Stärke. Geschmeidigkeit. Man spürt das Selbstbewusstsein – in der entstehenden Figur und in dem jungen Mann. 

Andreas ist sich übrigens fast sicher, dass er es diesmal schafft. Er ist jetzt im Methadonprogramm, in zwölf Wochen kommt er raus. Wie stellt er sich seine Zukunft vor, wo will er arbeiten? „In der Außenwerkstatt der Bildhauerwerkstatt.“

Kunst aus dem Knast

Die Kunstwerke der Gefangenen aus der Bildhauerwerkstatt in der JVA Bremen stehen auch zum Verkauf. Zweimal im Jahr, im Sommer und zu Weihnachten, veranstaltet die frei zugängliche Außenwerkstatt  (Sonne­mannstraße 5, 28239 Bremen) eigene Ausstellungen. Die Termine finden sich auf der Internetseite des Trägervereins: www.mauern-oeffnen.de.

  

In diesem Jahr wird wegen des 40. Jubiläums von Mitte August bis mutmaßlich Ende September eine Skulpturenausstellung in der Bremer Bürgerschaft gezeigt. Der genaue Termin steht noch nicht fest; er wird ebenfalls auf der Internetseite des Vereins bekanntgegeben. Wer Kontakt zu den Werkstätten aufnehmen oder sich per Newsletter regelmäßig informieren lassen will, kann sich per E-Mail an mauern.oeffnen@web.de wenden.

Von Bert Strebe

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