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Der Norden Briefträger-Projekt für Senioren floppt
Nachrichten Der Norden Briefträger-Projekt für Senioren floppt
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17:42 15.04.2019
Ein Briefträger klingelt täglich, um nach dem Rechten zu sehen: Kein einziger Senior wollte in Bremen bei dem Modellprojekt mitmachen. Auch ein Bargeldservice kam nicht an. Quelle: Foto: Jens Wolf/dpa
Bremen

Ein bundesweit beachteter Modellversuch ist gescheitert: Die Deutsche Post wollte ein Jahr lang in Bremen testen, ob sich Briefträger als Altenkümmerer einsetzen lassen. Doch kein einziger Senior hat den kostenpflichtigen Probeservice gebucht. Das im vergangenen Jahr gestartete Projekt Post persönlich läuft deshalb Ende Mai aus und wird nicht verlängert. Das berichtete am Montag eine Post-Sprecherin auf Anfrage.

Ganzes Bündel an Angeboten

Eigentlich sollten 25 Briefträger im gutbürgerlichen Stadtteil Bremen-Schwachhausen regelmäßig bei Senioren klingeln, um sich an der Haustür kurz nach ihrem Wohlbefinden zu erkundigen. Falls die Besuchten Hilfe bräuchten oder gar nicht erst zur Tür kämen, sollten die Postboten den Johanniter-Hausnotruf alarmieren, der sich um alles Weitere zu kümmern hätte. Doch niemand wollte für das Angebot zahlen. Es hätte monatlich 9 bis 15 Euro gekostet – je nachdem, ob die Postboten nur jeden zweiten Tag oder täglich außer sonntags vorbeischauen sollten. Hinzu kämen die weitaus höheren Kosten für den Hausnotruf.

Das nun gescheiterte Briefträgerprojekt gehört zu einem Bündel von Modellangeboten, das unter dem Namen Herbsthelfer vor einem Jahr von der Hansestadt Bremen und neun anderen Institutionen gestartet wurde, um älteren Menschen den Alltag zu erleichtern. Dazu zählt auch ein Bargeldservice: Kunden der Sparkasse Bremen können bei dem Kreditinstitut per Telefon bis zu 500 Euro von ihrem Konto abheben und sich das Geld per Post zustellen lassen – gegen eine Servicepauschale von 9,50 Euro. Doch auch dieses Angebot kam nicht recht an: Nach Auskunft des pensionierten Informatikprofessors Herbert Kubicek, der das Herbsthelfer-Projekt wissenschaftlich begleitet, hat nur ein einziger Kunde den Bargeldservice genutzt.

Die Post hatte ihre Herbsthelfer-Beteiligung damit begründet, dass sie neue Dienstleistungen testen wolle, nachdem die Zahl der auszuliefernden Briefe zurückgegangen sei. 2014/2015 war bereits ein Hausbesuchsprojekt der Post im Ruhrgebiet gescheitert, ebenfalls wegen zu geringer Kundennachfrage.

Wenig Erfolg hatte auch ein anderes Herbsthelfer-Angebot: Bremer Altenheime konnten sich mit E-Book-Lesegeräten ausstatten lassen, die von der Sparkasse Bremen gesponsert wurden. Beschäftigte der Stadtbibliothek sollten regelmäßig die Heime aufsuchen und den Bewohnern die elektronische Buchausleihe erklären. Doch nur fünf Heime nutzten zuletzt diese Hilfe zur Selbsthilfe, und deshalb soll auch dieses Projekt im Mai auslaufen. Kubicek hofft, dass sich die E-Book-Schulungen auf eigene Faust fortsetzen lassen: Heimbewohner mit Internetkenntnissen könnten ihr Wissen weitergeben.

Nachträglich hinzugekommen ist im März ein Angebot, das nach Kubiceks Einschätzung in dieser Form bundesweit einmalig ist: Sogenannte Digital-Assistenten von Wohlfahrtsverbänden besuchen ältere Menschen ein- bis zweimal pro Woche in ihrer Wohnung und zeigen ihnen zum Beispiel, wie sie E-Mails verschicken oder Arzneien im Internet bestellen können. Laut Kubicek nehmen 15 Senioren diesen Dienst in Anspruch und bekommen dafür leihweise Tablet-Computer gestellt. Ende Mai laufe aber auch hier die Finanzierung aus. Ob das Angebot fortgesetzt werden könne, „ist eine Geldfrage“.

Für das gesamte Herbsthelfer-Projektpaket mit Ausnahme der Briefträgerbesuche stellt die Stadt Bremen bis Ende Mai 460 000 Euro zur Verfügung. Das Postprojekt sollte von vornherein nicht mit Steuergeldern gefördert werden.

Interesse an Formularen

Besonders gut läuft hingegen ein anderer Service, der ebenfalls zu dem Bremer Senioren-Hilfsprogramm gehört: Wer zu gebrechlich für Behördengänge ist, kann telefonisch städtische Formulare anfordern und sich kostenlos per Brief zusenden lassen – Kubicek spricht hier von rund 500 Formularbestellungen pro Monat. „Das wird mit Sicherheit weitergemacht.“

Anlaufschwierigkeiten gibt es dagegen beim Ummeldeservice vor Ort. Städtische Bedienstete sollen Seniorenheime besuchen und dort Meldeformalitäten erledigen, damit die Bewohner nicht mühsam die Behörde aufsuchen müssen. Aber der eigentlich für Juni 2018 geplante Start hat sich laut Kubicek bis jetzt verzögert, weil das nötige Konzept für Datenschutz und -sicherheit noch nicht endgültig feststeht.

Von Eckhard Stengel

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