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Der Norden Feuerwehrmann legte zwölf Brände
Nachrichten Der Norden Feuerwehrmann legte zwölf Brände
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00:17 12.01.2018
500 000 Euro Schaden entstanden beim Brand dieses Hauses in Bad Harzburg, der auf das Konto des „Feuerteufels“ geht. Quelle: Schlegel
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Bad Harzburg/Braunschweig

 Die Funkstreife kam im rechten Moment. Es war am 13. Juli vergangenen Jahres, auf einem Supermarktparkplatz in Bad Harzburg: Ein 19-Jähriger hatte ein Auto, das dort stand, mit Benzin übergossen. Er hatte das Streichholz schon angerissen. Dann stand die Polizei neben ihm und stoppte ihn. 

Es war das Ende einer ganzen Brandstiftungsserie. Seit Dienstag nun muss sich der junge Mann, inzwischen 20, vor dem Landgericht Braunschweig verantworten: planmäßige und wiederholte Brandstiftung. Insgesamt zwölf Brände legt man dem „Feuerteufel aus Bad Harzburg“, wie ihn die Leute damals nannten, zur Last. Es ist kein gewöhnlicher Prozess: Zum einen war der mutmaßliche Täter zum Zeitpunkt seines Zündelns selbst Feuerwehrmann. Zum anderen leidet er offenbar an einer Persönlichkeitsstörung. Die Staatsanwaltschaft geht von verminderter Schuldfähigkeit aus. Der Angeklagte ist bereits in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden.

Fachwerkhaus brannte aus

Am ersten Prozesstag wurde nur die Anklageschrift verlesen: Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltsschaft hat der Mann mit Fünfliterkanistern Benzin und mit Spiritus hantiert und Altpapiercontainer und Bushaltestellen angezündet. Eines der Feuer hatte er erst kurz vor dem Versuch, das Auto abzubrennen, an einem hölzernen Wartehäuschen an der Westeroder Straße gelegt.

Den größten Brand entfachte der junge Mann am 11. Juli 2017.  Er suchte sich ein leer stehendes dreistöckiges Fachwerkhaus an der Breiten Straße in Bad Harzburg für sein Vorhaben aus.  Er kletterte dafür über eine Mauer und goss dann zwei Liter Benzin über einem Stapel Holzpaletten aus. Anschließend zündete er Papier an und setzte damit die Paletten unter Feuer. 

Der Täter war einer von ihnen

Das Fachwerkhaus samt Dachstuhl brannte völlig aus. Der Sachschaden belief sich auf mehr als 500.000 Euro. Während der ganzen Zeit der Brandserie waren die Männer der Feuerwehr in Bad Harzburg ständig in Alarmbereitschaft, manch einer klagte schon, er könne nicht mehr – zumal zu den von dem Brandstifter gelegten Feuern noch ein Großbrand in einer Elektrorecyclingfirma hinzukam, der mit dem Angeklagten nichts zu tun hatte.

Dann, nach der Festnahme des 19-Jährigen, der Schock: Der Täter war einer von ihnen. Er war Mitglied der Stadtfeuerwehr Bad Harzburg.

Das war umso schlimmer, als es 2011 schon mal einen vergleichbaren Fall mit ungefähr halb so vielen Bränden gegeben hatte. Für gewöhnlich geht es bei solchen Vorkommnissen um Männer, die den Helden spielen wollen und sich dann per Brandstiftung selbst die Gelegenheit dazu verschaffen. In diesem Fall war das nicht so. 

Mann sei „total unauffällig“

Andreas Liebau, der zuständige Ortsbrandmeister, erinnert sich an den jungen Mann, der jetzt in Braunschweig vor dem Kadi steht, als „total unauffällig“. Er sei bis zu den Taten zwei oder drei Jahre dabei gewesen, völlig integriert, aus gutem Elternhaus, auch beliebt bei den Kameraden. Deswegen sei das Erschrecken so groß gewesen, sagt Liebau: „Es deutete nichts darauf hin, dass da was passieren könnte.“ Auch beim Löschen der eigenen Brände habe sich der Mann nicht besonders hervorgetan. 

Aber es gab bald keinen Zweifel, dass er verantwortlich war: Er legte noch in der Untersuchungshaft ein Geständnis ab. 

Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

Von Bert Strebe

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